Religionsgemeinschaften und religiöse Strömungen in Deutschland

Mit einigen Zahlen möchte ich einen Eindruck der Bedeutung von Religiosität / Spiritualität für die Menschen in Deutschland vermitteln:

§ Jeweils 30% der Deutschen gehören der römisch-katholischen Kirche oder einer evangelischen Landeskirche an.

§ 29% gehören keiner Religionsgemeinschaft an.

§ Ca. 3% gehören kleineren christlichen oder dem Christentum nahe stehenden Religionsgemeinschaften an.

§ 4% gehören dem Islam an.

§ 0,3% gehören dem Buddhismus an.

§ 0,2% gehören dem Judentum an.

§ 0,12% gehören dem Hinduismus an.

§ 0,8% gehören neureligiösen Strömungen sowie dem esoterischen Spektrum an.

§ 32% derjenigen, die keiner Religionsgemeinschaft angehören, bezeichnen sich als religiös und weitere 2% bezeichnen sich als hochreligiös.

(Religionsmonitor 2008, 2009, S. 34f.) [1]

D.h. insgesamt bezeichnen sich 70% der deutschen Bevölkerung lt. der Erhebungen des Religionsmonitors als religiös oder hochreligiös (vgl. ebd., S. 15). Eine weitere Studie, allerdings bereits aus dem Jahre 2001, bietet hier etwas niedrigere Zahlen an, nämlich, dass knapp 50% der Deutschen sagen, dass sie „aus der Religion Trost und Kraft ziehen“ (Halman, 2001 in Grom, 2007, S. 11).

Religiöse Kompetenz

Ein weiteres Ergebnis des Religionsmonitors bezieht sich auf die religiöse Kompetenz. Diese wird entwickelt durch die sogenannten „Kerndimensionen der Religiosität: Intellekt, Ideologie (Glaube), öffentliche religiöse Praxis, private religiöse Praxis, Erfahrung, Konsequenzen im Alltag“ (Religionsmonitor 2008, 2009, S. 21; kursiv i. Original), die durch den amerikanischen Soziologen Charles Glock expliziert und durch viele Studien in ihrer relativen Autonomie bestätigt wurden (vgl. ebd.). Das Ergebnis des Religionsmonitors zur religiösen Kompetenz der Menschen in Deutschland bestätigt eine „erhebliche religiöse Kompetenz , das heißt die Menschen scheinen in der Lage zu sein, religiöse Formen nicht nur reflexiv zu identifizieren, sondern auch praktisch auf ihr Leben zu beziehen“ (ebd., S. 113; kursiv im Original). Weiterhin stellt sich die aktuelle religiöse Landschaft so dar, dass Menschen sich nur noch in Ausnahmefällen eindeutig einer religiösen bzw. konfessionellen Richtung zuordnen. Die gelebte Religiosität ist jedoch nicht eklektisch, sondern wird von den Menschen eigenverantwortlich gestaltet, d.h. auch in eigene Formen und Rituale gebracht bzw. die Vorgegebenen werden nach eigenen Bedürfnissen genutzt und möglicherweise auch umgestaltet. Dies sehen die Menschen nicht als Verrat an der formalen Religion an, der sie in vielen Fällen (dennoch) angehören. Eine weitere Konsequenz aus den individuell entwickelten Formen der gelebten Religiosität ist, dass sie weniger in der Öffentlichkeit sichtbar wird. Damit wird bestätigt, dass Menschen mittlerweile gewohnt sind, sich weniger an äußeren Strukturen zu orientieren, sondern sich immer wieder anpassen und umstellen müssen. Daraus ist wohl auch eine Kompetenz entstanden, die sich in der Religiosität der Menschen ausdrückt (vgl. ebd., S. 117ff) und mit Lernund Bildungsprozessen einhergeht.

  • [1] Der Religionsmonitor bezieht sich zusätzlich zu eigenen Erhebungen auf kirchliche Statistiken, sowie auf den religionswissenschaftlichen Medienund Informationsdienst, Marburg, Stand 2006
 
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