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5.3.3 Durchführung der Messung

Mit dem Start der EEG-Aufzeichnungen erfolgte auf einem zweiten Monitor der Start einer Bildschirmpräsentation mit verschiedenen Aufgaben für den Probanden.

Ziel der unterschiedlichen Aufgaben während der EEG-Aufzeichnung war es, verschiedene Belastungssituationen für die Probanden herzustellen. Hierbei sollten die Probanden zum einen alle in einen möglichst ähnlichen Belastungszustand gebracht werden und sich gedanklich demselben Inhalt widmen. Zum anderen sollten die Probanden während der Aufzeichnung, innerhalb ihres individuellen Belastungszustandes, verschiedenen Reizen ausgesetzt werden, um möglichst eine Veränderung des EEG bei geistiger Anstrengung, erkennbar zu machen.

Folgende Abbildung 19 zeigt beispielhaft die deutlich sichtbar unterschiedlichen EEG-Ableitungen bei verschiedenen Belastungssituationen aus einer Aufzeichnung von Berger.

Abbildung 19: Veränderung des EEG während einer Rechenaufgabe

Quelle: Entnommen aus Berger, H. (1938, S. 48)

In Sequenz a) befindet sich der Proband im passiven Zustand (Ruhe, bequeme Rückenlage, geschlossene Augen). Während Sequenz b) befasst der Proband sich mit einer Rechenaufgabe, wobei das EEG bereits deutliche Unterschiede zu Sequenz a) zeigt (Beta-Wellen dominieren). Innerhalb von Sequenz c) wird die Aufgabe vom Probanden korrekt gelöst (Pfeilmarkierung). Die überwiegenden Beta-Wellen werden von den Alpha-Wellen abgelöst und das EEG des Probanden zeigt wieder den passiven Zustand. [1]

Der Studienleiter saß während der Messung außerhalb des Sichtfeldes der Probanden und überwachte die Funktionsfähigkeit der Präsentation und der Aufzeichnungsapparatur, sowie die korrekte Ausführung durch die Probanden (Abbildung 20).

Abbildung 20: Darstellung der Studiensituation während der EEG-Aufzeichnung

Quelle: Eigene Darstellung

Der Studienleiter verhielt sich während der gesamten Studiendauer ruhig und beobachtete ausschließlich die Aufzeichnung.

Die Bildschirmpräsentation war bei allen Probanden einheitlich und lief wie folgt ab:

Phase 1: Hinweise zum Ablauf und Einweisung in die erste Aufgabe (Screen 13), insgesamt 48 Sekunden. Die Augen des Probanden waren hierbei geöffnet.

Phase 2: Ein Fixationskreuz wird für 120 Sekunden aufgeblendet. Die Augen des Probanden sind hierbei geöffnet. (Screen 4)

Phase 3: Einweisung in die zweite Aufgabe, 15 Sekunden. Augen des Probanden geöffnet. (Screen 5)

Phase 4: Ruhemessung für 120 Sekunden. Augen des Probanden geschlossen. Nach 120 Sekunden ertönt ein Geräusch (2 Sekunden) als Zeichen für den Probanden, seine Augen wieder zu öffnen. (Screen 6-7)

Phase 5: Einweisung in die dritte Aufgabe, insgesamt 30 Sekunden. Augen des Probanden geöffnet. (Screen 8-9)

Phase 6: Aufgabe Kopfrechnen: von 1000 in 7er-Schritten abwärts rechnen, insgesamt 120 Sekunden. Das Ergebnis muss der Proband bis zum Ende der Messungen im Kopf behalten. Augen des Probanden geöffnet. (Screen 10-11)

Phase 7: Einweisung in die vierte Aufgabe, insgesamt 30 Sekunden. Augen des Probanden geöffnet. (Screen 12-13)

Phase 8: Text lesen, insgesamt 120 Sekunden. Einige (willkürliche) Buchstaben des Textes sind in blau geschrieben. Augen des Probanden geöffnet. (Screen 14-15).

Phase 9: Zwei Fragen zum Text werden gestellt (insgesamt 20 Sekunden), deren Antworten sich der Proband ebenfalls bis zum Ende der Messungen merken soll. Augen des Probanden geöffnet. (Screen 16)

Phase 10: Einweisung in die fünfte Aufgabe, 20 Sekunden. Augen des Probanden geöffnet. (Screen 17)

Phase 11: Erneut wird ein Fixationskreuz für 120 Sekunden aufgeblendet. Augen des Probanden geöffnet. (Screen 18)

Phase 12: Einweisung in die sechste Aufgabe, 15 Sekunden. Augen des Probanden geöffnet. (Screen 19)

Phase 13: Ruhemessung für 120 Sekunden. Augen des Probanden geschlossen. Nach 120 Sekunden ertönt wieder ein Geräusch (2 Sekunden). (Screen 20-21)

Phase 14: Hinweis, dass Messung nun beendet ist. Dank an den Teilnehmer. (Screen 22)

Die Bildschirmpräsentation folgte einem einheitlichen Design, wie es in Abbildung 21 dargestellt ist. Zu sehen war eine weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund. Der Text war zentriert und in Schriftgröße 18 Pkt. geschrieben. [2]

Abbildung 21: Bildschirmpräsentation während der EEG-Messung

Quelle: Eigene Darstellung

Die Präsentation dauerte insgesamt 915 Sekunden und hatte den Zweck, die Probanden verschiedenen, einheitlichen Stimuli auszusetzen, um die Messungen vergleichbar zu machen. Durch die einheitlichen, kognitiven Anregungen an die Probanden, sollte vermieden werden, dass die Probanden während der Messungen an unterschiedliche Dinge denken.

5.3.4 Kurze Befragung

Während die letzte Folie aufgeblendet war, wurde die Aufzeichnung der EEGMessung vom Studienleiter gestoppt. Anschließend erfolgte die Sicherung der Messdaten.

Die Probanden wurden nun nach den drei zu ermittelnden Ergebnissen (Rechenergebnis, Gründungsjahr der Hochschule und Anzahl der blauen Buchstaben) befragt und diese vom Studienleiter notiert. Hiernach erfolgte das Abnehmen der Elektrodenhaube.

Die Befragung und das Abnehmen der Elektrodenhaube dauerten ca. 2 Minuten.

5.3.5 Schriftliche Befragung anhand eines Persönlichkeitstest

Im vierten Schritt wurden die Probanden gebeten, einen standardisierten, schriftlichen Persönlichkeitstest zu bearbeiten. Die Ergebnisse des Persönlichkeitstestes sind nicht Gegenstand der weiteren Ausführungen, daher wird die schriftliche Befragung hier nicht weiter thematisiert.

Abschließend wurde dem jeweiligen Probanden erneut für die Teilnahme gedankt und der Teilnehmer verabschiedet. Für die Teilnehmer bestand anschließend die Möglichkeit in einem nahegelegenen Bad, mit Hilfe von verschiedenen Hygieneartikeln, die Reste der verwendeten Elektrodenpaste zu entfernen.

  • [1] Vgl. Berger, H., Das Elektrenkephalogramm des Menschen, 1938, S.48f.
  • [2] Die vollständige Präsentation ist als Anhang 4 zu finden.
 
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