Zusammenfassung

In diesem Artikel haben wir einen ersten Scheinwerfer auf die Effekte der Finanzkrise auf die Entwicklung euroskeptischer Einstellungen innerhalb der Bevölkerung gerichtet. Darüber hinaus haben wir gezeigt, dass auf nationaler Ebene diese Einstellungen im Zuge der Krise verstärkt Auswirkungen auf die Wahlabsicht zugunsten euroskeptischer und/oder extremistischer Parteien haben. Theoretisch argumentieren wir anhand zweier Perspektiven, dass sich der Euroskeptizismus (in Teilen) der Bevölkerung durch die Finanzkrise verstärkt. Diese Perspektiven nennen wir jeweils die Verwundbarkeits- und die ‚Nationalist backlash'-Perspektive. Zumindest für die beiden Länder, die wir in diesem Artikel empirisch untersucht haben, scheinen sich nur die Erwartungen, die sich aus der Verwundbarkeits-Perspektive ableiten lassen, durch die Daten vorsichtig bestätigen zu lassen. Hinsichtlich der Hypothesen der ‚Nationalist backlash'-Perspektive beobachteten wir gemischte Effekte. Schließlich bleibt im Hinblick auf die länderspezifischen Hypothesen festzuhalten, dass der Länderkontext einerseits Auswirkungen darauf hat, wie die Krise individuelle Einstellungen gegenüber der EU verändert. Andererseits wird zukünftige Forschung die Kausalketten solcher Effekte wesentlich elaborierter herausarbeiten müssen als es im Rahmen dieses explorativen Artikels möglich war. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt bereits eine der beiden Perspektiven als falsifiziert ansehen. Im Gegenteil sehen wir für die weitere Überprüfung der theoretischen Perspektiven gespannt möglichen Daten aus zukünftigen anderen Umfragen entgegen, die auch west-europäische Länder inkludieren. Erst mithilfe dieser weiteren Analysen werden wir beurteilen können, ob uns beide, nur eine oder gar keine der Perspektiven in der Erklärung der Entwicklung euroskeptischer Einstellungen voranbringen.

Abschließend betrachtet ist uns wohl bewusst, dass die in diesem Artikel präsentierten empirischen Befunde nur einen ersten Schritt in der Untersuchung von Effekten der Finanzkrise darstellen. Wir wollten hier nicht nur neue Ideen dazu einführen, warum und wie die Finanzkrise zu einer Veränderung im Euroskeptizismus der Bevölkerung in EU-Staaten führt, sondern diese Konzeptionen darüber hinaus mit selbst erhobenen Umfragedaten aus zwei Ländern testen. Da wir trotz der Restriktion der Daten auf zwei Länder in der Lage waren, einige erste Robustheits-Tests durchzuführen, sind wir zumindest vorsichtig optimistisch, dass die generelle Idee unserer theoretischen Perspektiven und unser Zugang einiges von dem einfangen, was in der Realität tatsächlich vor sich geht. Dies ist für uns ein Ansporn zu weiterer und vertiefter Forschung.

 
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