Was sagt meine Schlafposition über meine Persönlichkeit aus?

Schlafe ich auf dem Rücken wie ein König oder eingekuschelt wie ein Baby? Es wird immer wieder behauptet, die Schlafposition würde etwas über unsere Persönlichkeit oder unsere inneren Einstellungen aussagen [48]. Auf der Website „Schlafpositionen: Was verraten sie über unsere Psyche“ werden einige Beispiele vorgestellt [49]. Nach Aussagen auf dieser Seite ist unsere Schlafposition ein Teil unserer Körpersprache, mit der wir über unser Innenleben kommunizieren. Die sogenannte „Embryonallage“ wird zum Beispiel als Zeichen der Verletzlichkeit und Schutzbedürftigkeit angesehen. Allerdings käme es zusätzlich darauf an, wie weit die Beine angewinkelt werden: Stark angewinkelt bedeute emotional und kreativ, schwach angewinkelt dagegen praktisch mit gesundem Menschenverstand. Auf der Seite schlafende Menschen seien dagegen eher ausgeglichen, selbstbewusst und spontan. Dabei stehe die rechte Seite für Zukunftsgewandtheit, die linke für Vergangenheitsbezogenheit. Menschen, die auf dem Bauch schlafen, sollen Perfektionisten sein, mit einem Hang zu Traurigkeit und Depression. Rückenlage, die „königliche Position“, zeige dagegen Selbstbewusstsein, Neugier und Offenheit fürs Leben.

Tatsächlich gibt es wenig wissenschaftlich fundierte Hinweise, dass Schlafpositionen etwas über unsere Persönlichkeit aussagen. In einer Untersuchung aus dem Jahr 1990 konnte tatsächlich ein Zusammenhang zwischen der Embryonalposition und einer geringeren Geselligkeit und weniger Wohlbefinden der Teilnehmenden gefunden werden [50]. In einer Befragung von Studierenden aus dem Jahr 2002 zeigt sich, dass die Embryonal- oder Halb-Embryonalstellung eine sehr häufige Position beim Einschlafen ist [51]. Allerdings waren eher die Bauchschläfer ängstlich und weniger selbstbewusst als Personen mit anderen Einschlafpositionen. Bei einer Befragung von mehr als 300 Studierenden zeigte sich ebenfalls, dass die meisten Menschen in der Embryonalstellung einschlafen, die wenigsten auf dem Rücken [52]. In dieser Studie ergaben sich aber nur sehr geringe Zusammenhänge zwischen der Schlafposition und der Persönlichkeit der Teilnehmenden. Diese schwachen Zusammenhänge wurden von den Autoren als nicht relevant eingeschätzt. Eine Befragung von ca. 1OOO Paaren ergab vor allem, dass glücklichere Paare sich beim Schlafen eher berührten als Paare, die weniger glücklich waren in ihrer Beziehung [53]. Weiter schliefen Extravertierte eher in der Nähe des Partners und kreative Personen eher auf der linken Seite.

Leider ergeben die verfügbaren Untersuchungen kein einheitliches Bild, wie die Schlafposition mit unserer Persönlichkeit Zusammenhängen könnte. Vor allem basieren die Ergebnisse fast ausschließlich auf Befragungen oder Beobachtungen. Wenn die Schlafposition mit Messgeräten erfasst wird, zeigt sich ebenfalls, dass die Embryonalhaltung beim Einschlafen am häufigsten vorkommt. Die Messungen zeigen aber vor allem, dass wir die Schlafposition recht häufig wechseln [54]. Gerade Kinder und Jugendliche wechseln vier- bis fünfmal ihre Position im Schlaf - und das pro Stunde! Bei Erwachsenen nimmt diese Häufigkeit mit dem Alter ab, sie wechseln ihre Position aber immer noch zwei- bis dreimal pro Stunde. Die häufigste Position im Schlaf ist die Seitenlage, sowohl rechts als auch links (ca. 60% der Schlafenszeit). Ca. 25% der Zeit verbringen wir auf dem Rücken, nur 15% auf dem Bauch. Das Schlafstadium - also Tiefschlaf, REM-Schlaf oder N2-Schlaf- spielt keine Rolle für die Schlafposition [55]. Mit zunehmendem Alter haben Personen eher eine Präferenz für eine bestimmte Körperposition beim Schlafen. Diese kommt dann sowohl beim Einschlafen als auch während des Schlafs und beim Aufwachen häufiger vor. Vor allem Senioren schlafen fast gar nicht mehr auf dem Bauch, sondern eher auf der rechten Seite.

Da wir im Schlaf also häufig die Position wechseln, ist es möglicherweise nicht sinnvoll, die Schlafposition mit unserer Persönlichkeit zu verbinden. Und selbst wenn wir uns auf die präferierte Schlafposition oder die Schlafposition beim Einschlafen beschränken, reichen die verfügbaren Studien nicht aus, um die Frage zu beantworten. Ich vermute allerdings, dass auch zukünftige Studien nur einen sehr kleinen und möglicherweise wenig relevanten Zusammenhang zwischen der Schlafposition und unserer Persönlichkeit nachweisen können. Die Schlafposition sagt also wenig über unsere Persönlichkeit aus.

 
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