Durchführung der Interviews

Das Interview soll grundsätzlich offen geführt werden, und der Interviewer nicht zwingend an die Reihenfolge der Fragen im Leitfaden gebunden sein. Durch eine größtenteils offene Fragestellung können auch andere Sichtweisen berücksichtigt werden. Wenn eine verwertbare Antwort auf eine Frage ausbleibt, soll versucht werden, dies im weiteren Gesprächsverlauf mit anderen Worten zu wiederholen.

Die Interviews wurden aufgrund von Zeit- und Kostenvorteilen per Telefon oder via Skype geführt und mit Einverständnis der Gesprächspartner mit einem digitalen Diktiergerät aufgezeichnet, um in weiterer Folge transkribiert werden zu können und so eine lückenlose Auswertung gewährleisten zu können. Zusätzlich bietet dieses Vorgehen den Vorteil, dass sich der Interviewer vollständig auf die Befragung konzentrieren kann und den Experten Raum für ihre Themen zugestanden werden kann. Die Interviews wurden im Zeitraum von Januar bis Februar 2012 geführt. Die Gesprächsdauer lag bei 60 bis 90 Minuten.

Auswertung der Interviews

Die Auswertung im Bereich der qualitativen Forschung bietet lediglich einen Interpretationsrahmen, jedoch keine eindeutige Interpretation der Ergebnisse. Das Ziel der Auswertung von Experteninterviews besteht darin, Gemeinsamkeiten und Kontraste zwischen den befragten Experten herauszuarbeiten sowie geteilte Wissensbestände und Deutungsmuster aufzunehmen.

Die qualitative Inhaltsanalyse stellt das grundlegendste Prinzip zur Erschließung der Interviewdaten für diese Auswertung dar. Sie zielt darauf, das Datenmaterial durch Bildung von Kategorien zu reduzieren. Allerdings ist sie kein „Standardinstrument, das immer gleich aussieht; sie muss an den konkreten Gegenstand, das Material angepasst sein.“ Grundlage für die Auswertung bilden die transkribierten Interviews. „Wenn Daten mit technischen Mitteln aufgezeichnet wurden, steht ihre Verschriftlichung als notwendiger Zwischenschritt vor ihrer Interpretation.“ Auf Notationssysteme (Stimmlagen, Pausen, non-verbale Elemente) soll im Rahmen der Transkription für diese Auswertung verzichtet werden, weil die geteilten Wissensbestände der Experten im Vordergrund stehen. Weil die meisten der zu führenden Gespräche im ortsbzw. landesüblichen Dialekt geführt wurden, war es notwendig, die Aufzeichnungen aus dem Hintergrund der Prämisse der Lesbarkeit ins Hoch-deutsche zu übersetzen. Bei der Übersetzung der in englischer Sprache geführten Interviews (Experte 8 und 12) ist mit großer Sorgfalt vorgegangen worden. Trotzdem können inhaltliche Fehler nicht ausgeschlossen werden. Den Empfehlungen nach MAYER folgend wurden die Aussagen der Experten anonymisiert und die Interviews mit Nummern versehen, sodass keine Rückschlüsse auf bestimmte Personen oder Unternehmen gezogen werden können.

Für die Transkription im Rahmen dieser Untersuchung ist folgendes Schema in Anlehnung an SELTING et al. angewandt worden:

… Aussage ist nicht abgeschlossen worden

((…)) Weggelassene Passagen, da inhaltlich nicht relevant

(---) Anonymisierung von Namen und Bezeichnungen

I Interviewer

E Experte, Teilnehmer werden nummeriert (E1 bis E12) Nummerierung Absatznummerierung

Tabelle 9: Transkriptionsregeln

Für die Wahl einer geeigneten Methode zur Auswertung des umfassenden Materials sollen folgende Überlegungen berücksichtigt werden: a) Tendenzaussagen und Meinungen der Experten sollen erfasst werden, b) die Originalität der Redebeiträge soll erhalten bleiben, c) für den Forscher und Leser soll eine übersichtliche Strukturierung des Materials möglich sein und d) es soll zeitlich sowie ökonomisch effektiv sein. Damit den Kriterien genüge getan werden kann, soll sich die Auswertung der Interviews an der beschreibenden und erklärenden Inhaltsanalyse nach MÜHLFELD et. al. orientieren. Bei dem sechsstufigen Auswertungsverfahren (Abbildung 17) handelt es sich „um eine eher pragmatische Vorgehensweise, die zeitlich und ökonomisch weniger aufwendig ist als hermeneutische Verfahren.“

Abbildung 17: Sechsstufiges Auswertungsverfahren nach MÜHLFELD et. al.

Die handwerkliche Auswertung fand computergestützt mit dem Programm MAXQDA statt, das sich in der qualitativen Forschung etabliert hat.

Während des ersten Durchlesens wurden alle Textstellen markiert, die sofort ersichtliche Antworten auf die entsprechenden Fragen des Leitfadens sind. In einem zweiten Schritt wurde mithilfe des EDV-Programms ein Kategorienschema mit Codewörtern entworfen, um diesen einzelne Interviewausschnitte zuordnen zu können (siehe Abbildung 18). Das Kategorienschema leitete sich dabei aus den Themenbereichen des Leitfadens und den erweiterten Forschungsfragen ab. Das Interview wird hier zerlegt, mit dem Ziel, alle objektiven und subjektiven Informationen zu erfassen.

Abbildung 18: Codebaum der Auswertung

Dabei gilt es abzuwägen, inwieweit die Informationen kodierbar sind. In der dritten Stufe wurden die Textstellen herausgefiltert, die im besonderen Maße für die leitenden Fragestellungen relevant sind, und dadurch eine innere Logik zwischen den Einzelinformationen hergestellt. Dies beinhaltete auch einen Prozess des Abwägens zwischen bedeutungsgleichen und widersprüchlichen Informationen. Die Stufen 4, 5 und 6 wurden in der konkreten Umsetzung des Verfahrens nach MÜHLFELD et al. in einem Prozess integriert. Es wurde ein interpretativer Text erstellt, der die Auswertungslogik darstellt und die Ergebnisse zusammenfasst. Dieser wurde anschließend mit ausgewählten Zitaten aus den Interviews ergänzt. Die gewonnenen Ergebnisse wurden den Befragten einerseits zur Autorisation – in Form von E-Mail-Kontakt – vorgelegt und andererseits, um zu überprüfen, ob die Deutungen den Ansichten der Befragten entsprechen. Die Ergebnisse fanden hiernach korrigiert in den Interpretationen Berücksichtigung. Die Anfertigung eines Forschungstagebuches diente dazu, die einzelnen Arbeitsschritte der Auswertung zu dokumentieren. Die Präsentation der Auswertung wird in Kapitel 7 dargestellt. Mit der Darstellung und Interpretation der Ergebnisse (Kapitel 7) sowie Ergebnisdiskussion (Kapitel 8.1) erfolgt zugleich die Beantwortung der Forschungsfragen F1 bis F3 (siehe Kapitel 6.1) und der zugehörigen Subfragen.

 
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