Theorie

Angesichts des lange Zeit überwiegend ökonomischen Charakters der europäischen Einigung scheint es auf den ersten Blick nicht verwunderlich, dass zahlreiche Befunde sowohl auf der Aggregatals auch auf der Individualebene darauf schließen lassen, dass Einstellungen zur europäischen Integration auf Grundlage der erwarteten wirtschaftlichen Konsequenzen gebildet werden. Wie ein Bürger zur Europäischen Union steht, hängt demnach stark von seiner sozioökonomischen Position und der jeweiligen wirtschaftlichen Situation ab (z. B. Anderson und Reichert 1995; Eichenberg und Dalton 1993; Gabel 1998). Überwiegt der Nutzen eines Integrationsschrittes dessen Kosten, wird er befürwortet, andernfalls abgelehnt. Gerade beim Euro scheint ein solches Vorgehen naheliegend zu sein, da viele der Vor- und Nachteile der gemeinsamen Währung mehr oder weniger auf der Hand liegen, wie etwa einerseits Erleichterungen bei Handel und Reisen, andererseits aber auch die Notwendigkeit, strauchelnden Mitgliedsstaaten mit Milliardenhilfen unter die Arme zu greifen.

Allerdings erfordern solche Kosten-Nutzen-Kalkulationen ein gewisses Maß an Wissen und Informationen (Downs 1968, S. 76–77). Nun sind aber Wissen und Interesse zu Themen der europäischen Integration in der Bevölkerung nur spärlich vorhanden (Westle und Johann 2010). Daher sind die oft festgestellten Zusammenhänge zwischen wirtschaftlicher Lage und Einstellungen zur gemeinsamen Währung erklärungsbedürftiger als es auf Anhieb scheint: Es mag zwar ökonomisch plausibel sein, dass die Inflation einen Einfluss auf die aggregierte Unterstützung des Euro hat (Gärtner 1997; Kaltenthaler und Anderson 2001). Allerdings haben die meisten Europäer allenfalls eine vage Vorstellung von der Höhe der aktuellen Inflationsrate (Banducci et al. 2009, S. 573). Wie man aber ohne das entsprechende Kontextwissen zu zutreffenden Einschätzungen über die Auswirkungen der gemeinsamen Währung gelangen soll, bleibt schleierhaft. Als mögliche Erklärung für die gefundenen Zusammenhänge wird auf die Verwendung von Heuristiken und information shortcuts verwiesen. Hinweise aus ihrer sozialen Umgebung versetzen Bürger demnach in die Lage, auch ohne genauere Informationen Rückschlüsse auf Vor- und Nachteile der gemeinsamen Währung zu ziehen (Gabel 1998, S. 939; Lau und Redlawsk 2001).

So lassen sich, ausgehend von der sozioökonomischen Position der Bürger, Personengruppen identifizieren, die den Gewinnern und Verlierern der gemeinsamen Währung zuzurechnen sind. Nicht zu den Nutznießern des Euro gehören tendenziell niedrig Qualifizierte. Denn in der Bundesrepublik als kapitalreichem Land siedeln sich vorwiegend kapitalintensive Gewerbe und Industrien an, während arbeitsintensive Industrien in Länder mit niedrigeren Lohnkosten abwandern (Brinegar und Jolly 2005). Die Verlagerung von Arbeitsplätzen wird dabei durch den gemeinsamen Währungsraum erleichtert, da unter anderem Wechselkursrisiken wegfallen. Wenig qualifizierte Arbeitnehmer, die weniger mobil als Hochqualifizierte und Unternehmen sind, sollten deshalb die gemeinsame Währung ablehnen (Hypothese 1a). Personen, die über ein größeres Vermögen verfügen, dürfen sich hingegen zu den Gewinnern rechnen. Denn durch den Euro bieten sich ihnen zusätzliche Anlagemöglichkeiten im europäischen Ausland und damit die Chance auf höhere Kapitalerträge. Daher sollte die Befürwortung des Euro mit steigendem Einkommen zunehmen (Hypothese 1b).

Auch wenn alles in allem nicht auszuschließen ist, dass Einstellungen zur EU zumindest bei einigen Bürgern auf bewusstem Abwägen von Vor- und Nachteilen beruhen, dürfte bei der Mehrheit der Bevölkerung eine gute ökonomische Lage eher zu einer allgemeinen Zufriedenheit mit der politischen Situation führen. Diese wiederum, und nicht etwa rationale Kalkulationen, sollte maßgeblich für die positiven Zusammenhänge zwischen wirtschaftlicher Lage und der Unterstützung des Integrationsprojektes verantwortlich sein (de Vries und van Kersbergen 2007). Gerade in der Krise zeigt sich, dass die Mitgliedschaft im Euro gravierende Folgen für die wirtschaftliche Lage eines Landes haben kann. Zwar sind die Auswirkungen der Schuldenkrise etwa in Form sprunghaft steigender Staatsschulden oder Massenarbeitslosigkeit in Deutschland bisher kaum zu spüren, doch führen die Beispiele der überschuldeten Mitgliedsstaaten deutlich vor Augen, welche Lasten ein Land mitunter für die Mitgliedschaft in der gemeinsamen Währung auf sich nehmen muss. Daher sollte die Ablehnung des Euro umso stärker ausfallen, je düsterer die Erwartungen für die künftige wirtschaftliche Entwicklung sind (Hypothese 2a). Auch wenn allgemein bekannt sein dürfte, dass die Volkswirtschaften in Europa aufs Engste miteinander verwoben sind, so kann es durchaus unterschiedliche Einschätzungen darüber geben, wie stark sich die europäische Integration auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland auswirkt. Dabei sollten Personen, die der Politik der EU einen großen Einfluss auf die nationale wirtschaftliche Lage zuschreiben, ihre Haltung zur gemeinsamen Währung stärker von wirtschaftlichen Erwägungen abhängig machen als Bürger, die die Verantwortlichkeit der EU für eine etwaige Verbesserung oder Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland für vernachlässigbar halten (Hypothese 2b).

Weniger voraussetzungsreich als ökonomische Abwägungen ist der Rückgriff auf Identitäten. Menschen sind danach bestrebt, durch vorteilhafte Vergleiche der eigenen Gruppe mit relevanten Fremdgruppen ihr Selbstwertgefühl zu erhöhen. Zu den politisch relevantesten Identitäten zählen dabei neben der Parteiidentifikation vor allem nationale Identitäten (Brown 2000; Huddy 2001). Letztere haben sich, zusammen mit Zugehörigkeitsgefühlen zu Europa, als äußerst bedeutsam bei der Erklärung von Einstellungen zur europäischen Integration erwiesen (z. B. Carey 2002; Hooghe und Marks 2005). Nationale und europäische Identitäten stehen dabei nicht notwendigerweise in Konkurrenz. Ganz im Gegenteil geht häufig eine starke nationale Identität mit einer starken europäischen Identität einher (z. B. Citrin und Sides 2004; Díez Medrano und Gutiérrez 2001). Gleichzeitig speist sich jedoch ein großer Teil des gegenwärtigen Europaskeptizismus aus dem Gefühl der Bedrohung der nationalen Identität durch eine sich vertiefende europäische Integration (z. B. McLaren 2002; Taggart 1998).

So beträchtlich die Auswirkungen verschiedener Gruppenmitgliedschaften sein mögen, so schwierig stellt sich ihre Untersuchung dar (Abdelal et al. 2006). Denn sowohl die Wichtigkeit als auch die zugeschriebenen Bedeutungen der verschiedenen Identitäten unterscheiden sich nicht nur zwischen Ländern, sondern auch von Mensch zu Mensch mitunter gravierend. Je nach Ausprägung können nationale Identitäten für Einstellungen zur europäischen Integration ohne Belang oder gar förderlich sein, während sie in anderen Fällen die Zustimmung erheblich schmälern (Hooghe und Marks 2005).

Um Aussagen zum Verhältnis zwischen nationaler Identität und Euro treffen zu können, muss man die Bedeutung der D-Mark als wichtiges Symbol des deutschen Wirtschaftsaufschwungs nach dem Krieg und als Garant für niedrige Teuerungsraten für das deutsche Selbstverständnis berücksichtigen (Howarth und Rommerskirchen 2013). Daher könnte man vermuten, dass insbesondere in Deutschland eine starke nationale Identität mit einer Ablehnung des Euro und dem Wunsch nach einer Rückkehr zur D-Mark einhergeht. Allerdings sprechen mehrere Gründe gegen eine solche Sichtweise: Zum einen ist der Euro aufgrund der institutionellen Ausgestaltung der EZB nach dem Vorbild der Bundesbank der D-Mark sehr ähnlich (Kaelberer 2005). Zum anderen beinhaltet die deutsche Identität weit mehr als nur eine Neigung zur Inflationsvermeidung. Denn nach den verheerenden Erfahrungen des „Dritten Reichs“ und des Zweiten Weltkriegs bedurfte es des Aufbaus einer völlig neuen deutschen Identität. Eine relevante Fremdgruppe dieser neuen deutschen Identität war dabei die eigene Vergangenheit, und ein deutliches Bekenntnis zu Europa schien eine Überwindung dieser Vergangenheit zu ermöglichen (Marcussen et al. 1999, S. 622– 625). Daher sollte mit einer starken deutschen Identität nicht nur die Befürwortung der europäischen Einigung, sondern auch die Unterstützung des Euro als sichtbares Zeichen dieses Einigungsprozesses einhergehen (Hypothese 3a).

Demgegenüber scheint der positive Einfluss europäischer Identitäten auf die Haltung zum Euro auf der Hand zu liegen. Allerdings stellt sich hierbei die Frage, ob nicht umgekehrt eine Befürwortung des Euro zu einer Stärkung europäischer Verbundenheitsgefühle führt. Für beide Sichtweisen lassen sich gute Gründe anführen. So werden positive Erfahrungen mit dem Euro sicherlich dazu beitragen, Verbundenheitsgefühle mit Europa zu stärken. Allerdings sind territoriale wie politische Identitäten über die Zeit hinweg recht stabil, und auch Veränderungen der Inhalte und Bedeutungen von Identitäten sind Grenzen gesetzt (Huddy 2001, S. 148). Es ist daher nicht zu erwarten, dass sich Unzufriedenheit mit dem gegenwärtigen Zustand des Euro sofort in schwächere Verbundenheitsgefühle mit Europa niederschlägt. Stattdessen kann man davon ausgehen, dass sich Bürger, die sich mit Europa verbunden fühlen, erst einmal nachsichtiger gegenüber den Schwächen des Euro zeigen und daher eine höhere Zustimmung aufweisen als Personen ohne Bindung an Europa (Hypothese 3b).

Eine weitere, wenig anspruchsvolle Möglichkeit der Einstellungsbildung stellt die Nutzung von Elitensignalen dar (Zaller 1992). Denn politische Eliten liefern nicht nur Deutungsangebote, die dem Bürger bestimmte Sichtweisen auf politische Fragen nahelegen und es ihm ermöglichen, seine Wertvorstellungen mit Sachfragen in Verbindung zu setzen (Chong und Druckman 2007). Sie versorgen ihn darüber hinaus direkt mit Hinweisen, aus denen im Bedarfsfall Einstellungen gewonnen werden können. Auch wenn viele Bürger nur über mäßiges Wissen und nur wenige fest verankerte Einstellungen verfügen, können sie so bei Bedarf gerade zugängliche Erwägungen rekapitulieren und diese als „Einstellung“ äußern (Zaller 1992; Lodge und Taber 2005).

Erwägungen werden aber in der Regel nicht unreflektiert ins Langzeitgedächtnis aufgenommen, sondern müssen zuvor einen Filter aus Prädispositionen durchlaufen. Dabei werden diejenigen Argumente abgewiesen, die den Überzeugungen des Individuums widersprechen (Kunda 1990; Zaller 1992). Es erfordert allerdings einigen kognitiven Aufwand, um zu erkennen, ob eine neue Information den eigenen Voreinstellungen entspricht oder ihnen zuwiderläuft. Daher greifen Menschen in der Regel auf heuristische Verfahren zurück, indem etwa die Quelle der Botschaft als Indikator für die Glaubwürdigkeit der Information herangezogen wird (Chaiken 1980). Dabei sollten Personen, die politisch involvierter sind, nicht nur Elitenhinweise in größerer Zahl wahrnehmen, es sollte ihnen auch leichter fallen, den eigenen Grundüberzeugungen widersprechende Cues mit größerer Sicherheit auszusortieren (Zaller 1992). Allerdings ist der Kommunikationsprozess zwischen Bevölkerung und politischen Eliten keine Einbahnstraße: Zwar üben auf der einen Seite Parteien durch die Signale, die sie aussenden, in der Tat Einfluss auf ihre Anhänger aus (z. B. Ray 2003). Auf der anderen Seite haben Parteien aber auch einen Anreiz, sich nach den Policy-Positionen ihrer Wählerschaft zu richten, um Abstrafungen an der Wahlurne zu vermeiden (Carrubba 2001; Sanders und Toka 2013; Steenbergen et al. 2007). Gerade für Letzteres spricht, dass ab den 1990er Jahren in vielen Ländern europaskeptische Parteien die politische Bühne betraten und auch Teile der Eliten in den Parteien der Mitte die europäische Integration nicht mehr einhellig begrüßten. Dies kann als Beleg für eine gestiegene Salienz des Themas Europa und einer entsprechenden Unzufriedenheit mit den bestehenden Politikangeboten gewertet werden (Gabel und Scheve 2007; van der Eijk und Franklin 2004). Daher ist davon auszugehen, dass zwischen Bevölkerung und Eliten ein Prozess wechselseitiger Beeinflussung stattfindet (Weßels 1995). Hinsichtlich der Einflussstärke von Signalen zwischen politischen Eliten und Bevölkerung sollten sich große Unterschiede zwischen verschiedenen Involvierungsgruppen feststellen lassen (Hobolt 2005). Für Hochinvolvierte etwa dürften Elitensignale von untergeordneter Bedeutung sein. Denn mit steigendem Interesse für einen Politikbereich sollte auch das Bedürfnis anwachsen, zu eigenständigen Einstellungen zu den entsprechenden Sachfragen zu gelangen, was eine intensivere Beschäftigung und eine systematischere Verarbeitung von Informationen mit sich bringt. Elitensignale als zusätzliche Informationen werden daher eine allenfalls geringe Wirkung entfalten, zumal sie in der Regel ohnehin nur dann akzeptiert werden, wenn sie der bereits vorgefassten Haltung entsprechen (z. B. Kunda 1990; Taber und Lodge 2006).

Personen hingegen, die das politische Geschehen kaum verfolgen, bleibt der Rückgriff auf Elitensignale verwehrt, da sie entweder keinerlei Kenntnis von diesen erlangen oder aber diese mangels Kontextwissens nicht einordnen und daher nicht nutzen können (Converse 1964; Zaller 1992). Für die große Gruppe der mäßig Interessierten gilt jedoch, dass Elitensignale einen gewichtigen Einfluss bei der Einstellungsgenerierung entfalten können. Denn diese Gruppe empfängt verhältnismäßig viele Elitensignale, ohne bereits über gefestigte Einstellungen zu verfügen, die als Filter wirken könnten.

In der Regel nehmen mit steigender Involvierung sowohl Wissen als auch Interesse gleichermaßen zu, so dass Bürger, die sich sehr für einen Politikbereich interessieren, auch auf zutreffendem Wissen basierende Einstellungen ausbilden können. Die Wirkungen, die mit höherem Interesse und höherem Wissen hinsichtlich der Nutzung von Elitensignalen einhergehen, sollten sich aber unterscheiden: Während steigendes Interesse dazu führt, dass Bürger eigenständige Einstellungen entwickeln und daher auf die Nutzung von Elitensignalen nicht mehr angewiesen sind, sollten Elitensignale gerade bei Personen mit hohem Wissen ihren Einfluss entfalten, da ein entsprechendes Kontextwissen die Einordnung und Interpretation von Elitenhinweisen deutlich erleichtert (Krosnick und Brannon 1993, S. 972). Zusammengenommen sollten Elitensignale den größten Einfluss unter den mäßig Involvierten ausüben. Denn diese Personengruppe nimmt Elitensignale überhaupt erst wahr und versteht es auch, diese einzuordnen, verfügt aber über keine festverankerte Einstellung zum Euro. Niedrig- und Hochinvolvierte hingegen sollten in geringerem Maße auf Parteihinweise zurückgreifen (Hypothese 4; Zaller 1992).

Auf geringes politisches Interesse stößt man aber nicht nur bei Themen der europäischen Integration, sondern auch bei Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik allgemein (Delli Carpini und Keeter 1996; Holsti 2004). Dennoch konnte man auch in diesem Politikbereich feststellen, dass trotz fehlenden Wissens viele Bürger zumindest den Eindruck erwecken, über strukturierte Einstellungssysteme zur Außen- und Sicherheitspolitik zu verfügen. Möglich wird dies durch den Rückgriff auf kognitive Schemata. Aus diesen allgemeineren Überzeugungen können Antworten auf konkrete Fragen abgeleitet werden, ohne dass man notwendigerweise über eine solche Einstellung überhaupt verfügt (Hurwitz und Peffley 1987; Rattinger 1996).

Zwei für den europäischen Einigungsprozess relevante außenpolitische Grundorientierungen stellen die Isolationismus- und die Multilateralismusdimension dar (Chittick et al. 1995; Rathbun 2007). Multilateralisten sehen sich als Teil einer größeren Wertegemeinschaft und begrüßen dementsprechend ein gemeinsames Vorgehen mit den Verbündeten in internationalen Angelegenheiten. Unilateralisten sind hingegen sehr auf die Unabhängigkeit ihres Landes bedacht und geben daher einseitigem Handeln in der Außenpolitik den Vorzug vor möglichen Kompromissen, die sich aus der Abstimmung mit anderen Akteuren des internationalen Systems ergeben können (Chittick und Freyberg-Inan 2001, S. 38). Isolationisten unterscheiden sich von Internationalisten dahingehend, dass sie ihr Land aus internationalen Angelegenheiten weitgehend heraushalten wollen, was sich unter anderem in einer protektionistischen Haltung und der Ablehnung einer aktiven Außenpolitik manifestiert. Internationalisten sind dagegen viel eher bereit, sich außenpolitisch zu engagieren und sich auf Interdependenzen mit anderen Ländern einzulassen.

Zwar sind gerade multilaterale Grundorientierungen in außenpolitischen Fragen eng verbunden mit europäischen Identitäten, da sich Multilateralisten im Gegensatz zu Unilateralisten in der Regel mit weiter gefassten Gemeinschaften als der Nation identifizieren (Chittick et al. 1995, S. 318). Da aber gerade im Falle der Eurorettung die Konfliktlinien zwischen einzelnen Nationalstaaten deutlich zu Tage treten, sollten zusätzlich auch außenpolitische Grundorientierungen einen Einfluss entfalten. Die gemeinsame Währung, die den Handlungsspielraum für die einzelnen Nationalstaaten etwa durch die Maastricht-Kriterien und durch die Ausgestaltung der EZB erheblich einschränkt, sollte bei Unilateralisten auf größere Ablehnung stoßen als bei Multilateralisten (Hypothese 5a). Ähnlich verhält es sich mit der IsolationismusDimension: Während Internationalisten wirtschaftliche Verflechtungen mit anderen Ländern nicht schrecken, sorgen sich Isolationisten wegen der möglichen Vernachlässigung heimischer Probleme aufgrund des außenpolitischen Engagements. Daher werden gerade die milliardenschweren Hilfszahlungen an überschuldete Euromitgliedsländer bei Isolationisten auf Ablehnung stoßen, da in deren Auffassung diese Gelder in Deutschland eine sinnvollere Verwendung gefunden hätten. Dementsprechend sollte auch deren Zustimmung zur gemeinsamen Währung wesentlich verhaltener ausfallen als bei Internationalisten (Hypothese 5b).

 
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