Univariate Verteilungen

In Abb. 1 sind die EU-Vertrauensniveaus der einzelnen Mitgliedsländer im Vergleich dargestellt. Wie man der Graphik entnehmen kann, zeigen vor allem die Esten und die Bulgaren mit Werten von über 70 % sowie die Slowaken mit knapp 70 % vergleichsweise viel Vertrauen in die Europäische Union. In zahlreichen weiteren Ländern der EU geben immerhin mehr Befragte an, der Union zu vertrauen, als angeben, ihr „eher nicht“ zu vertrauen[1]. In einer Mehrheit der Mitgliedsstaaten überwiegt im Jahre 2010 das Vertrauen in die Union. Mit 52,5 % aller Befragten gibt insgesamt noch knapp über die Hälfte aller Unionsbürger an, der EU „eher“ zu vertrauen.16 Allerdings sind 2010 die Anteile derer, die der EU „eher nicht“ vertrauen, bereits groß. Dies gilt vor allem für Großbritannien; lediglich knapp 23 % der Briten vertrauen der EU, während 77 % angeben, dies eher nicht zu tun. Insgesamt existieren also deutliche Unterschiede im nationalen Ausmaß an politischem Vertrauen in die Europäische Union.

Für die Häufigkeiten der beiden Dimensionen, die dem Cueing-Faktor zugrunde liegen, gilt, dass insgesamt 34,5 % der Befragten angeben, sie würden dem Parlament ihres Landes vertrauen, während 65,5 % dies nicht tun. 34,5 % der Unionsbürger bringen ihrer nationalen Regierung Vertrauen entgegen, während 65,6 % ihr nicht vertrauen. In Abb. 2 sind die Anteile im internationalen Vergleich dargestellt.

Ohne auf die einzelnen Länder detailliert einzugehen, kann festgestellt werden, dass sowohl das Niveau an nationalem Vertrauen in die eigene Regierung als auch jenes ins eigene Parlament zwischen den EU-Mitgliedstaaten deutlich variiert. Während die Letten, Litauer und Rumänen ihren nationalen Institutionen kaum Vertrauen entgegenbringen und auch die Südeuropäer gegenüber ihren eigenen parteistaatlichen Institutionen ebenfalls Werte unter 30 % aufweisen, zeigen die nordeuropäischen und vermögenden Nationen vergleichsweise viel Vertrauen in ihr eigenes System.

Wie Abb. 1 und 2 verdeutlichen, unterscheiden sich die allgemeinen Vertrauensniveaus der EU-Mitgliedsstaaten sowohl in Bezug auf das nationale als auch auf das

Abb. 1 Anteile an Vertrauen und an fehlendem Vertrauen in die Europäische Union (Quelle: EB 73.4 (2010). Eigene Berechnungen). (Anmerkung: Relative Anteile an Befragten pro Mitgliedsland, die der EU ihr Vertrauen aussprechen, dargestellt in gültigen Prozent. Die Länderabkürzungen entsprechen weitgehend den Vorgaben der EU (publications.europa.eu/code/de/de-5000600.htm). WD Westdeutschland, OD Ostdeutschland, NI Nordirland)

Abb. 2 Anteile an Vertrauen ins nationale Parlament und in die nationale Regierung im Ländervergleich (Quelle: EB 73.4 (2010). Eigene Berechnungen). (Anmerkung: Häufigkeiten in gültigen Prozent. Die Länderabkürzungen entsprechen weitgehend den Vorgaben der EU (publications.europa.eu/code/de/de5000600.htm). WD Westdeutschland, OD Ostdeutschland, NI Nordirland)

europäische politische System deutlich voneinander. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, inwiefern der nationale Kontext die Cueing-Prozesse auf Individualebene beeinflusst und zu länderspezifischen Besonderheiten führt. Wir werden weiter unten auf diese Frage zurückkommen.

Abb. 3 Relative Häufigkeiten der Performanzen, die der Europäischen Union zugeschrieben werden (Quelle: EB 73.4 (2010). Eigene Berechnungen). (Anmerkung: Häufigkeiten in gültigen Prozent)

Schließlich ist die Zuschreibung der unterschiedlichen Auswirkungen der Unionsmitgliedschaft auf das eigene Land keineswegs gleichmäßig verteilt, so dass die Häufigkeitsdarstellung einen Eindruck davon vermittelt, welche Dimensionen sich hinter den bewerteten Zuschreibungen hauptsächlich verbergen. In Abb. 3 sind jene Performanzzuschreibungen dargestellt, denen eine positive Beurteilung der EU-Mitgliedschaft vorausgegangen ist.

Am häufigsten wird von den Befragten die Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit zwischen dem eigenen Land und anderen Mitgliedern der Europäischen Union genannt (21,8 %).17 Ebenfalls von vielen genannt wird der Beitrag der EU zu Frieden und Sicherheit (18,1 %) bzw. ihre positive Auswirkung auf das nationale Wirtschaftswachstum (18,0 %). Die Arbeitsplatzsituation im eigenen Land wird von 15,9 % der Befragten als positive Auswirkung der Unionsmitgliedschaft genannt; eine gestärkte Rolle ihres Landes in der Welt nennen 13,5 % der Befragten. Ein verbesserter Lebensstandard, ein gewichtiger Einfluss des eigenen Landes auf europäischer Ebene sowie eine Stärkung des Landes gegenüber Globalisierungsauswirkungen werden vergleichsweise selten erwähnt.

  • [1] Eine Tabelle mit genauen Prozentangaben ist dem Anhang beigefügt.
 
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