Wie lang schlafen Tiere?

So gut wie jedes Tier schläft - es gibt quasi keine Ausnahme [42]. Dieses fast universelle Vorkommen von Schlaf wird häufig als Beweis interpretiert, dass der Schlaf eine wichtige Funktion erfüllt und uns einen Überlebensvorteil bringt. Gleichzeitig unterscheiden sich Tierarten stark in der Art und Dauer ihres Schlafs. Generell gilt: Fluchttiere schlafen wenig, Tiere ohne Feinde oder mit guter Tarnung schlafen dagegen viel. So schlafen Pferde und Antilopen nur ca. drei Stunden und legen sich dabei meist noch nicht einmal hin. Raubkatzen (z. B. Löwen und Tiger) sowie auch gut geschützte oder getarnte Tiere (z. B. Igel und Fledermäuse) schlafen hingegen oft mehr als 18 Stunden pro Tag. Auch die Wahl des Schlafplatzes ist höchst unterschiedlich und oft recht kreativ. Gorillas bauen sich Schlafnester in Bäumen oder am Boden. Orang-Utans halten sich mit Händen und Füßen an Ästen fest. Koalas klemmen sich in Astgabeln. Bei Vögeln sind die Krallen so gesteuert, dass sie sich bei Entspannung fest um einen Ast oder ein Kabel legen. So können sie stabil schlafen. Pottwale stehen dagegen senkrecht im Wasser. Mehr Informationen und Bilder dazu finden sich z.B. unter https://www.tierchenwelt.de [43]. Für Kinder empfehle ich das Buch „Frag doch mal die Maus: Wie schlafen die Tiere?“ [44].

Ist der Winterschlaf ein sehr langer Schlaf?

Murmeltiere, Igel, Siebenschläfer und andere Tiere verbringen Wochen bis mehrere Monate im Winterschlaf [45]. Dies wäre eine extrem lange Schlafdauer. So senken zum Beispiel Murmeltiere ihre Körpertemperatur von 39 auf 7 Grad ab. Das Herz schlägt nur noch zwei bis drei Mal statt 100 Mal in einer Minute, und sie machen Atempausen von über einer Stunde. Tatsächlich schlafen sie nicht mehrere Monate durch, sondern werden auch ab und zu einmal kurz wach. Müssten sie dann nicht wunderbar ausgeschlafen sein, nach einer so langen, intensiven Winterschlafenszeit? Das Gegenteil ist der Fall. Sie sind eher müde und müssen sich erst einmal ausschlafen. Sie sind also „schlafdepriviert“, und müssen Schlaf nachholen. Getestet wurde dies vor allem an Hamstern: Einige Hamsterarten können während des Tages in eine kühle Starre fallen, die dem Winterschlaf ähnelt. Die Hamster sind nach dieser „Starre“ ebenfalls müder undmüssen mehr und tiefer schlafen [46]. Winterschlaf ist also kein langer Schlaf, sondern ein eigener Zustand mit besonderen Funktionen: Es geht mehr um die Energiereduktion und Ausharren in kalten und futterarmen Umgebungen. Der Schlaf dagegen hat eine Erholungsfunktion.

 
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