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7 Zusammenfassung und Ausblick

Bezugnehmend auf die Ausführungen zu Beginn dieser Arbeit kann festgehalten werden, dass die Veränderungen des Arbeitsinhaltes, wie z.B. die zunehmende Informationsflut und Arbeitsverdichtungen, zu einer steigenden Belastung bei vielen Arbeitnehmern führt. Auch eine ungünstige Arbeitsorganisation, bedingt zum Beispiel durch ungenügende Pausenzeiten oder Rund-um-die-UhrErreichbarkeit, wie sie in vielen Berufen heutzutage anzutreffen ist, trägt ihren Teil hierzu bei. Vor allem aber die zunehmende kognitive Beanspruchung von Arbeitnehmern in der heutigen Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft, führt bei Fehlbelastungen immer öfters zu psychischen Erkrankungen und zu hiermit verbundenen Arbeitsausfällen.

Bedeutend für die Motivation dieser Ausarbeitung ist, dass die Anzahl der Krankschreibungen aufgrund von psychischen Erkrankungen, gegenüber dem stagnierenden Gesamttrend von Arbeitsunfähigkeitstagen, in den letzten Jahren stetig zugenommen hat. [1] Eine Diagnose, die im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen immer häufiger getroffen wird, ist Burnout. Belastbare Zahlen zu der wahren Anzahl an Burnout-Fällen in Deutschland liegen nicht vor. Gründe hierfür sind u.a. die Unkenntnis vieler Ärzte über die richtige Abgrenzung der Diagnose Burnout gegenüber psychischen Erkrankungen im Allgemeinen und die fehlerhafte Verschlüsselung von Burnout-Symptomen in AUBescheinigung. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die tatsächlichen Burnout-Zahlen deutlich höher sind, als diese in den Statistiken der Krankenkassen zu finden sind. Selbst in den Gesundheitsberichten der Krankenkassen werden die eingereichten Burnout-Zahlen angezweifelt. [2]

Psychische Erkrankungen verursachen mittlerweile die zweitgrößte Anzahl an Arbeitsunfähigkeitstagen und gehören zu den „teuersten“ Erkrankungen, da sie zu besonders langen Arbeitsausfällen bei betroffenen Arbeitnehmern führen. Somit haben psychische Erkrankungen nicht nur volkswirtschaftliche Auswirkungen (bezogen auf eine geringere Bruttowertschöpfung), sondern können auch für einzelne Unternehmen deutliche finanzielle Risiken mit sich bringen. Der Ausfall an Bruttowertschöpfung für die deutsche Volkswirtschaft aufgrund psychischer Erkrankungen wird auf über 10 Milliarden Euro geschätzt, was gleichzeitig einen Anhaltspunkt für das volkswirtschaftliche Potenzial von Präventionsmaßnahmen in diesem Bereich darstellt.

Diese Präventionsmaßnahmen stellen eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung dar, die gemeinsam von Staat, Sozialversicherungsträgern, Unternehmen, aber auch jeder Privatperson angegangen werden muss. Nur durch die gesellschaftliche Reaktion kann einer weiteren psychischen Belastung der Gesellschaft entgegengewirkt werden, was bezogen auf den demografischen Wandel und den Wandel in der Arbeitswelt von hoher Bedeutung ist.

Ein Ziel der Forschung innerhalb vieler wissenschaftlicher Disziplinen sollte es daher sein, Ansätze zu entwickeln, die eine psychische Belastung von Arbeitnehmern am Arbeitsplatz reduzieren und dieser bestenfalls präventiv entgegenwirken.

Im Rahmen dieser Arbeit wurde daher eine empirische Studie durchgeführt, die die wissenschaftlichen Disziplinen der Betriebswirtschaftslehre mit denen der Neurowissenschaften verbindet. Ziel der Forschungsarbeiten war die Entwicklung von Aufmerksamkeitsprofilen, die durch EEG-Messungen der kognitiven Beanspruchung von Probanden erfasst und gebildet wurden. Zur grafischen Darstellung der Aufmerksamkeitsprofile wurden Hüllkurven entwickelt. Insgesamt konnten drei signifikante Hüllkurventypen bei geschlossenen Augen der Probanden entwickelt werden. Als Gemeinsamkeit weisen diese Aufmerksamkeitstypen alle einen verhältnismäßig hohen Alpha-Anteil (allerdings in verschiedenen Frequenzbereichen) auf. Hohe Beta-Werte konnten aufgrund des Studiendesigns nicht ermittelt werden.

Zur detaillierteren Differenzierung und Weiterentwicklung dieser Aufmerksamkeitsprofile über alle Frequenzbereiche müssen weitere Studien durchgeführt werden, für die im Rahmen dieser Arbeit Lösungsbzw. Gestaltungsvorschläge geliefert wurden. Der Schwerpunkt bei der Gestaltung von weiteren Studiendesigns sollte auf einer hohen und kontrollierbaren Beanspruchung der Probanden während der Aufgabenbearbeitung liegen.

Die entwickelten Hüllkurven stellen ein verständliches Hilfsmittel dar, anhand derer Personen in verschiedene Kategorien von Aufmerksamkeitstypen bei einer bestimmten Bedingung (Aufgabe) eingeordnet werden können. Ausgehend von diesen (oder dann bereits weiterentwickelten) Aufmerksamkeitsprofilen, könnten weitergehende Forschungsarbeiten die kognitive Variabilität der verschiedenen Aufmerksamkeitstypen untersuchen. Langfristig sollten hierdurch Erkenntnisse geschaffen werden, die eine nachhaltigere Gestaltung von Arbeitsplätzen (z.B. richtiges Pausenverhalten) bezogen auf die kognitive sowie psychologische Belastung ermöglichen.

Anzumerken ist, dass die Erstellung von Mitarbeiterprofilen im Unternehmen bezogen auf die kognitive Aufmerksamkeit sicherlich auch kontrovers diskutiert werden kann. Möglichkeiten der Überwachung und der Benachteiligung von Mitarbeitern bei missbräuchlicher Verwendung der Aufmerksamkeitsprofile durch den Arbeitgeber stehen einem leistungsoptimierten Einsatz und einer geringeren kognitiven Überbelastung gegenüber. Einem Einsatz von Aufmerksamkeitsprofilen in Unternehmen müssten eine ethische sowie eine arbeitsrechtliche Diskussion vorausgehen. Nachhaltig könnte der Einsatz von Aufmerksamkeitsprofilen nur möglich sein, wenn auch die betroffenen Mitarbeiter den Mehrwert dieser Maßnahmen erkennen und Arbeitgeber diese mit einem sozialen Bewusstsein einsetzen.

  • [1] Vgl. DAK-Gesundheit, Gesundheitsreport 2013, S. 35.
  • [2] Vgl. ebenda, S. 48f.
 
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