Religiosität als ein Aspekt von kultureller Vielfalt

Bilden fokussiert im Kontext von Religiosität und Kultur auf die Auseinandersetzung mit Geschlechter-Fragen, die ich in meiner Arbeit aufgreife:

„In säkularisierten Ländern sieht es nach einem Stopp oder der Umkehr säkularisierender Tendenzen aus. Da entsteht die Frage nach den Geschlechterkonzepten und

-praxen verschiedener Religionen und sonstiger spiritueller Bewegungen und wie sie in Sozialisationsprozesse eingehen“ (Bilden, 2006, S. 62).

Die UNESCO formuliert: „Kulturelle Vielfalt stellt heute aufgrund der multikulturellen Zusammensetzung der meisten Länder eine der zentralen Herausforderungen dar.“ (Deutsche UNESCO-Kommission e.V., 2009, S. 34) und fordert: „Netzwerke und Initiativen auf allen Ebenen für interkulturellen und interreligiösen Dialog sollten weiterhin unterstützt und gleichzeitig die volle Einbeziehung neuer Partner, insbesondere von Frauen und Jugendlichen, gesichert werden“ (ebd., S. 34).

Eine Funktion von Kultur ist die Herstellung von symbolischen Ordnungen,

„um individuell wie kollektiv wirksame sinnhafte Orientierungen in einem offenen Weltund Zeithorizont zu schaffen“ (Böhm, 2006, S. 208; kurs. i. Orig.). Im Kontext von Globalisierung und Multikulturalität lösen sich bisher gültige Ordnungen auf. Durch die dadurch entstehende Instabilität kommt es immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen, die vielen Menschen den Tod, Entwurzelung, Vertreibungen, Traumatisierungen und weiteres großes Leid zugefügt haben und immer noch zufügen.

Religion bzw. Religiosität kann als kulturelle Leistung dazu beitragen, individuell und kollektiv Antworten auf offene Sinnfragen zu finden und Orientierungshilfen für ein gemeinschaftliches Miteinander. Natürlich zeigt die Menschheitsgeschichte auch, dass gerade Verunsicherung zunehmenden Fundamentalismus hervorbringt und somit wiederum Potential für neue Konflikte. Vor diesem Hintergrund ist obige Einschätzung der UNESCO zur kulturellen Vielfalt als zentrale Herausforderung zu verstehen.

 
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