Die Heterogenität des Legitimitätsverständnisses

Im Unterschied zu standardisierten Umfragen ist das individuelle Verständnis der Befragten von den verwendeten Begriffen, erhoben mit Repertory Grid-Interviews, transparent. Damit kann offengelegt werden, wie homogen oder auch heterogen die gleichen Begriffe verstanden und folglich auch zur Beurteilung der Realität verwendet werden. Außerdem kann über die Analyse der erstellten Konstrukte offen gelegt werden, welche Vorstellungen von Legitimität tatsächlich geteilte normative Grundprinzipien sind.

Abbildung 6 verdeutlicht das Antwortverhalten exemplarisch an den beiden Elementen „Legitimster Entscheidungsträger“ und „Expertengremien“. Die Vorstellung der Befragten von Legitimität, dem „Legitimsten Entscheidungsträger“, hat sich als sehr klar und präzise herausgestellt, erkennbar an der starken Polarisierung im Antwortverhalten. Während hingegen andere Elemente, wie zum Beispiel „Expertengremien“ sehr viel diffuser von den Befragten verwendet wurden. Links veranschaulicht die Abbildung die Zuordnung des Elements „Legitimster Entscheidungsträger“ durch alle Befragten für deren individuelle Konstrukte zwischen 0 (das eine) und 100 (das andere). Der U-förmige Verlauf zeigt, dass sich die meisten Befragten in der Zuordnung des „Legitimsten Entscheidungsträger“ eindeutig für das eine oder das andere entscheiden konnten, während die Grafik rechts zur Einordnung der „Expertengremien“ zeigt, dass die Befragten die „Expertengremien“ in der Regel nicht so eindeutig zu dem einen

Abb. 6 Antwortverhalten auf das Element „Legitimster Entscheidungsträger“ (IDEAL) und auf das Element „Expertengremien“ (EG). (Quelle: Eigene Erhebung)

oder anderen Pol ihrer Konstrukte zuordnen konnten, sondern auch von Abstufungen bzw. sowohl als auch Gebrauch gemacht haben. Auffällig hoch ist der mittlere Wert 50 bei der Zuordnung der „Expertengremien“ zwischen den beiden Polen.

Auch wenn die Vorstellung des einzelnen, was den „legitimsten Entscheidungsträger“ charakterisiert, sehr eindeutig ist, ist wie erwartet (H0) das Verständnis aller Befragten als Gruppe sehr heterogen. Einzig die Eigenschaften „gewählt“ und „unabhängig“ charakterisieren übereinstimmend für beinahe ein Drittel der Befragten den legitimsten Entscheidungsträger und sind damit ein Hinweis auf kollektiv geteilte normative Grundprinzipien, die hinter dem Legitimitätsbegriff aller Befragten stehen. Wenige andere Konstrukte finden darüber hinaus Übereinstimmung im Verständnis der Befragten, was Legitimität ausmacht.

 
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