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8 Fazit und Ausblick

Die vorliegende Arbeit erschließt das Forschungsfeld der Lehrervorstellungen für die ökonomische Bildung und leistet einen theoretischkonzeptionellen Beitrag zum Konstrukt der „Lehrervorstellung“ sowie seiner fachdidaktischen Bedeutung. Mit dieser Arbeit liegen außerdem erstmals empirische Ergebnisse zu Vorstellungen als einer wesentlichen Dimension der professionellen Kompetenz von Wirtschaftslehrpersonen vor, die u. a. für die Ausund Weiterbildung von Wirtschaftslehrpersonen inbesondere in Niedersachsen genutzt werden können.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass Schulpraxis und Fachdidaktik ein gemeinsames Allgemeinbildungsverständnis ökonomischer Bildung als Fundament und auch wesentliche gemeinsame Vorstellungen zu Zielen, Inhalten und Methoden des Wirtschaftsunterrichts teilen. In den Differenzen zwischen Lehrervorstellungen und fachdidaktischen Konzepten wurde aber auch deutlich, dass vieles von dem, was in der Fachdidaktik diskutiert wird, in der Praxis gegenwärtig (noch) nicht ankommt und dass der für die Bildungsidee der ökonomischen Bildung charakteristisch hohe Anteil fachfremder bzw. nicht affiner Lehrpersonen sich auch in den Lehrervorstellungen widerspiegelt.

Welche Folgen es für das ökonomische Lernen von Kindern und Jugendlichen hat, wenn Fachlehrpersonen sich dem Fach gegenüber fremd und fachdidaktisch handlungsunsicher fühlen, kann an dieser Stelle nur gemutmaßt werden. Außerdem gab es Hinweise darauf, dass Fachdidaktiken der ökonomischen und politischen Bildung sich der fachdidaktischen Aufgabe der Fächerintegration und ihrer didaktischen Folgen stellen sollten, um die Lehrpersonen, die diese Fächer unterrichten, hiermit nicht alleinzulassen.

Im öffentlichen Diskurs zur ökonomischen Bildung, beispielsweise in Bezug auf Praxiskontakte, werden die Ansichten von Lehrpersonen selten berücksichtigt. Ihre Vorstellungen machen jedoch deutlich, dass sie eine differenzierte Sichtweise auf Praxiskontakte haben und sich ihrer didaktisch-pädagogischen Verantwortung bewusst sind, die Lernenden vor unzulässiger Einflussnahme zu schützen, ihnen gleichzeitig aber erfahrungsorientiertes ökonomisches Lernen ermöglichen wollen. Diese differenzierte Sichtweise von Lehrpersonen wird vor allem im medialen Diskurs über ökonomische Bildung bisher nicht berücksichtigt.

Wie für (qualitative) Forschung üblich, stellen sich nach der Bearbeitung und Beantwortung der Forschungsfragen Anschlussfragen, die als Perspektiven für eine weitere Bearbeitung des Themenfeldes Lehrervorstellungen in der ökonomischen Bildung angesehen werden können:

• Im Sinne einer Ausweitung der Studie wäre es erkenntnisförderlich, die Vorstellungen von Wirtschaftslehrpersonen auch außerhalb Niedersachsens und somit unter anderen Rahmenbedingungen ökonomischer Bildung zu erheben und diese mit den vorliegenden Ergebnissen zu vergleichen. Möglicherweise in Verknüpfung mit einem quantitativen Forschungsdesign, welches auf Basis der Ergebnisse der vorliegenden Studie verallgemeinerbare Ergebnisse ermöglichen könnte.

• Um zu überprüfen, inwiefern Vorstellungen und Handeln im Wirtschaftsunterricht übereinstimmen, wäre eine entsprechende Studie zu Vorstellungen und tatsächlichem Unterricht, beispielsweise im Hinblick auf das Prinzip der Handlungsorientierung, aufschlussreich, da sich hier innerhalb der Studie Inkonsistenzen andeuten. Um diese zu erforschen, muss neben den Lehrervorstellungen auch die classroom performance der jeweiligen Lehrpersonen untersucht werden.

• Eine weitere anschließende Forschungsfrage, die sich für ein solches Forschungsdesign eignen würde, wäre, zu überprüfen, inwiefern unzulässige Verallgemeinerungen, die sich in den Vorstellungen der Lehrpersonen andeuten, tatsächlich ein besonderes didaktisches Problem des Wirtschaftsunterrichts darstellen.

• Auch eine Folgestudie zu conceptual change von Lehrervorstellungen in der ökonomischen Bildung wäre aufschlussreich und könnte Antworten auf die Frage liefern, unter welchen Voraussetzungen Lehrervorstellungen beispielsweise in der Weiterbildung verändert werden können.

• Nicht zuletzt wäre es für das vertiefende Verständnis ökonomischen Lehrens und Lernens erkenntnisförderlich, Lehrerund Schülervorstellungsforschung zu verbinden und die Vorstellungen Lehrender und Lernender und ihr Zusammenwirken im ökonomischen Lehr-Lern-Prozess zu untersuchen.

Deutlich wird, dass sich in Anknüpfung an die Erkenntnisse dieser Arbeit viele weitere Fragen stellen, denn:

Je mehr wir über die Welt lernen, umso bewußter, umso detaillierter und umso genauer wird unser Wissen von den noch ungelösten Problemen, unser sokratisches Wissen von unserem Nichtwissen. Die wissenschaftliche Forschung ist in der Tat die beste Methode, uns über uns selbst und über unser Nichtwissen aufzuklären. (Popper 2011, S. 52f.)

Die Lehrpersonen sind diejenigen, die den Wirtschaftsunterricht in den Schulen für und mit Kindern und Jugendlichen gestalten. Wer die ökonomische Bildung unterstützen und verbessern will, der sollte auch über, für und mit Wirtschaftslehrpersonen forschen und entwickeln und einen Dialog zwischen Akteurinnen und Akteuren der Schulpraxis und der Fachdidaktik ermöglichen.

 
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