Analyse

Ein Blick auf die Ländermittelwerte der instrumentellen Einstellungsdimension (Abb. 1) zeigt deutliche Unterschiede: Zum einen variiert der durchschnittliche Level zwischen den Ländern erheblich: Für Irland, das Land mit der höchsten instrumentellen Unterstützung, liegt der Wert für das Jahr 2008 bei 3,49 auf der von 0 bis 4 reichenden Einstellungsskala. Das Land mit der niedrigsten Unterstützung, Großbritannien, weist hingegen nur einen Durchschnitt von 1,75 auf. Auch im Jahr 2010 bilden die beiden Länder die Extrempole. Die Unterschiede zwischen den Ländern fallen 2008 und 2010 unterschiedlich stark aus: Während eine Varianzanalyse einen Wert für eta2 von 0,094 für 2008 erbringt, liegt der Wert 2010 nur bei 0,071. Zudem hat sich in 22 der 27 EU-Staaten die instrumentelle Bewertung im Jahr 2010 verschlechtert. In 14 der 27 EU-Staaten fällt der Unterschied signifikant aus (p < 0,01)9. Für die gesamte EU zeigt sich eine signifikante Verschlechterung um 6 % auf einen Wert von 2,57. Vergleicht man die Gruppe der Länder mit und ohne signifikante Veränderung, dann zeigt sich, dass der durchschnittliche Wirtschaftsabschwung (BIP-

Abb. 1 Länderdurchschnitte der instrumentellen Dimension im Zeitvergleich. (Quelle: EB 69.2 & 73.4; eigene Darstellung)

Veränderung) in den Ländern mit signifikanter Verschlechterung der instrumentellen Einstellung bei 7,1 % liegt, während für die anderen Länder eine Abnahme von 4,3 % zu verzeichnen ist. Ein negativer Zusammenhang mit der ökonomischen Entwicklung ist auf der Aggregatebene somit erkennbar.

Ein deutlich anderes Bild zeigt sich beim Blick auf die Vertiefungsdimension (Abb. 2). Eine systematische Verschlechterung der Bewertung lässt sich hier nicht feststellen. Vielmehr ergibt sich entweder kaum eine Veränderung des Bewertungslevels oder der Level steigt sogar. Signifikant verbessert haben sich die durchschnittlichen Einstellungen (p < 0,01) zwischen 2008 und 2010 in Belgien, Italien, Irland, Finnland, Estland, Lettland, Litauen und der Slowakei. Für die gesamte EU zeigt sich eine geringe, aber signifikante Verbesserung der Bewertung (10,99 statt 10,62). 2008 weisen die Finnen die negativsten Einstellungen auf, Zypern ist in beiden Jahren das Land mit den positivsten Einstellungen. Auch die Ergebnisse einer Varianzanalyse zeigen, dass die Unterschiede zwischen den Ländern etwas geringer sind und sich zwischen den Jahren kaum unterscheiden10.

Für die Vertiefungsdimension widerlegt das Ergebnis die Annahme einer Verschlechterung der Einstellungen aus Hypothese 1 klar, während es für die instrumentelle Dimension diese, wenn auch nicht für alle Länder, eher stützt. Beide Dimensionen scheinen sehr unterschiedlich auf die wirtschaftlichen Veränderungen zu reagieren: Denn gerade in den stark von einem wirtschaftlichen Abschwung betroffenen Ländern gibt es signifikant stärkere Zustimmung zu einer weiteren Vertiefung: In den acht Ländern mit verbesserten Einstellungen lag der Wirtschaftsabschwung bei 9,35 %, während hingegen im Rest der EU die Wirtschaftsleistung nur

Abb. 2 Länderdurchschnitte der Vertiefungsdimension im Zeitvergleich. (Quelle: EB 69.2 & 73.4; eigene Darstellung)

um 4,22 Prozentpunkte sank. Die unterschiedliche Entwicklung verdeutlicht, dass es sich um unterschiedliche Dimensionen handelt, die somit auch eine getrennte Analyse sinnvoll erscheinen lassen11.

 
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