Was ist Schlaf überhaupt?

Wir verbringen etwa ein Drittel unseres Lebens schlafend. Bei durchschnittlich 7,5 Stunden Schlaf pro Nacht und einer Lebenserwartung von 80 Jahren sind das sage und schreibe 25 Jahre, die wir einfach verschlafen. Eine ganze Menge Zeit. Was ist das also, Schlaf?

Schlaf zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass wir in diesem Zustand in unserem Verhalten sehr eingeschränkt sind. Wir reagieren wenig bis gar nicht auf äußere Reize. Wir antworten (fast) nie, wenn wir angesprochen werden. Und wir laufen nicht weg, wenn Gefahr droht. Damit ist Schlaf ein durchaus gefährlicher Zustand. Wir sind den Gefahren der Umwelt stärker ausgeliefert als im Wachzustand. Deshalb ist es für das Überleben vieler Tiere entscheidend, sich zum Schlafen einen sicheren Platz zu suchen. Für uns Menschen ist ein sicherer Ort zum Schlafen wahrscheinlich ebenfalls wichtig.

Diese Veränderung der Reaktionsfähigkeit und im Verhalten geht mit einer starken Verringerung unseres Bewusstseins einher. Uns ist von der Schlafzeit nur sehr wenig bewusst, mit Ausnahme einiger Träume vielleicht. Und wir merken es, wenn wir längere Zeit wach liegen und dann wieder einschlafen. Aber vom Schlafzustand an sich nehmen wir wenig wahr und erinnern uns kaum daran. Wir wissen nicht, wie wir uns im Schlaf gedreht haben oder wann wir die Decke hochgezogen haben. Wir wissen nichts von unserem Atmen, Schnarchen, Zähneknirschen, Reden und Lachen im Schlaf. Wir haben auch kein gutes Gefühl dafür, wie viel Zeit vergangen ist. Insofern ist der größte Teil des Schlafs ein „bewusstloser“ bzw. „erinnerungsloser“ Zustand.

Bewusstlose Zustände gibt es aber noch mehr: Wenn wir ohnmächtig werden oder im Koma liegen, haben wir ebenfalls (fast) kein Bewusstsein und reagieren nicht auf Reize. Bewusstlosigkeit kann auch künstlich hergestellt werden wie z. B. bei der Narkose. Was unterscheidet den Schlaf von anderen Zuständen der „Bewusstlosigkeit“?

Zum einen ist Schlaf ein natürlicher Vorgang, der immer wieder auftritt, sich also regelmäßig wiederholt. Und vor allem wachen wir aus dem Schlaf selbstständig wieder auf und können jederzeit geweckt werden, der Zustand ist also reversibel.

Weiterhin wird Schlaf im Gegensatz zu anderen Zuständen der „Bewusstlosigkeit“ nachgeholt: Wenn wir einmal weniger schlafen, schlafen wir bei der nächsten Gelegenheit mehr. Es gibt also ein Schlafbedürfnis, wir brauchen den Schlaf und müssen - genau wie bei Hunger und Durst - bei längeren Wachphasen irgendwann dem steigenden Schlafdruck nachgeben. In der Wissenschaft sprechen wir dabei von der homöostatischen Regulation von Schlaf [1]: Verlängerte Wachzeiten führen zu einem steigenden Schlafdruck, der nur durch Schlaf wieder abgebaut werden kann, bis wieder ein Gleichgewichtszustand (Homöostase) erreicht ist (siehe Frage Was bestimmt mein akutes Schlafbedürfnis?).

Schließlich ist der Schlaf von charakteristischen Veränderungen der Körperfunktionen und des Gehirns begleitet: Wir bewegen uns (fast) nicht mehr, der Puls wird langsamer, der Atem flacher und langsamer, der Blutdruck sinkt, der Körper entspannt sich. Die Augen sind im Allgemeinen geschlossen. Und die Aktivität im Gehirn verändert sich stark im Gegensatz zum Wachzustand: Das Gehirn ist im Schlaf keinesfalls „ausgeschaltet“, wie viele Menschen meinen. Vielmehr kommt es zu einer Aktivität, die sich je nach Schlafphase stark von der Hirnaktivität im Wachzustand unterscheidet.

Allgemein kann man deshalb Schlaf so definieren: Schlaf ist ein natürlicher und reversibler Zustand der reduzierten Reaktionsfähigkeit, relativen Inaktivität und von stark reduziertem bis fehlendem Bewusstsein.

Schlaf kommt in regulären Intervallen vor, ist homöostatisch reguliert [2] und von charakteristischen Veränderungen der Körper- und Hirnfunktionen begleitet.

 
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