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6.7.4 Curricula, Richtlinien und andere Vorgaben

Wenige Vorstellungen zu den Rahmenbedingungen des Wirtschaftunterrichtens beziehen sich explizit auf Curricula, Richtlinien und andere Vorgaben, die innerhalb des belief systems nur eine untergeordnete Rolle einnehmen. An den Vorstellungen zu den fachlichen Inhalten wurde jedoch deutlich, welche große Rolle Curricula als didaktische Orientierungsinstanz spielen und wie sich das Kerncurriculum in den Äußerungen der Lehrpersonen spiegelte (vgl. Kapitel 6.4). In Bezug auf das Curriculum äußerten sich einige Lehrpersonen mit Blick auf einzelne Inhalte und deren Umfang und Reihenfolge kritisch und begründeten mit dieser Sichtweise didaktische Entscheidungen für oder gegen bestimmte Inhalte oder die Dramaturgie von Themen im ökonomischen Curriculum [1].

Einige Lehrpersonen artikulierten die Vorstellung, dass insbesondere fachfremd unterrichtende Wirtschaftslehrpersonen bzw. politikaffinere Politik-Wirtschafts-Lehrpersonen sich nicht an den Vorgaben des Curriculums orientieren würden bzw. dass sie sich selbst nur bedingt an diese Vorgaben halten würden [2]. Lehrpersonen an Oberschulen äußerten sich darüber hinaus dazu, dass es teilweise an diesen noch keine schulinternen Arbeitspläne für das Schulfach „Wirtschaft“ gebe [3] bzw. eine Überforderung mit der Umsetzung des Spiralcurriculums zu beobachten sei [4]. Hinsichtlich anderer Richtlinien und Vorgaben neben dem Curriculum wurde von den Lehrpersonen an Oberund Realschulen vermehrt geäußert, dass das Verhältnis von Wirtschaftsunterricht und Berufsorientierung nicht geklärt sei, diese nach wie vor hauptverantwortlich von den Wirtschaftslehrpersonen übernommen werde und vorrangig im Wirtschaftsunterricht stattfinde. Das folgende exemplarische Beispiel verdeutlicht, wie diese Problematik aus Sicht von Wirtschaftslehrpersonen geschildert wird:

Ich denke, dass die Wirtschaftslehrer da durch das Studium natürlich auch schon recht viel Vorwissen haben. Die Motivation meistens groß ist und auch ganz stark dieser, der Nutzen der Berufsorientierung bei den Wirtschaftslehrern anerkannt wird. Trotzdem ist das nicht von denen alleine zu tragen. Und es ist ja jetzt eben aus dem Kerncurriculum Wirtschaft rausgenommen worden, dass die Berufsorientierung jetzt eben in diesem Fach speziell verankert ist. Es soll ja auf alle Fächer umgelegt werden. Die Gefahr besteht immer schnell, dass es dann so ist, es sind alle verantwortlich, also, es fühlt sich keiner wirklich verantwortlich und da sehe ich noch ganz großen Arbeitsbedarf. Jetzt gerade, wir sind jetzt eine Oberschule so im Aufbau und da sehe ich eben noch ganz viele Schwierigkeiten, die uns von Oben aufgedrückt worden sind. Zu sagen, die Schüler müssen so und so viele Tage Berufsorientierung im Jahr machen und wir eigentlich so ein bisschen da jetzt stehen, wie sollen wir das umsetzen, mit den ganzen anderen Dingen, die wir jetzt machen müssen. Und das ist eben so, das haben jetzt die Wirtschaftslehrer auszuklügeln, wie das funktionieren, wie das in den Alltag passen soll. (Interview XIV, OBS)

An den Vorstellungen der Oberund Realschullehrpersonen wurde deutlich, dass sie die Berufsorientierung als elementaren Bestandteil ökonomischer Bildung verstanden und für sehr wichtig erachteten. Gleichzeitig betonten sie, dass diese Aufgabe nicht alleine vom Wirtschaftsunterricht und unter den gegebenen Rahmenbedingungen zu tragen und zu realisieren sei und gegenwärtig zulasten der Vermittlung anderer ökonomischer Inhalte gehe. Auch vor diesem Hintergrund wurde an den Oberund Realschulen die Verknappung des Wirtschaftsunterrichts durch die aktuelle Stundentafel von den Lehrpersonen kritisch gesehen.

  • [1] Vgl. Interview I, II, XV.
  • [2] Vgl. Interview I, IV, XIV
  • [3] Vgl. Interview I, II
  • [4] Vgl. Interview I
 
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