Brauchen ältere Menschen weniger Schlaf?

Der Schlafbedarf von Kindern und Jugendlichen ist eindeutig höher als der von Erwachsenen (s. Abb. 1-1). Dagegen wird für Personen über 65 Jahren weiterhin eine optimale Schlafdauer von sieben bis acht Stunden empfohlen. Aus der Sicht der Schlafforschung wäre es also günstig, auch im hohen Alter noch ausreichend zu schlafen. Allerdings gelingt dies vielen älteren Menschen nicht mehr. Der Schlaf im Alter ist allgemein weniger tief und häufiger unterbrochen als bei jüngeren Erwachsenen (siehe Frage Wie viel Tief- oder REM-Schlafist normal? in Kapitel 2). Auch nimmt der Anteil an Schlafstörungen und die Verwendung von Schlafmedikamenten im Alter stark zu (siehe Frage Sollte eine Insomnie mit Medikamenten behandelt werden? in Kapitel 4). Insgesamt scheinen die Veränderungen des Schlafs generell mit dem Prozess des Alterns zusammenzuhängen. Trotzdem kann man nicht sagen, ältere Personen „brauchen“ weniger Schlaf. Sie bräuchten ihn wahrscheinlich schon, nur können sie einfach nicht mehr so gut schlafen wie in jüngeren Jahren. Verbesserungen des Schlafs und Behandlung von Schlafstörungen bei Senioren und Seniorinnen sind deshalb ein extrem wichtiges Forschungsfeld für die Zukunft. Denn ein verbesserter und erholsamerer Schlaf könnte sowohl die Lebenszufriedenheit als auch die Gesundheit älterer Menschen verbessern. In Kapitel 6 gehe ich auf verschiedene Möglichkeiten der Schlafoptimierung ein.

Kann ich zu kurz schlafen?

Ganz sicher. Jeder weiß, wie man sich fühlt, wenn man einmal wirklich viel zu wenig geschlafen hat. Man ist müde, gereizt, unkonzentriert: unausgeschlafen eben. Und wenn das über einen längeren Zeitraum so geht, dann ist man anfälliger für körperliche Erkrankungen und Infekte, kann sich tagsüber nur noch schwer wach halten und sich schlechter langfristig konzentrieren.

Normalerweise kompensiert der Körper in der Folgenacht den Schlafmangel. Man schläft tiefer und hat insgesamt eine längere Schlafdauer in dieser „Erholungsnacht“. Unser Körper ist also sehr gut dafür eingerichtet, kurzfristigen Schlafentzug und fehlenden Schlaf nachzuholen. Einer ausgelassenen Feier bis spät in die Nacht trotz frühen Aufstehens steht also nichts im Wege, man sollte einfach am nächsten Tag die Aufmerksamkeitseinbußen durch den Schlafentzug mit einkalkulieren und z. B. nicht Auto fahren. Das gilt übrigens auch für das Autofahren direkt nach der Feier - selbst wenn man nichts getrunken hat, ist die Aufmerksamkeit durch den fehlenden Schlaf und die nächtliche Uhrzeit so weit verschlechtert, als hätte man über ein Promille Alkohol im Blut [5]. In der Schweiz droht hier eigentlich Führerscheinentzug und eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren, wenn wirklich Alkohol der Grund wäre und nicht Schlafentzug. Trotzdem sind viele Menschen nachts unausgeschlafen mit dem Auto unterwegs. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die meisten Unfälle nachts und in den frühen Morgenstunden passieren. Also gilt: auch nüchtern nach der Party besser die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen!

 
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