Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Ökonomik arrow Sport und öffentliche Finanzen
< Zurück   INHALT   Weiter >

4.3 Kommunen

Wie der vorangehenden Tab. 4.1 zu entnehmen ist, haben die Kommunen in 2010 insgesamt sportbezogene Steuereinnahmen in Abhängigkeit von der zu Grunde gelegten Definition von rund 0,2, 0,7 bzw. 1,2 Mrd. € zu verzeichnen. Hinzukommen

Abb. 4.3 Die geschätzten sportbezogenen direkten Einnahmen und Ausgaben der Kernhaushalte der Kommunen in 2010 in Abhängigkeit von der Abgrenzung (in Mrd. Euro). Die Prozentangaben beziehen sich auf die gesamten in der VGR für 2010 ausgewiesenen Einnahmen und Ausgaben der öffentlichen Kernhaushalte der Kommunen

Einnahmen aus der Sportstättennutzungsgebühr (rund 0,4 Mrd. €) sowie sonstige direkte Einnahmen (rund 0,14 Mrd. €).

Diesen Einnahmen stehen auf Ebene der Kommunen sportbezogenen Ausgaben von rund 3,3 Mrd. € gegenüber (vgl. Abb. 4.3). Der Wert ist für alle drei Abgrenzungen identisch, da alle Ausgaben in den Bereichen „Förderung des Sports“ und „Sportstätten“ getätigt werden, die der Kerndefinition des Sports (die in der engen und weiten Abgrenzung enthalten ist) zugeordnet werden können.

Neben den Kernhaushalten, deren Ergebnisse in Abb. 4.3 gegenübergestellt wurden, sind auf kommunaler Ebene zudem die sportbezogenen Eigenbetriebe von Relevanz. Diese haben wie bereits erwähnt Einnahmen aus der Sportstättennutzung in Höhe von rund 0,4 Mrd. zu verzeichnen. Demgegenüber stehen Nettoausgaben von rund 0,8 Mrd. €.

Wie bei Bund und Ländern sind zudem die kommunalen Steuermindereinnahmen zur Förderung des Sports (rund 0,06 Mrd. €) nicht in der Gegenüberstellung (Abb. 4.3) enthalten.

5 Fazit

Dominierte in der finanzpolitischen Diskussion bislang die Diskussion um öffentliche Ausgaben für den Sport, so zeigt diese Untersuchung erstmals, dass – je nach Definition – die direkten sportbezogenen Einnahmen der öffentlichen Haushalte in Deutschland höher sind als deren Ausgaben. Insofern wird die finanz- und steuerpolitische Diskussion des Sports um eine wichtige Perspektive ergänzt.

Zur finanzpolitischen Diskussion dürfte ebenfalls der Befund beitragen, dass die Relation von sportbezogenen Einnahmen und sportbezogenen Kosten zwischen Bund, Ländern und Kommunen recht unterschiedlich ausfällt. Während auf Seiten des Bundes die sportbezogenen Einnahmen die entsprechenden Ausgaben deutlich übertreffen, halten sich die sportbezogenen Einnahmen und Ausgaben auf Seiten der Länder in etwa die Waage. Auf kommunaler Ebene fallen die sportbezogenen Ausgaben hingegen deutlich höher als die sportbezogenen Einnahmen aus.

Unklar bleibt jedoch im Sinne einer investiven Kausalbetrachtung, wie die sportbezogenen öffentlichen Ausgaben und Einnahmen zusammenhängen. Auch wenn nun dargelegt ist, dass den sportbezogenen öffentlichen Ausgaben bemerkenswerte sportbezogene Einnahmen gegenüberstehen, so ist bislang unklar, ob und in welchem Umfang sich einzelne sportbezogene Ausgaben (z. B. der Bau von Sportanlagen) tatsächlich im finanzpolitischen Sinne „lohnen“, d. h. direkt oder über Umwege zu nennenswerten Steuerrückflüssen führen.

Ein zukünftiges Forschungsprogramm sollte sich zudem mit der Frage beschäftigen, wie sich die amtliche Routinestatistik in einer Weise optimieren lässt, dass finanzpolitische Fragestellungen des Sports noch detaillierter beantwortet werden können. Nicht zuletzt gilt es, die den Steuerberechnungen häufig zugrundeliegenden Primärerhebungen zum Sportkonsum methodisch zu hinterfragen, um zu vermeiden, dass der Ein-Themen-Befragungen innewohnende „Non-ResponseBias“ (Sportinteressierte beteiligen sich eher und haben zugleich systematisch höhere Sportausgaben) bei Hochrechnungen zu systematischen Überschätzungen des Sportmarktes führen.

Abschließend sei im Rahmen dieser Diskussion darauf hingewiesen, dass die Erzielung von Staatseinnahmen keinen eigentlichen Rechtfertigungsgrund der Sportförderung darstellt. Markteingriffe (in Form von direkter finanzieller Förderung oder Steuererleichterungen) werden vielmehr mit positiven externen Effekten begründet. So werden bspw. dem Spitzensport Eigenschaften wie Identitätsstiftung und Repräsentationswirkung zugeschrieben und der Freizeit- und Breitensport mit gesundheitsfördernden Effekten und dem Aufbau von Sozialkapital verbunden.

Bisherige empirische Beweise hierzu sind allerdings z. T. weniger eindeutig als es die öffentliche Diskussion nahelegt (vgl. z. B. Downward, Pawlowski und Rasciute (2013) zum Aufbau von Sozialkapital in Sportvereinen). Auch hier sollten zukünftige Forschungsaktivitäten anschließen.

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften