Hat sich die Schlafdauer in den letzten 50 Jahren verändert?

Wir hören das immer wieder: Die Einflüsse der modernen Welt verkürzen unseren Schlaf durch digitale Medien, künstliches Licht, Stress am Arbeitsplatz etc. Wir verkürzen unseren Schlaf und gefährden unsere Gesundheit.

Natürlich haben die digitalen Medien in den letzten 50 Jahren unser Leben kolossal verändert. Aber haben die Veränderungen in dieser Zeit wirklich die Schlafdauer systematisch verkürzt? Amerikanische Forscher haben objektive Schlafmessungen aus den Jahren 1960 bis 2013 zusammengetragen. Sie kamen auf 186 Studien mit über 6000 gesunden Erwachsenen (18-90 Jahre) [22]. Sie fanden keinerlei Zusammenhang zwischen dem Jahr der Studie und der Schlaflänge, egal ob die Studie im Labor oder zu Hause stattfand. Auch bei den subjektiven Angaben zu den üblichen Schlaflängen im Alltag zeigte sich keine konsistente Abnahme der Schlafdauer in den letzten Jahrzehnten [23]. So ergab sich zwischen den Jahren 1960 und 2000 in Deutschland eine Verringerung von ca. 19 Minuten pro Nacht. In Frankreich zeigte sich dagegen eine Verlängerung des Schlafs um ca. 26 Minuten pro Nacht für den gleichen Zeitraum. In Polen liegt diese Schlafverlängerung sogar bei 36 Minuten. In Amerikawurden für diesen Zeitraum in verschiedenen Studien sowohl Verlängerungen als auch Verkürzungen der Schlafdauer berichtet. Die Behauptung, wir würden generell kürzer schlafen als noch vor 50 Jahren, stimmt also nicht [24].

Schlafen Menschen in Europa unterschiedlich lang?

Tatsächlich gibt es Unterschiede in der typischen Schlafdauer in Europa (s. Tab. 1-1). Die Daten dazu basieren auf Erhebungen der Europäischen Union aus den Jahren 1998-2002, die Personen aus verschiedenen Ländern zu ihren täglichen Aktivitäten befragt haben. Dabei wurde nach Dauer des Schlafs in der Nacht und am Tag gefragt. Allerdings flössen auch die Einschlafzeit und das passive Liegen im Bett mit ein, z. B. bei einer Krankheit. Die Werte spiegeln also eher die Zeit im Bett wider als die reine Schlafdauer und sind deshalb auch etwas höher als die meisten Berichte zur Schlafdauer.

Norweger und Schweden gaben bei den Befragungen an, durchschnittlich am wenigsten Zeit im Bett zu verbringen (ungefähr acht Stunden). Franzosen schätzten ihre regelmäßige Zeit im Bett dagegen auf fast acht Stunden und 50 Minuten pro Tag. Deutschland und England lagen im Mittelfeld bei acht Stunden und 15 Minuten. Dabei zeigte sich sehr einheitlich in allen dargestellten Ländern, dass Frauen im Schnitt länger schlafen als Männer (siehe Frage Schlafen Männer und Frauen unterschiedlich? in Kapitel 2).

 
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