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3.5.2 Transaktionskostentheorie

Eine im Rahmen der vorliegenden Arbeit wichtige Frage ist die, warum Staaten sich überhaupt internationaler Organisationen bedienen. [1] Die Forschung innerhalb der ökonomischen Analyse des Völkerrechts konzentriert sich in dieser Frage zumeist auf die Transaktionskostentheorie in der Tradition von Oliver E. Williamson und Mancur Olsons Gruppentheorie (Olson, 1965; Williamson, 1985, 1996). Aus trans- aktionskostentheoretischer Sicht verringern die Staaten mit Hilfe internationaler Or- ganisationen die Transaktionskosten im internationalen System. Nach Abbott und Snidal (1998) besteht somit der wichtigste Vorteil internationaler Organisationen in der Verbesserung der Effizienz des internationalen Systems: Durch die effiziente Steuerung der Organisationen hinsichtlich ihrer Unabhängigkeit und der Zentralisie- rung ihrer Aktivitäten, können die Staaten Ziele erreichen, die mit einer dezentralen Struktur außerhalb ihrer Reichweite liegen würden. [2]

Ebenfalls Anwendung auf internationale Organisationen findet die bereits ange- sprochene Marktanalogie (vgl. Abschnitt 3.1 auf Seite 40). Nach Trachtman (2008) regeln die Staaten im internationalen System in erster Linie die Verteilung von Machtausübung bzw. Jurisdiktion. Im Rahmen einer internationalen Organisation einigen sie sich auf eine gemeinsame Machtausübung (vgl. dazu und zum Folgenden Trachtman, 2008, S. 150ff.). Internationale Organisationen können dabei in Analo- gie zu horizontalen bzw. vertikalen Zusammenschlüssen von Unternehmen gesehen werden. Ein Zusammenschluss in Form einer internationalen Organisationen wird von den Staaten gewählt, wenn die Gefahr opportunistischen Verhaltens besonders groß ist. Neben anderen Faktoren ist für die Opportunismusgefahr, in Anlehnung an Williamson (1996), gerade die Spezifität der Investition (eng. asset specificity) aus- schlaggebend: [3] Je größer die Spezifität einer Investition ist, desto größer ist ceteris paribus auch die Gefahr opportunistischen Verhaltens. Für Trachtman sind die In- vestitionen eines Staats dann spezifisch, wenn er nur einen Vorteil aus ihnen ziehen kann, falls anderen Staaten vorherige Absprachen einhalten und eine spätere Rück- nahme der Investitionen schwer bzw. gar nicht möglich ist (vgl. Trachtman, 2008, S. 167, S. 174).

Neben diesen grundlegenden Transaktionskostenansätzen haben sich in den letz- ten Jahrzehnten weitere ökonomische Organisationstheorien entwickelt, die bisher in der ökonomischen Analyse internationaler Organisationen vernachlässigt wur- den. So zeigt bspw. die Theorie des relationalen Austauschs (eng. relational exch- ange theory), dass, bei einer Verteilung der spezifischen Investition auf alle Akteu- re, diese nicht nur eine geringere Neigung zum Opportunismus aufweisen, sondern ebenfalls eine höhere Neigung zur Kooperation (Barthon und Jepsen, 1993; Lui et al., 2009).

3.5.3 Gruppentheorie

Die Hauptaussage der gruppentheoretischen Erklärung der Existenz internationa- ler Organisationen ist, dass letztere in erster Linie der Bereitstellung internationaler Güter dienen. Staaten lösen, aus dieser Sicht betrachtet, mit dem Instrument der internationalen Organisation kollektive Anreizprobleme. Nach Olson nimmt jedoch die Koordinationsfähigkeit innerhalb von Gruppen mit steigender Gruppengröße ab. Lediglich in kleinen Gruppen können kollektive Güter ohne Zwang oder andere Anreize bereitgestellt werden, allerdings nur in suboptimalem Umfang (vgl. Olson, 1965, S. 34). [4] Begründet wird die geringere Kooperationsfähigkeit von größeren Gruppen zumeist mit der abnehmenden Entdeckungswahrscheinlichkeit opportu- nistischen Verhaltens bei zunehmender Gruppengröße (vgl. Olson, 1965, S. 22ff.). Akteure, die sich bspw. aufgrund mangelnder Entdeckungswahrscheinlichkeit op- portunistisch verhalten, werden in der ökonomischen Theorie als „Trittbrettfahrer“ bezeichnet. Allerdings besteht keine allgemeine Übereinstimmung in der Frage, ob ein Zusammenhang zwischen größeren Gruppen und dem Auftreten von Tritt- brettfahrern besteht. Teilweise widersprechen sich dabei theoretische (vgl. Frohlich und Oppenheimer, 1970, S. 118f.) und empirische (vgl. Russett und Sullivan, 1971, S. 859) Ergebnisse.

Eine besondere Form internationaler Organisationen stellen die internationalen Gerichte dar. Die besonderen Umstände (bspw. die herausragende Stellung der Sou- veränität der Staaten), mit denen sie bzw. die dort wirkenden Richter konfrontiert sind, machen es notwendig, internationale Gerichte separat zu untersuchen. Daher wird sich der folgende Abschnitt mit der ökonomisch orientierten Forschung zu in- ternationalen Gerichtshöfen auseinandersetzen.

  • [1] Nach Koremenos et al. nutzen Staaten internationale Organisationen grundsätzlich um ihre eige- nen Ziele zu erreichen und gestalten daher die einzelne Organisation auch (rational) entsprechend dieser Prämisse. So kann bspw. die Wahl unterschiedlicher Designs für verschiedene Organisatio- nen erklärt werden (vgl. Koremenos et al., 2001, S. 761f.).
  • [2] Unter „Zentralisierung“ verstehen Abbott und Snidal: „[A] concrete and stable organizational structure and an administrative apparatus managing collective activities“ und unter „Unabhängig- keit“: „[T]he authority to act with a degree of autonomy, and often with neutrality, in defined spheres“ (s. Abbott und Snidal, 1998, S. 9).
  • [3] Williamson definiert diesen Begriff als: „A specialized investment that cannot redeployed to alternative uses or by alternative users except at a loss of productive value“ (s. Williamson, 1996, S. 377).
  • [4] Olson greift in seiner Theorie, wie bereits erwähnt, ein bekanntes Argument von auf David Hume auf. Hume wies bereits 1739 in „A Treatise of Human Nature“ auf die bessere Koope- rationsfähigkeit kleiner Gruppen hin, die sich eher auf gemeinsame Ziele und Vorhaben einigen können (vgl. Hume, 1896, S. 544).
 
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