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9.10 Medien

Ost-Timor ist eine Gesellschaft mit einem hohen Bevölkerungsanteil, der über keine Leseund Schreibfähigkeit verfügt: Nach Angaben der Weltbank (2013) sind lediglich 58,3 % der Personen über 15 Jahre in der Lage, kurze, einfache Aussage zu ihrem alltäglichen Leben mit Verständnis sowohl zu lesen als auch zu schreiben. Dabei bestehen regional (vgl. Tab. 9.8) und hinsichtlich der Alterskohorten beträchtliche Unterschiede: Unter der jungen Bevölkerung (15–24 Jahre) sind 79,5 % leseund schreibkundig, was auf positive Effekte der Bildungsanstrengungen seit den 1990er Jahren hinweist. Markante Unterschiede zeigen sich auch bei den einzelnen Sprachen: Nach Angaben des nationalen Statistikamts können 56,1 % der Bevölkerung über 15 Jahre Tetum lesen und schreiben, gefolgt von Bahasa Indonesia (45,3 %) und Portugiesisch (25,2 %) (NSD/UNFPA 2011, S. xxii). Dementsprechend spielen Zeitungen als Massenkommunikationsmittel nur eine nachrangige Rolle. Nach den Daten mehrerer Medienund Kommunikationsstudien (Soares und Mytton 2007; UNMIT 2011) ist das Radio mit Abstand die wichtigste Quelle politischer Informationen, gefolgt von interpersoneller Kommunikation und dem Fernsehen. Nur zwischen 3 und 7 % der Befragten geben an, sich hauptsächlich aus der Zeitung politisch zu informieren. Zudem beschränkt sich die Leserschaft der derzeit je vier Tagesund Wochenzeitungen weitgehend auf die Hauptstadt Dili. An letzter Stelle kommt das Internet.

Presse-, Kommunikations-, Informationsund Meinungsfreiheit sind von der Verfassung geschützt. Die gesetzliche Regulierung des Mediensektors stammt aus den Jahren 2003 und 2009. Teilweise beruhen sie auf den von UNTAET vorgenommenen Regulierungen. Sie schränken die in der Verfassung verankerte Rundfunkund Pressefreiheit nicht ein.

Die traditionellen Massenmedien haben vornehmlich berichtende Funktion. Meinungsbildender, kritisch-begleitender und Parteien und politische Institutionen kontrollierender Journalismus ist selten. Diese Aufgabe übernehmen in beschränktem Umfang NROs wie La'o Hamutuk. Dem öffentlichen Rundfunk wird eine Regierungsnähe bescheinigt. Allgemein aber können die elektronischen und Printmedien weitgehend unbehelligt von politischen Beschränkungen berichten. In der Rangliste der Pressefreiheit (Press Freedom Index) der Organisation Reporter ohne Grenzen belegte Timor Leste im Jahr 2013 Rang 90 und lag damit vor allen anderen südostasiatischen Staaten (Reporters Without Borders 2012), was allerdings eine deutliche Verschlechterung gegenüber den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit darstellt (2003: Rang 30 von 166 Ländern). Auch der Freedom of the Press Index 2013 sieht die freie Berichterstattung weniger stark behindert als in den anderen südostasiatischen Staaten, stuft die Presse aber nur als „teilweise frei“ ein. Das hängt mit den schwierigen strukturellen Rahmenbedingungen zusammen: Der Empfang des nationalen Radiound Fernsenders (Radio-Televisão Timor Leste), der mehr als 15 Gemeinderadiostationen, der drei kommerziellen Sender und der verschiedenen internationalen Radioprogramme in indonesischer, englischer und portugiesischer Sprache ist in vielen Gebieten eingeschränkt. Insgesamt 37 % der Bevölkerung haben keinen Zugang zu diesen Medien (UNMIT 2011, S. 4). Noch beschränkter als die Reichweite der traditionellen Massenmedien ist der Zugang zu den neuen sozialen Medien. Mit einem Anteil der Personen mit Zugang zum Internet von 0,9 % ist Ost-Timor das Schlusslicht in der Region (Internet World Statistics 2013). Eine wichtige Rolle bei der Verbreitung politischer Informationen spielt daher die informelle, persönliche Kommunikation: Nach Angaben der genannten Nutzerstudie beziehen 23 % der Befragten ihre politischen Informationen vor allem durch Freunde, Familienangehörige und Nachbarn (13 %), durch lokale Autoritäten (9 %) oder durch lokale Vertreter der Kirche und der politischen Parteien (je 1 %; Soares und Mytton 2007).

 
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