Schlafen Männer und Frauen unterschiedlich?

Ja. Frauen schlafen im Durchschnitt länger und tiefer als Männer. In einer eigenen Studie haben wir den Schlaf bei über 900 jungen Erwachsenen untersucht [57]. Frauen schliefen im Durchschnitt über 40 Minuten länger als Männer und verbrachten weniger Zeit in dem leichten Nl-Schlaf. Auch traten bei Frauen sehr viel mehr langsame Hirnwellen im Tiefschlaf auf, sie hatten also einen tieferen Tiefschlaf als Männer. Zusätzlich traten bei Frauen mehr schnelle Augenbewegungen im REM-Schlaf auf als bei Männern. Andere Untersuchungen berichten ebenfalls von einer längeren Schlafdauer und mehr Tiefschlaf bei Frauen, während Männer einen flacheren und kürzeren Schlaf sowie eine geringere Schlafeffizienz aufweisen [58]. Interessanterweise haben Frauen auch eine höhere Lebenserwartung und vor allem in sprachlichen Bereichen ein besseres Gedächtnis als Männer. Ob das allerdings an dem besseren Schlaf der Frauen liegt, ist nicht klar. Auch der exakte Grund für den besseren und tieferen Schlaf von Frauen im Gegensatz zu Männern ist nicht bekannt.

Obwohl Frauen also insgesamt mehr, besser und tiefer schlafen, treten Schlafstörungen bei Frauen sehr viel häufiger auf als bei Männern. Frauen leiden insbesondere öfter an Insomnie als Männer und nehmen auch häufiger Schlafmittel [59] (siehe Frage Unterscheiden sich Frauen und Männer in der Häufigkeit der Insomnie? in Kapitel 4). Störungen des Schlafs durch Atemprobleme und Atemaussetzer sind dagegen bei Männern häufiger (siehe Frage Was sind schlafbezogene Atemstörungen? in Kapitel 4).

Es ist nicht leicht zu erklären, warum Frauen im Durchschnitt besser schlafen als Männer und trotzdem über mehr Schlafprobleme berichten. Es könnte z.B. sein, dass Frauen generell mehr Schlaf benötigen und dass sich Störungen des Schlafs bei ihnen negativer auswirken als bei Männern. Klar ist auch, dass sich die weiblichen Hormone und ihre Veränderungen über die Lebensspanne auf den Schlaf auswirken (siehe Frage Wie verändert sich der Schlaf im Laufe des weiblichen Zyklus?). So steigt der Unterschied in Schlafstörungen zwischen Männern und Frauen vor allem nach der Pubertät an und erneut nach der Menopause. Mädchen und Jungen zeigen dagegen kaum Unterschiede im Auftreten von Schlafstörungen. Zusätzlich könnte es auch sein, dass es Frauen schneller auffällt, wenn sie schlechter schlafen, da sie früher besser geschlafen haben. Sie haben also einen anderen Vergleich als Männer, die auch früher schon weniger gut geschlafen haben.

 
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