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Vorstellungen zum Lehren und Lernen im Wirtschaftsunterricht (vgl. Kapitel 6.2)

(a) Vorstellungen zum Lernen im Wirtschaftsunterricht (vgl. Kapitel 6.2.1)

Das Lernen im Wirtschaftsunterricht wurde von den Lehrpersonen als selbstständiges Lernen, handelnde Auseinandersetzung, entdeckendes und forschendes Lernen, Projektlernen und spielerisches Lernen beschrieben, wobei diese Vorstellungen nicht als distinktiv, sondern eng verknüpft verstanden werden müssen. Es wurde deutlich, dass die Vorstellungen eines Großteils der Wirtschaftslehrpersonen über das Lernen im Wirtschaftsunterricht als konstruktivistisch orientiert bezeichnet werden können. Dies wurde insbesondere an der Mediatorrolle, die sich vor allem die Lehrerinnen im Lehr-Lern-Prozess zuschrieben, deutlich. Als Begründung für einen so ausgerichteten Wirtschaftsunterricht wurden vorrangig lerntheoretische und kaum bildungstheoretische Begründungen angeführt. Erkennbar wird dies beispielweise daran, dass als Argumente für die Eignung bestimmter Lernformen ihr Potenzial zur Steigerung von Lernfreude und Motivation in den Vordergund gestellt wurde. Außerdem fanden sich in verschiedenen Interviews in den Vorstellungen zum Lernen und zum Lehren Hinweise auf eine Vernachlässigung der fachlich-inhaltlichen Dimension. Zwar beschrieben die Lehrpersonen vielfach eine induktiv orientierte Vorgehensweise, nach der die Schülerinnen und Schüler anhand vermeintlich exemplarischen Beispielen lernen sollen. Diese erwiesen sich in der Analyse jedoch vielfach nicht als wirklich exemplarisch und es wurde erkennbar, dass die von Krol et al. (2006a) skizzierten „Trugschlüsse der Verallgemeinerung“ ein didaktisches Problem des Wirtschaftsunterrichts sind. Ersichtlich wurde außerdem, dass dies durch die Intention der Lehrpersonen begünstigt wurde, den Lernenden das Lernen dadurch zu erleichtern, dass möglichst lebensweltnah und an Beispielen gelehrt und gelernt wird.

In Bezug auf die Vorstellungen zu Schwierigkeiten des Lernens im Wirtschaftsunterricht lässt sich festhalten, dass Lehrpersonen an Gymnasien eher fachspezifische Schwierigkeiten, wie das Denken in ökonomischen Modellen oder die Urteilsbildung, beschrieben. Für die Lehrpersonen an Oberund Realschulen standen eher allgemeinere Probleme, wie fehlende Motivation, Konzentration sowie Textverständnis, im Vordergrund. Als shared belief lässt sich die Vorstellung bezeichnen, dass das Lernen im Wirtschaftsunterricht von Lehrpersonen aller Schulformen als voraussetzungsvoll beschrieben wurde. Schülerinnen und Schüler würden Motivation bzw. Desinteresse für Wirtschaft und Vorstellungen über ökonomische Zusammenhänge in den Unterricht mitbringen und die Lernvoraussetzungen seien beim ökonomischen Lernen sehr heterogen. Vorwissen, so wurde es in der Analyse der Lehrervorstellungen ersichtlich, wurde von verschiedenen Lehrpersonen als eine Voraussetzung dafür angesehen, erfolgreich am Wirtschaftsunterricht teilnehmen zu können. Dies erscheint vor dem Hintergrund ungleicher Startbedingungen von Schülerinnen und Schülern problematisch. Deutlich wurde außerdem, dass die Lehrpersonen einen Unterschied sahen zwischen dem ökonomischen Lernen im Anfangsunterricht als einem stark an der Lebenswelt ausgerichteten Unterricht und dem vor allem für den Unterricht am Gymnasium in der Sekundarstufe II artikulierten Anspruch, Theorien und Modelle in den Fokus zu rücken und Studierfähigkeit anzubahnen. Gleichzeitig beschrieben die Lehrpersonen, dass die Auseinandersetzung mit abstrakten Theorien und Modellen den Schülerinnen und Schülern schwerfalle. Hieraus lässt sich möglicherweise folgern, dass dieses früher angebahnt und geübt werden muss, was u. a. die starre Zuordnung des Wissenschaftsprinzips zur Sekundarstufe II problematisch erscheinen lässt.

 
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