Fazit

Die empirischen Ergebnisse zeigen, dass die Krise nicht ohne Einfluss auf die Unterstützung der EU geblieben ist. Die deskriptiven Befunde zur Krisenperzeption legen die Annahme nah, dass die Menschen die aktuelle Situation tatsächlich als eine Krise empfinden, die Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt hat. Diese Wahrnehmung fällt umso negativer aus, je negativer die Lage im eigenen Land im europäischen Vergleich ist. Die Ergebnisse des Mehrebenenmodells zeigen zudem, dass die Unterstützung der EU insgesamt sinkt, wenn die Menschen die Krise negativ wahrnehmen und auch die Krisenpolitik negativ bewerten. Innerhalb dieses Modells fällt allerdings die Unterstützung in wirtschaftlich problematischen Kontexten etwas höher aus. Dies deutet darauf hin, dass in der EU und dem Integrationsprozess auch Hoffnungen für die Verbesserung dieser Probleme liegen.

Setzt man diese beiden Ergebnisse in Bezug zueinander, wird deutlich, dass die individuelle Unterstützung der EU in wirtschaftlich schwierigen Kontexten insgesamt etwas höher ausfällt, wenn man davon ausgeht, dass sich die Krisenperzeptionen gleichen. Die insgesamt schlechtere Wahrnehmung in den Krisenstaaten dürfte allerdings einen Anteil an der insgesamt gesunkenen Unterstützung der EU haben. Jedoch sollte der Einfluss der Krise und ihrer Wahrnehmungen auf die EU auch nicht überschätzt werden. Die Ergebnisse der Untersuchungen deuten nicht darauf hin, dass die Krise bis 2011 für maßgebliche Veränderungen der Unterstützung gesorgt hat. Das auch vor der Krise nicht besonders populäre Einigungsprojekt ist durch die Krise nicht populärer geworden, eine extreme Abnahme der Unterstützung scheint aber nicht bewirkt worden zu sein.

Die Ergebnisse verweisen zudem darauf, dass die Bewältigung der Krise zwar wichtig für eine positive Entwicklung der Unterstützung der EU ist, andere Faktoren allerdings insgesamt einen größeren Einfluss haben. Soll die Unterstützung der EU gestärkt werden, so sind vor allem das Vertrauen der Bürger in die europäischen Institutionen sowie ihre Identifikation mit der EU von Bedeutung. Der Einfluss wirtschaftlicher und finanzpolitischer Faktoren ist evident und kann in Zeiten schlechter Outputs zu sinkender Unterstützung führen, jedoch könnten input-orientierte Argumente eine Basis für die Unterstützung der EU darstellen, die durch negative OutputEntwicklungen nicht zerstört würde.

Bezieht man die empirischen Ergebnisse auf die Legitimationsfrage, so lässt sich sagen, dass die Krise die Legitimationsgrundlagen europäischer Politik insgesamt geschwächt hat. Denn erstens hat die Krise dem wichtigen Argument der positiven wirtschaftlichen Entwicklung weitere Kraft entzogen. Und zweitens trägt auch die sinkende Unterstützung der EU nicht zu einer insgesamt schwachen Input-Legitimation bei. Die Legitimation der EU aufgrund dieser Ergebnisse grundlegend neu zu bewerten, scheint jedoch nicht angebracht. Diese wird auch in der Zukunft stärker auf output-orientierte Legitimationsargumente angewiesen sein als die politischen Systeme ihrer Mitgliedsstaaten. Denn ihre input-orientierten Legitimationsargumente werden weiterhin schwächer sein als die der Nationalstaaten. Dennoch darf nicht übersehen werden, dass die EU in der Vergangenheit die Bandbreite der InputLegitimation vergrößert hat. Dieser Input-Turn lässt sich zwar auch in der Unterstützung der EU durch ihre Bürger feststellen, bislang bleiben positive Effekte auf die Unterstützung der EU allerdings aus. Die EU und ihre Institutionen scheinen noch zu weit von den Bürgern entfernt, als dass sie eine breite Basis für input-orientierte Legitimationsargumente bilden könnten.

Daraus lässt sich ableiten, dass es für die zukünftige Stabilität der EU von besonderer Bedeutung ist, diese näher an den Bürger zu rücken. Die große Distanz zwischen den Menschen und den europäischen Institutionen stellt ein großes Hindernis für zukünftige Integrationsschritte dar. Die bereits diskutierte (und zum Teil bereits vollzogene) Ausweitung europäischer Kompetenzen dürfte daher schwierig umzusetzen sein, sollte diese nicht auch mit Änderungen des institutionellen (Macht-) Gefüges einhergehen, die sicherstellen, dass die EU und ihre Politik für ihre Bürger greifbarer wird.

 
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