Religiosität und Lebenszyklus der Postmoderne

Friedrich Schweitzer konstatiert 2003, der aktuelle Forschungsstand zum Lebenszyklus und der Einbindung von Religiosität sei lückenhaft. Weiter führt er aus, dass die Entwicklung hin zu religiöser Vielfalt ein Trend sei, ebenso wie die zunehmende Individualisierung und Privatisierung von Religiosität (Schweitzer, 2003, S. 125f). Im UNESCO-Weltbericht von 2009 heißt es:

„Das größte Hindernis für das Einbeziehen neuer Stimmen in den Bereich des interkulturellen Dialoges ist die tiefgreifende Unterordnung von Frauen gegenüber männlichdominierten Auslegungen kultureller und religiöser Traditionen. In vielen sozialen Umfeldern spielen Frauen eine herausragende Rolle bei der Förderung kultureller Vielfalt, sind sie doch die tragende Kraft bei der Übermittlung von Sprache, ethischen Normen, Wertesystemen, religiösem Glauben und Verhaltensmustern. Die Ungleichbehandlung der Geschlechter ist multidimensional und interagiert auf tückische Weise mit ethnischen, sozialen, wirtschaftlichen und anderen Formen von Ungleichheit“ (Deutsche UNESCO-Kommission e.V., 2009, S. 10).

„Dialog, der interreligiösen Dialog (als Dialog zwischen allen spirituellen und intellektuellen Traditionen verstanden) einschließt, bedeutet nicht, dass wir all unsere Überzeugungen über Bord werfen. Es geht eben darum, offen zu bleiben. Interkultureller Dialog muss als komplexer, fortwährender Prozess verstanden werden, der niemals abgeschlossen ist“ (ebd., S.31).

Dem UNESCO-Weltbericht zufolge muss es darum gehen, auch im religiösen Bereich die Marginalisierung von Mädchen und Frauen aufzudecken und zu überwinden, um Diskriminierung von Mädchen und Frauen in allen gesellschaftlichen Feldern abzubauen und ein friedvolles Miteinander in der zunehmend global ausgerichteten Welt fördern zu können. Deutlich macht die UNESCO, dass der geforderte „interreligiöse Dialog“ nicht bedeutet, Unterschiede aufzugeben. Sondern es geht darum, Kompetenzen zu entwickeln, die Unterschiede zulassen und eine Gesellschaft aufzubauen, welche die Ängste vor Unterschieden verringert und integrativ ausgerichtet ist.

 
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