Wie entkomme ich der Zuckersucht?

Viele Menschen reagieren auf Süßigkeiten wie frisch Verliebte auf den Anblick des oder der Angebeteten: Das Verlangen ist schier grenzenlos und Widerstand scheint zwecklos. Doch auch wenn die Lust auf Süßes mitunter zwanghaft wirkt - wir sind ihr nicht schicksalhaft ausgeliefert...

Knapp 100 Gramm Zucker essen wir pro Tag - die vierfache Menge dessen, was die WHO als gesundheitlich unbedenklich ansieht. Wer sich gesund ernähren möchte, muss diese Süßsucht überwinden. So kann es gelingen:

► Langsam anfangen

Viele Menschen reduzieren ihren Zuckerkonsum von jetzt auf gleich radikal. Solch ein „kalter Entzug" gelingt nur den Härtesten unter uns, denn der Körper weicht ungern von Routinen ab und bevorzugt bekannte Geschmäcker. Strecken Sie daher zunächst das Ungesunde mit Gesundem, indem Sie etwa in den Fertigjoghurt zehn Prozent des natürlichen Produkts bzw. Naturjoghurt geben - und diesen Anteil Woche für Woche erhöhen. Das Gleiche funktioniert mit Süßigkeiten. Sie essen bislang abends vor dem Fernseher eine halbe Tafel

Vollmilchschokolade (50 Gramm)? Reduzieren Sie diese Portion jede Woche um 5 Gramm (1 Stück). Sind Sie bei 10 Gramm angelangt - was als „Tagesdosis" völlig okay wäre ersetzen Sie die Vollmilchschokolade schrittweise durch eine immer dunklere Variante. Ziel ist ein Kakaoanteil von 85 Prozent: Dann ist Schokolade aufgrund der Bitterstoffe sogar gesund. Tipp: Lagern Sie Schokolade im Gefrierschrank. So ist ein rascher Verzehr unmöglich, weil man die Süßigkeit nur noch Stück für Stück auf der Zunge zergehen lassen kann.

► Softdrinks und Säfte ausschleichen

Den Großteil freien Zuckers nehmen wir über Getränke auf. Das Schlimme: Cola und Apfelnektar etwa enthalten so viel Zucker (oder Süßstoff), dass wir uns damit eine absolut unnatürliche Süßtoleranz antrainieren. Die Folge: Wir empfinden etwas „normal Süßes" wie etwa Blaubeeren als beinahe sauer. Gönnen Sie sich diese Getränke daher nur zu besonderen Anlässen. Das gilt auch für Saftschorlen: Ein halber Liter enthält bis zu 30 Gramm Zucker! Schlichtes Wasser dagegen ist das Getränk der artgerechten Ernährung, denn es beeinflusst den Blutzucker nicht. Sie brauchen Geschmack? Dann aromatisieren Sie das Wasser zuckerfrei, etwa mit dem Abrieb von Bio-Zitronen sowie Minzblättern.

Genussalternativen schaffen

Die meisten überfällt der Süß-Jieper in den immer gleichen Situationen. Etwa bei Stress, wenn wir uns mit Süßem beruhigen wollen. Solche Automatismen - Psychotherapeuten nennen sie Verhaltenssüchte - graben sich derart tief in unsere Abläufe ein, dass wir glauben, es ginge überhaupt nur so. Doch das ist falsch: Verhaltenssüchte lassen sich nach dem Wenn-dann-Muster gut überschreiben. Sie müssen nur passende Genussalternativen finden. Beispiel: „Wenn ich gestresst bin, dann koche ich mir meinen Lieblingstee."

Gegen Heißhunger können Sie sich leicht mit einem gesunden Notfall-Package wappnen: Bei mir liegen darin meine Lieblingsmöhren, Radieschen, ein Apfel und Nüsse. Dies verhindert, dass ich auf dem Nachhauseweg den dann meist großen Hunger mit einem Schokoriegel von der Tankstelle stille. Besonders clever: Einige meiner Patienten steuern gesunde Kekse oder Kuchen zum Büfett auf Festen bei - um auf diese Weise ganz sicher etwas Gesundes zur Wahl zu haben.

Die Umgebung versuchungsfrei gestalten

Immer wenn Sie daheim an der Kiste mit den Naschereien vorbeilaufen, signalisiert Ihnen Ihr Gehirn: „Zugreifen! fetzt!" Diesem Befehl zu widerstehen, kostet Willenskraft, auch wenn wir vermeintlich souverän an der Versuchung vorbeilaufen. Lassen Sie daher die süßen Sonderangebote im Supermarkt und packen Sie sich stattdessen Nüsse in den Vorratsschrank.

Saures statt Süßes: Zitronensaft, Naturjoghurt, Tempeh: Trifft Saures die entsprechenden Rezeptoren auf der Zunge, sinkt die Lust, etwas zu essen, rapide. Der Grund: Ein saurer Geschmack zeigte früher meist etwas Verdorbenes an, weshalb die Evolution uns einen Widerwillen dagegen antrainiert hat. Ähnlich wirksam gegen den Süß-Jieper: Bitterstoffe, am besten als Tropfen. Sie fördern auch noch die Sättigung und die Immunabwehr.

 
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