Sollte ich einen Wecker benutzen?

Aus Sicht der Schlaf- und Chronobiologie-Forschung: nein. Der Chrono-biologe Til Roenneberg erklärt dies am Beispiel der Waschmaschine: Würde ich ein von Experten programmiertes Waschprogramm vorzeitig abstellen? Wohl eher nicht. Warum sollte ich dann ein von der Evolution optimiertes Schlafprogramm mit einem Wecker frühzeitig beenden? [15] Idealerweise sollte man also einfach so lange schlafen, wie man eben schläft. Und erst dann aufstehen, wenn man von allein wach geworden ist (dann aber auch aufstehen, einfach weiter wach im Bett herumlümmeln ist hier nicht gemeint). Der gesunde Organismus holt sich normalerweise den Schlaf, den er braucht, da kann man ruhig auf das eigene Schlafbedürfnis vertrauen. Dabei kann der Schlaf mal länger und mal kürzer ausfallen, je nachdem, wie groß das Schlafbedürfnis gerade ist. Die genaue Uhrzeit spielt da keine Rolle.

Leider lässt sich diese Empfehlung in unserer nach Uhrzeit getakteten Gesellschaft oft nur schwer umsetzen. Aber vielleicht sind wir mit den Ideen von Gleitzeit, flexiblen Arbeitszeiten oder sogar flexiblen Schulanfängen schon auf dem Weg zu einer individuelleren Aufstehzeit - ohne Wecker (siehe Frage Sollte ich nachts auf die Uhr schauen? in Kapitel 4).

Sollte ich den „Snooze“-Knopf benutzen?

Viele Wecker bieten die Möglichkeit zu „snoozen“: Der anfängliche Alarm des Weckers wird gestoppt, und der Wecker klingelt nach einigen Minuten erneut. Einige Menschen wiederholen dieses Spiel morgens mehrere Male und können so bis zu einer Stunde oder mehr weiterdämmern. Schlafforscher raten davon aber ab [16]. Wenn man beim Weckerklingeln noch nicht ausreichend geschlafen hat, ist es wesentlich sinnvoller, noch eine längere Zeit weiterzuschlafen. Nur dann lässt sich auch eine Schlaftiefe erreichen, die für die Erfüllung unseres Schlafbedürfnisses ausreichend ist. Zudem führt das häufige Wecken zu ständigen Unterbrechungen des Schlafs. Dies könnte langfristig sogar zu einem gestörten Schlaf führen. Wer sich also morgens noch sehr müde fühlt, wenn der Wecker klingelt, sollte lieber früher ins Bett gehen, als zu „snoozen“.

Hat man dagegen ausreichend geschlafen, wenn der Wecker klingelt, dann sollte man lieber aufstehen. Nach den Empfehlungen ist es insbesondere für Personen mit Schlafstörungen besser, klar zwischen den Zuständen „schlafen“ und „wach sein“ zu unterscheiden und das Bett so wenig wie möglich für das Wachliegen zu verwenden (siehe Frage Wie wird eine Insomnie behandelt? in Kapitel 4).

Obwohl sehr einhellig vom „Snoozen“ abgeraten wird und dies auch unserem Verständnis des Schlafs entspricht, gibt es meines Wissens keine wissenschaftlichen Studien zu direkten Auswirkungen des „Snoozens“. Gerade bei Personen mit einem gesunden Schlaf, die ab und zu an freien Tagen morgens gerne länger im Bett liegen und dösen, scheint ein solches Verhalten unbedenklich. Doch von einer regelmäßigen Verwendung ist abzuraten. Ideal wäre es natürlich, gar keinen Wecker benutzen zu müssen (siehe Frage Sollte ich einen Wecker benutzen?).

 
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