Die Einstellungen zur Europäischen Union: Ein mehrdimensionales Konstrukt

Unter Rückgriff auf das „Concept of Political Support“ von Easton (1967, 1975) wurden in der Forschung zahlreiche Konzepte zur Differenzierung der Einstellungen gegenüber der Europäischen Union entwickelt. Dabei wird grundsätzlich wie bei Easton zwischen unterschiedlichen Objekten und unterschiedlichen Formen der Unterstützung differenziert. In einer Adaption des Easton-Konzepts und unter Bezug auf frühere Arbeiten, die das Konzept auf internationale Governance übertragen haben (Niedermayer und Westle 1995), differenzieren Boomgaarden et al. (2011) zwischen zwei politischen Objekten – in ihrem Fall sind dies das Regime und die politische Gemeinschaft – sowie zwischen zwei Arten von Unterstützung: einerseits spezifischer, utilitaristischer, output-orientierter Unterstützung und andererseits diffuser, affektiver, input-orientierter Unterstützung (Boomgaarden et al. 2011, S. 244– 246). In dieses theoretische Raster ordnen die Autoren im Rahmen der Analyse von Einstellungen gegenüber der EU bzw. ihrer Integration häufig untersuchte Variablen ein und überprüfen auf Grundlage einer eigenen Umfrage, ob und wie diese sich zu unterscheidbaren Dimensionen zusammenfassen lassen. Ihr Ergebnis zeigt fünf Faktoren, die sie als „negative affection“, „identity“, „performance“, „utilitarianism and idealism“ sowie „strengthening“ bezeichnen. Die empirisch ermittelten Faktoren spiegeln die Erwartungen des theoretischen Rasters wider: Sie enthalten überwiegend solche Variablen, die ausschließlich auf das Regime oder die politische Gemeinschaft gerichtet sind, sowie ausschließlich als spezifische, utilitaristische, output-orientierte Einstellungen oder diffuse, affektive, input-orientierte Einstellungen klassifiziert werden können (Boomgaarden et al. 2011, S. 247–251).

Im Rahmen des Artikels wird bei der Untersuchung der instrumentellen und der Vertiefungsdimension an die als „utilitarianism and idealism“ und „strengthening“ bezeichneten Dimensionen angeknüpft. Beide weisen auch Überschneidungen zu den ermittelten Dimensionen anderer Untersuchungen auf (Lubbers und Scheepers 2005, 2010). Beide Dimensionen können aufgrund der enthaltenen Variablen als auf das Regime gerichtete, spezifische Form von Einstellungen verstanden werden, womit bei ihnen im Unterschied zur diffusen Unterstützungsdimension davon ausgegangen werden kann, dass sie auf kurzfristige Veränderungen des politischen Outputs reagieren.

 
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