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3 Hebelwirkung bei Innovationswettbewerben

3.1 Steigerung der Anzahl der Teilnehmer

Die Organisatoren von Innovationswettbewerben verfolgen das Ziel, die Leistungsbereitschaft und die abgelieferte Qualität der Einsendungen zu steigern. Zu unterscheiden sind Organisatoren, welche die aggregierte bzw. die gesamthafte Leistungsbereitschaft der Teilnehmer steigern wollen, wie z. B. bei einem Wettbewerb zu Dorfverschönerung, und welche, denen eine einzelne Einsendung von höchster Qualität wichtig ist, da sie nur eine herausragende Innovation zur Umsetzung suchen. In beiden Fällen ist es wichtig, die Menschen zur Teilnahme und zur Leistungserbringung zu bewegen.

Betrachten wir die Situation aus der Sicht der Teilnehmer. Je mehr Teilnehmer am Wettbewerb teilnehmen, desto geringer ist die Chance jedes Einzelnen, zu gewinnen. Wenn wie beschrieben die Gewinnchancen je Teilnehmer geringer sind, ist zu vermuten, dass ein Teil der Teilnehmer weniger engagiert ist. Dies führt dazu, dass die einzelnen Beiträge dieser Teilnehmer auch eine geringere Ausarbeitung und Qualität haben. Auf der anderen Seite ist bei mehr Teilnehmern davon auszugehen, dass die Summe der Beiträge bzw. die aggregierte Leistungsbereitschaft größer ist. Also kann ein Ziel sein, soviel Teilnehmer wie möglich anzuziehen. Um dies zu erreichen, ist es aber von Vorteil auch mehrere Gewinne anzubieten.

Innerhalb eines Innovationswettbewerbs sind in Abhängigkeit der Anzahl der Teilnehmer zwei gegenläufige Effekte zu beobachten. Einer der Effekte entsteht durch die Rivalität der Teilnehmer untereinander und wird als „competition effect“ bezeichnet. Ist dieser Wettbewerbseffekt sehr hoch, reduzieren oft die Teilnehmer, die wenig Gewinnschance erwarten, ihr Engagement im Wettbewerb.

Erhöht man nun zum Beispiel durch Incentivierung die Attraktivität des Wettbewerbs, ist zu vermuten, dass die Anzahl der Teilnehmer steigt. Durch eine höhere Anzahl der Teilnehmer im Wettbewerb steigen auch die Chancen für den Wettbewerbsorganisator, dass er verwertbare Lösungsvorschläge erhält. Diesen Effekt nennen Boudreau et al. „parallel search effect“. Auch die Art der gestellten Innovationsaufgaben hat hier einen Einfluss.

3.2 Steigerung der Leistungsbereitschaft der Teilnehmer

Um die Leistungsbereitschaft der Teilnehmer zu steigern, ist ein Ansatzpunkt das gezielte und offengelegte Eingrenzen des Teilnehmerkreises für einen Gewinn. Dies kann durch das Festlegen von Teilnahmebedingungen, z. B. durch die Forderung der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Berufsgruppe, erfolgen. Dadurch wird den Teilnehmern vermittelt, dass es insgesamt weniger Teilnehmer und damit Konkurrenten gibt, diese Konkurrenten aber leistungsstärker sind. Dadurch steigt, wenn die Entscheidung zur Teilnahme getroffen wurde, in der Regel die Leistungsbereitschaft während des Wettbewerbs.

Wie beschrieben hängen die Gewinnchancen der einzelnen Teilnehmer davon ab, welche und wie viele andere Wettbewerber aktiv teilnehmen. Boudreau et al. haben anhand von Daten aus Wettbewerben zur Softwareentwicklung entsprechende Zusammenhänge abgeleitet. Die einzelnen Wettbewerbsgruppen unterschieden sich in der Gruppengröße und in der Art der zu lösenden Aufgaben. Daraus abgeleitet kamen sie unter anderem zu folgenden Ergebnissen.

Nehmen viele Wettbewerber teil, hat dies eine negative Wirkung auf das allgemeine innovative Engagement aller Teilnehmer. Bei komplexen Aufgaben erhöht sich die Leistungsbereitschaft zumindest des besten Programmierers, wenn man einen Teilnehmer zu einem vorgegebenen Wettbewerb hinzufügt. Der Grund für das sinkende Engagement sind die gesunkenen Gewinnschancen bei einer höheren Anzahl von Teilnehmern. Die Erhöhung der Leistungsbereitschaft des vermeintlich besten Programmierers lässt sich damit erklären, dass dieser seinen in Aussicht stehenden Gewinn nicht aufs Spiel setzen möchte.

Als Veranstalter von Innovationswettbewerben kann man sich dieses Verhalten zu nutze machen, um die Leistungsbereitschaft der Teilnehmer zu erhöhen. Es wird sogar empfohlen, die Wettbewerber auf zwei zu reduzieren. Dies setzt aber voraus, dass man zwei hochqualifizierte und ebenbürtige Teilnehmer hat, um einen engagierten Wettkampf zu erhalten. Wenn die Wettbewerber ungleich sind, wird empfohlen, den Besseren mit einem Handicap zu belegen. Um zwei hoch qualifizierte Teilnehmer herauszufinden, empfehlen Moldovanu und Sela bei genügend hoher Teilnehmeranzahl den Wettbewerb in zwei Gruppen aufzuteilen und dann die beiden Sieger in einer Finalrunde gegeneinander antreten zu lassen.

Die Eingrenzung des Teilnehmerkreises kann durch das Regelwerk, aber auch durch die Gewinnstruktur, z. B. die Anzahl der Gewinne, beeinflusst werden. Moldovanu und Sela empfehlen eine Kombination aus mehreren Gewinnen mit einer Teilnahmegebühr. Damit ist ein Organisator von Innovationswettbewerben mit der richtigen Wahl der Gewinne und der angemessenen Festlegung von Teilnahmegebühren in der Lage, die Art und die Anzahl der Teilnehmer in gewissen Grenzen zu bestimmen. Um die Anzahl der Teilnehmer gering zu halten, bietet sich das Einfordern von Teilnahmegebühren an. Dies bedarf aber genauen Wissens über das Umfeld und die potentiellen Wettbewerber. Zudem können ungünstig festgesetzte Teilnahmegebühren entweder zu keinen oder zu zahlreichen Teilnehmern führen.

Auch andere Ergebnisse zeigen, dass es von Vorteil ist, wenn der Organisator von Innovationswettbewerben einfache Mittel wie Teilnahmegebühren oder Teilnahmevoraussetzungen festlegt, um weniger qualifizierte Teilnehmer vom Wettbewerb auszuschließen. Die Vorteile, die aus der Reduzierung der Wettbewerber entstehen, sind die verringerten Kosten für die Wettbewerbsevaluation, die Eindämmung der Vervielfachung von Aufwände bei den Teilnehmern durch die parallele Bearbeitung der Aufgabenstellung und geringere Koordinationskosten.

3.3 Attraktivitätsgrad von Innovationswettbewerben

Eine weitere interessante Sichtweise in Bezug auf die Gewinnschancen und die Leistungssteigerung der Teilnehmer untersucht Runkel. Er zieht die „closeness“ von den Wettbewerbern in Betracht. Unter „closeness“ ist in diesem Zusammenhang zu verstehen, inwieweit die Kontrahenten in einem Wettbewerb ebenbürtig sind. Ist die „closeness“ groß, dann sind die Kokurrenten nahezu gleich stark.

Wenn nun das Ziel eines Organisators darin besteht, den Wettbewerb interessant für die Zuschauer und für die Teilnehmer zu gestalten, dann sind die Wettbewerbe, deren Ausgang offen ist, am spannensten und sehenswertesten. Dies liegt am nicht vorauszusehenden Ergebnis des Wettbewerbs und dem Einsatz der Teilnehmer, die sich ganz besonders anstrengen müssen, um zu gewinnen. Sind die Chancen, einen Wettbewerb zu gewinnen, sehr ungleich verteilt, die „closeness“ also klein, dann ist ein Wettbewerb uninteressanter, weil oft auch die Wettbewerber keine besondere Anstrengungen unternehmen. Dem kann durch Handicapping entgegengewirkt werden. Runkel empfiehlt aber das Handicap nicht zu hoch zu wählen, da sonst ein diskriminierender Effekt eintritt, der dann wiederum negativ auf die Attraktivität und damit die Teilnehmerzahlen bzw. die Zuschauerzahlen wirken kann.

Insgesamt kann festgehalten werden, dass es verschiedene Methoden gibt, um eine Steigerung der Leistungsbereitschaft bei Innovationswettbewerben zu stimulieren. Wichtig ist dabei zu unterscheiden, ob das Ziel die Steigerung der aggregierten Leistungsbereitschaft aller Teilnehmer ist, ob der Organisator das Ziel verfolgt, eine möglichst gute Einzeleinsendung oder –lösung im Rahmen des Innovationswettbewerbs zu erhalten oder ob die Attraktivität des Innovatioswettbewerbes generell erhöht werden soll.

Diese unterschiedliche Zielsetzung spiegelt sich in den verschiedenen Arten von Innovationswettbewerben und deren Gewinnen wider. Diese wurden im ersten Teil dieser Arbeit bereits erläutert. Weitere Ausführungen zum Themengebiet finden sich in der Dissertation von Wenger.

 
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