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2.3 Softwarearchitekturen nach Quasar

Quasar sieht für die Gestaltung der Softwarearchitektur drei Ebenen vor, die sich wie folgt definieren:

- TI-Architektur: Sie beschreibt die technische Infrastruktur des Informationssystems. Dazu gehören die technischen Geräte wie Rechner, Netzleitungen und Drucker, die installierte Systemsoftware wie z.B. das Betriebssystem und das Zusammenspiel von Hardware und Systemsoftware. Auch die verwendete Programmiersprache zählt Quasar zur TI-Architektur

- A-Architektur: Sie beschreibt die Architektur der Anwendung und somit die anwendungsspezifischen Bestandteile des Systems. Laut Quasar ist es ohne weiteres möglich, „ohne Annahme über die Technik und nur in Kenntnis der fachlichen Anforderungen die Anwendung in sinnvolle Komponenten zu zerlegen und diese Komponenten ändern sich im Entwicklungsprozess nicht oder nur wenig“.

- T-Architektur: Die T-Architektur ist das Bindeglied zwischen der A- und der TI-Architektur. Sie stellt Schnittstellen bereit, gegen die die A-Komponenten auf die technische Infrastruktur zugreifen können. Sie definieren insbesondere den Umgang mit dem Betriebssystem und anderen systemnahen, technischen Komponenten.

Die A-Architektur beinhaltet die A-Komponenten und die T-Architektur die TKomponenten.

2.4 Portierung und Portabilität

Im Kern befasst sich die Arbeit mit einer Portierung. Aus diesem Grund werden die Begriffe Portierung und Portabilität nachfolgend definiert und erläutert.

2.4.1 Portierung

Der folgende Abschnitt soll einen Konsens für den Terminus Portierung schaffen. Indirekt lässt sich aus dem Terminus Portierung der Fachausdruck Portabilität ableiten, für den die Arbeit ebenfalls eine gemeingültige Definition ableitet.

Der Abschnitt gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil werden Definitionen aus einschlägiger Literatur vorgestellt und bewertet. Darauf aufbauend leitet der Autor im zweiten Teil eine für diese Arbeit geltende Beschreibung der genannten Fachausdrücke ab. Hilfestellung bietet die veröffentlichte Diplomarbeit von Michael Müller, die in Kapitel 2.1.1 eine umfassende Sammlung der Definitionen liefert. Zusätzlich hat der Autor aktuelle Definitionen ergänzt.

Die Portierung an sich beschreibt den Prozess, der notwendig ist, um ein Softwaresysteme auf eine andere Systemumgebung zu übertragen. Auch in der einschlägigen Literatur lassen sich hierzu einige Definitionen finden. So beschreibt Mooney (1997), in seinem Technical Report, die Portierung als ein Verfahren, um ein bereits existierendes Software-System auf einer neuen Umgebung zu erstellen.

„Porting is the act of producing an executable version of a software unit or system in a new environment, based on an existing version.“

In seiner Definition vereinigt er unter dem Begriff software unit Anwendungsprogramme, Systemprogramme und Teilprogramme. Unter einem software system versteht er eine Sammlung von software units. Ein Environment bezeichnet er als eine Gruppe von Elementen, die mit der Software kommuniziert. Dazu zählt er Prozessoren, Betriebssysteme, Ein- und Ausgabegeräte, Netzwerke und sogar den Menschen.

In der weiteren Ausführung seines Reports betont er, dass eine Portierung nicht mit einer Neuentwicklung (engl. Redevelopment) gleichzusetzen ist, sondern als Alternative angesehen werden sollte. Da eine Portierung aus seiner Sicht auf eine bereits existierende Implementierung basiert, wohin die Neuentwicklung von einer existierenden Spezifikation ausgeht.

Kaindl geht in seinem Artikel Portability of Software noch einen Schritt weiter, indem er den Ausdruck der Portierung anhand einer Formel beschreibt.

„A port is a mapping , where P is the program to be ported, the resulting program after the port, the original and

the target environment. The following condition must be hold:

.”

Bestandteil dieser Formel ist eine klare Definition der Umgebung ( ), die wie folgt definiert wird:

„An Environment is a triple , where , , is a set of language processors, is an operating system and is a machine”

Nach oben genannter Regel ist von einer Portierung die Rede, sobald mindestens

- eine Implementierungssprache,

- das Betriebssystem,

- die Maschine oder

- mehrere Umgebungsmerkmale gleichzeitig verändert werden.

Ebenso werden in der Literatur die Begriffe Transport und Adaptierung erwähnt. Mooney nennt sie im Zusammenhang mit der Portierung:

„The porting process has two principal components which may be called adaption and transportation. Adaption is any modification that must be performed on the original version. Transportation is physical movement, with low-level adaptation.”

Unter Adaptierung versteht Mooney die Anpassung des Software-Systems an die neue Umgebung. Der Transport beschreibt die Übertragung auf das neue System. Mit lowlevel adaptation meint er die Anpassung von unterschiedlichen Datenformaten auf die neue Umgebung.

 
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