Schlussbemerkungen

Der vorliegende Beitrag ging der Frage nach, wie die Determinantenmuster der allgemeinen politischen Unterstützung der EU auf die veränderten Kontextbedingungen durch die Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise im Euroraum reagiert haben. Dabei standen identitätsbasierte Erklärungsfaktoren im Fokus. Zunächst wurden die theoretischen Grundlagen zu territorialen Identitäten skizziert und daraus Vermutungen für den betreffenden Untersuchungszeitraum abgeleitet. Diese wurden nach Beschreibung der Datengrundlage und der Operationalisierungen anhand EurobarometerDatensätzen aus 2006 und 2009 empirisch überprüft.

Die Analyse für die zwölf Länder der Euro-Zone zeigte zunächst, dass im Zuge der Wirtschaftskrise auf Aggregatebene die Zustimmung der Bürger zur EU-Mitgliedschaft des eigenen Landes konstant geblieben ist. Die Betrachtung der Resultate der Mehrebenenmodelle verdeutlicht darüber hinaus, dass es zur Erklärung von Einstellungen zur europäischen Integration unerlässlich ist, nationale und europäische Gruppenzugehörigkeitsgefühle sowie utilitaristische Nutzenerwägungen zu berücksichtigen. Weiterhin ist festzustellen, dass nahezu alle Determinanten zur Erklärung diffuser politischer Unterstützung der EU, abgesehen von nationalen Identitäten und Parteisignalen, über die Zeit hinweg stabile Einflüsse entfalten und keine systematischen Reaktionen auf die Veränderungen durch die Wirtschaftskrise erkennbar sind. Als eine der bedeutendsten Voraussetzungen für politische Unterstützung der EU erwies sich ein europäisches Zugehörigkeitsgefühl der Bürger. Die EU kann sich demnach der Unterstützung ihrer Bürger sicher sein, wenn es ihr gelingt, eine flächendeckende Verbreitung europäischer Identitäten voranzutreiben. Es ist dabei von zentraler Bedeutung, die Eigengruppe als inklusive Einheit zu charakterisieren. Damit könnten Befürchtungen über einen Verlust ihrer kulturellen Identität bei den Bürgern eliminiert werden, die die politische Zustimmung der EU, wie empirisch gezeigt werden konnte, in höchstem Maße unwahrscheinlich machen. Ein weiterer zentraler Erklärungsfaktor für politische Zustimmung der EU ist das wahrgenommene politische Responsivitätsgefühl. Diese drei Faktoren stellen die Stützen dar, auf denen die vorliegende breite politische Unterstützung der EU weiterhin bestehen

kann.

Insgesamt bleibt es ungewiss, inwieweit die Resultate der Analyse auch aufgrund der mit zahlreichen Annahmen versehenen Operationalisierungen mit Messfehlern behaftet sind. Die empirischen Ergebnisse sollten somit in Anbetracht dieser Vorbehalte interpretiert werden. Um die genauen Reaktionen der Wirkungsweise territorialer Identitäten auf die politische Unterstützung der EU auf die Veränderungen des ökonomischen Kontextes angemessen untersuchen und feststellen zu können, sollten langjährige Studien mit im Zeitverlauf konstanten Indikatoren durchgeführt werden, und das auch für Länder außerhalb der Euro-Zone. Derartige Untersuchungen könnten dann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Bedeutung zukünftiger Krisen für die Einstellungen zur europäischen Integration besser zu verstehen. Aufgrund der stetig fortschreitenden europäischen Einigungsprozesse wird es auch in Zukunft relevant bleiben, die Bestimmungsfaktoren der öffentlichen Unterstützung zu kennen und dieses Wissen bei der zukünftigen Entwicklung des supranationalen Systems der EU zu berücksichtigen.

 
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