Wann ist es sinnvoll, die Schlafdauer zu verkürzen?

Bei einem gesunden Schlaf ist es nicht sinnvoll, die Schlafdauer über einen längeren Zeitraum zu verkürzen. Es gibt aber mindestens zwei Ausnahmen: Patienten mit bestimmten Schlafstörungen und bei starken depressiven Verstimmungen bzw. Depressionen.

Bei Patienten mit einem stark gestörten Schlaf kann eine systematische Verkürzung der Schlafdauer sehr heilsam sein und die Schlafqualität verbessern. Diese Methode der Schlafrestriktion ist eine wirksame Komponente der Therapie gegen die Insomnie [13] (siehe Frage Wie wird eine Insomnie behandelt? in Kapitel 4). Viele Patienten mit Insomnie können jahrelang nicht gut einschlafen, wachen nachts häufig auf und werden in den frühen Morgenstunden wach und können nicht mehr einschlafen. Diese Menschen haben manchmal den Eindruck, ihr Körper könne gar nicht mehr durchschlafen. Sie sind am Tag müde, gehen lieber früher ins Bett oder schlafen auch am Tag, wodurch sie wiederum nachts wach liegen. Dieser Teufelskreis lässt sich durch eine systematische Verkürzung der im Bett verbrachten Zeit (z.B. auf fünf Stunden) durchbrechen. Dadurch, dass ich weniger schlafe, ist mein Schlafdruck in der nächsten Nacht größer, und es fällt mir leichter, ein- und durchzuschlafen (siehe Frage Was bestimmt mein akutes Schlafbedürfnis? in Kapitel 2). Und wenn ich dies über mehrere Nächte durchhalte, steigt mein Schlafdruck entsprechend an. Wird der Schlaf besser, so kann die im Bett verbrachte Zeit schrittweise verlängert werden.

Patienten mit Depression leiden unter einer lang anhaltenden depressiven Verstimmtheit und Antriebslosigkeit, die sich auf ihre Lebensqualität und Leistungsfähigkeit auswirkt. Es hat sich gezeigt, dass eine Nacht ohne Schlaf die emotionale Stimmungslage vieler Patienten erheblich aufhellen kann. Allerdings hält dieser positive Effekt nur bis zum nächsten Schlaf an. Da die Patienten ja irgendwann wieder schlafen müssen, wird auch bei Depressionen zum Teil eine starke Verkürzung des Schlafs auf wenige Stunden angewendet. Auch diese scheint bei einigen Patienten die Stimmung verbessern zu können (siehe Frage Verbessert Schlaf meine Stimmung? in Kapitel 5).

Die Methoden der Schlafverkürzung oder des Schlafentzugs sind aber häufig recht anstrengend für die Patienten und sollten nur mit professioneller Begleitung durch Psychologen oder Psychiater durchgeführt werden.

Wann ist es noch sinnvoll, seinen Schlaf zu verkürzen? Nun ja, bei allen schönen Erlebnissen mit Freunden, Partys, Nachtwanderungen und ähnlichen positiven und sozialen Aktivitäten natürlich. Solange in den nachfolgenden Nächten genügend Zeit für den Erholungsschlaf besteht, spricht überhaupt nichts gegen eine einmalige Verkürzung des Schlafs. Denn eine hohe Lebenszufriedenheit ist ebenfalls wichtig für einen guten Schlaf.

 
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