Habe ich nach Wachphasen in der Nacht wieder mehr Tiefschlaf?

Durch die Wachzeit während der Nacht steigt kurzfristig der Schlafdruck wieder leicht an, deshalb kann es beim erneuten Einschlafen wieder zu etwas mehr Tiefschlaf kommen - vor allem wenn man nachts lange wach war. Allerdings zeigt sich in Studien, dass das generelle Muster einer normalen Nacht dadurch nicht grundsätzlich verändert wird: In der ersten Nachthälfte hat man trotzdem weitaus mehr Tiefschlaf als in der zweiten.

Und die zweite Nachthälfte ist weiterhin von mehr REM-Schlaf geprägt -auch wenn man zwischendurch wach war [41].

Wie bewerten Menschen, ob ihr Schlaf gut oder schlecht war?

„Hast du gut geschlafen?“ Diese Frage wird uns gerne gestellt, und wir haben meistens eine Antwort parat. Doch wie beantworten wir die Frage eigentlich?

Zunächst einmal sind wir ja die meiste Zeit, die wir schlafen, ohne Bewusstsein. Wir haben also auch kein gutes Zeitgefühl für die geschlafene Zeit. Auch die Tiefe des Schlafs können wir nicht wirklich abschätzen. Trotzdem scheinen manche Menschen die Bewertung ihres Schlafs an der Idealvorstellung zu orientieren, dass gerade der Grad der Unbewusstheit über die vergangene Zeit ein Hinweis auf einen guten Schlaf ist. So wird der Schlaf zum Teil von Kindern erlebt: Meine Tochter Ronja - sie ist vier Jahre alt - wacht nach einem zehnstündigen Schlaf auf und sagt:

„Papa, wir haben gar nicht fertig gelesen.“ Als wäre kaum Zeit vergangen zwischen der Einschlafgeschichte und dem Aufwachen.

Woran orientieren wir uns dann, wenn wir eigentlich keine Erinnerungen an die Qualität des Schlafs haben? Eine wichtige Rolle für die Bewertung unserer Schlafqualität spielt wahrscheinlich a) die subjektiv geschlafene Zeit sowie b) Anzahl und Dauer der erinnerten Wachperioden während der Nacht. Weiterhin kann das Gefühl, am Morgen wach oder ausgeruht zu sein, unsere Bewertung beeinflussen. Und diese hängt sehr stark von unseren Erwartungen an einen guten Schlaf ab. Wenn ich denke, ich brauche jede Nacht mindestens acht Stunden Schlaf, dann bewerte ich einen siebenstündigen Schlaf als schlecht. Wenn jemand aber jede Nacht nur sechs Stunden schläft, dann wird er einen siebenstündigen Schlaf als exzellent bezeichnen. Manche Menschen haben auch den Eindruck, dass sie schlecht geschlafen haben, wenn sie viel geträumt haben (siehe Frage Stören Träume unseren Schlaf? in Kapitel 4). Es gibt also sehr unterschiedliche Faktoren, die die Bewertung unserer Schlafqualität beeinflussen. Vor allem zu hohe oder falsche Erwartungen an den eigenen Schlaf können kontraproduktiv sein und spielen z. B. bei der Schlafstörung Insomnie eine wichtige Rolle.

 
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