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4 Einordnung in den betriebswirtschaftlichen Kontext

Die Forschungsarbeiten, die im Rahmen dieser Arbeit erfolgten, gehören klassischerweise nicht zu den Disziplinen der Wirtschaftswissenschaften. Vielmehr sind Untersuchungen von Funktionen und Verhaltensweisen des Gehirns den Gesundheitswissenschaften oder den Neurowissenschaften zuzuordnen.

Innerhalb der Neurowissenschaften, die sich in molekulare, zelluläre, systemische, verhaltensorientierte und kognitive Neurowissenschaften gliedern, [1] können die Forschungsarbeiten den kognitiven Neurowissenschaften zugeordnet werden.

Gauggel teilt die Neuropsychologie als Teil der kognitiven Neurowissenschaften in klinische und kognitive Neuropsychologie. Während sich die klinische Neuropsychologie mit Erkrankungen und Schädigungen des Gehirns befasst, beschäftigt sich die kognitive Neuropsychologie mit Modellen und Theorien der Funktionsweise des gesunden Gehirns. [2]

Auch innerhalb der Neurowissenschaften kann zudem zwischen klinischer (meistens ausgeführt durch Mediziner) und experimenteller Forschung differenziert werden. Die experimentelle Forschung gliedert sich wiederum in verschiedene Themenfelder oder Anwendungsgebiete auf (z.B. Entwicklungsneurowissenschaften, Neuroanatomie, Neuropharmakologie), abhängig von den Untersuchungsansätzen oder den Fragestellungen der einzelnen Disziplinen. [3]

Die geleisteten Forschungsarbeiten können hierbei zudem der Neurophysiologie zugeordnet werden, die sich schwerpunktmäßig mit der elektrischen Aktivität des Nervensystems befasst.

Die Forschungsmotivation kommt aus dem Themengebiet der Betriebswirtschaftslehre und soll den Bereichen der Personalökonomik und Organisationslehre durch den interdisziplinären Ansatz neue Erkenntnisse liefern.

Die Fragestellung, Zielsetzung und die gewählten Methoden und Hilfsmittel haben einen interdisziplinären Ansatz und stehen in enger Verknüpfung zu den Neurowissenschaften. Abbildung 16 schafft einen Überblick über die tangierten Wissenschaftsdisziplinen und ordnet die Forschungsarbeiten in den betriebswirtschaftlichen Kontext ein.

Der Begriff des Neuroleadership verbindet unmittelbar die Disziplinen der Neurowissenschaften und der Personalführung miteinander und hat die „hirngerechte Mitarbeiterführung“ (also unter Berücksichtigung von wissenschaftlichen Erkenntnissen über die neuronale Funktionsweise des Gehirns) zum Inhalt. Der hier gewählte Forschungsansatz soll dazu beitragen, Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften für die Betriebswirtschaft nutzbar zu machen und neurowissenschaftliche Forschungsfragen an den Bedürfnissen der Betriebswirtschaft, insbesondere dem nachhaltigen Personalmanagement und der nachhaltigen Organisationsgestaltung, auszurichten. Aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht kann man die Zielsetzung auch als die Lösung betriebswirtschaftlicher Fragestellungen durch den Einsatz neurowissenschaftlicher Methoden formulieren.

Abbildung 16: Einordnung in die Wissenschaften und interdisziplinäre Verknüpfung

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) (FOS, 2007) und Bundesanstalt Statistik Österreich (ÖFOS, 2012)

Die interdisziplinäre Problemlösung bezieht sich bei dieser Arbeit schwerpunktmäßig auf die beiden Disziplinen Betriebswirtschaftslehre und Neurowissenschaften, berührt darüber hinaus aber auch Fragestellungen anderer Wissenschaftsbereiche. Die Erkenntnisse der Forschungsarbeiten können ebenfalls mit den Disziplinen Psychologie (Motivationspsychologie, Neuropsychologie, Arbeitspsychologie) und Gesundheitswissenschaften (Berufskrankheiten, computerunterstütze Diagnose und Therapie, Stressforschung), aber auch weiteren Themenfeldern innerhalb der Wirtschaftswissenschaften (Marketing, Risikomanagement, Arbeitswissenschaften) in Zusammenhang gebracht werden.

Unter dem Begriff „Arbeitswelten“ lässt sich ein weiterer Schwerpunkt der Forschungsziele zusammenfassen. Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, dass Unternehmen Arbeitsumgebungen, -strukturen und -organisation so gestalten können, dass Mitarbeiter dem Unternehmen nachhaltig zur Verfügung stehen. Die Senkung von Kosten für das Unternehmen, z.B. durch die Reduzierung von krankheitsbedingten Ausfällen und die Verringerung von Fehlern aufgrund von Überbelastungen der Mitarbeiter, sollen ermöglicht werden, ebenso wie die Steigerung der Produktivität der Mitarbeiter, z.B. aufgrund erhöhter Motivation oder höherer Leistungsfähigkeit. Für die Mitarbeiter sollen Fehlbeanspruchungen und gesundheitliche Risiken reduziert, sowie eine höhere Lebensqualität im beruflichen Kontext erreicht werden.

  • [1] Vgl. Bear et al., Neurowissenschaften, 2009, S.14f.
  • [2] Vgl. Gauggel, S., Neuropsychologische Grundlagen, in Wittchen/Hoyer: Klinische Psychologie und Psychotherapie, 2011, S.206.
  • [3] Vgl. Bear et al., Neurowissenschaften, 2009, S.16f.
 
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