Schläft Mann/Frau besser alleine oder zu zweit?

Aus der Sicht der Schlafmessung schläft man besser allein als zu zweit in einem Bett. Allerdings gibt es erstaunlich wenige Untersuchungen zu dem Thema. Verheiratete Versuchspersonen einer Studie aus dem Jahr 1969 hatten deutlich mehr Tiefschlaf, wenn sie allein schliefen, im Vergleich zu einer Nacht zu zweit [64]. Sie bewegten sich auch weniger und verbrachten mehr Zeit im REM-Schlaf. Auch in der häuslichen Umgebung weisen zu zweit schlafende Paare deutlich mehr Bewegungen im Schlaf auf [65]. Diese treten oft zur gleichen Zeit auf. Das bedeutet, dass einer der Schlafenden die Bewegung beginnt und sich dann die danebenliegende Person ebenfalls bewegt bzw. bewegen muss. Gemeinsam schlafende Paare haben auch über die Nächte hinweg ähnliche Schwankungen in der Schlafqualität [66]. Schläft also der eine Partner besser, so tut dies auch der andere. Schläft einer der Partner schlechter, ist auch der Schlaf des anderen gestört. Sogar unser Herzschlag scheint sich beim gemeinsamen Schlaf etwas anzugleichen [67]. Vor allem Frauen fühlten sich tendenziell mehr durch Männer in ihrem Schlaf gestört als umgekehrt. Interessanterweise lauten die Selbstberichte der Paare anders: Sie bewerten ihren Schlaf besser, wenn sie zu zweit schlafen als alleine. In einer aktuelleren Pilotstudie an vier Paaren war dies auch so, allerdings zeigte sich in dieser Studie sogar bei der objektiven Schlafmessung ein besserer Schlaf zu zweit als alleine [68]. Anscheinend muss der Schlaf zu zweit also nicht immer schlechter sein.

Der gemeinsame Schlaf wird insbesondere dann gestört, wenn einer der Schlafpartner Schlafstörungen hat. Gerade starkes Schnarchen oder Atemaussetzer stören nicht nur den Schlaf des Betroffenen, sondern auch den der anderen Person im gleichen Bett [69]. Der gemeinsame Schlaf verbessert sich meistens bei beiden, wenn die Schlafstörung bei der betroffenen Person behandelt wird. Es gibt sogar einige Hinweise, dass sich durch einen besseren gemeinsamen Schlaf die Beziehungsqualität erhöhen kann. Umgekehrt scheint auch eine bessere Beziehungsqualität und Harmonie in der Ehe eine bessere Schlafqualität zu fördern [70].

Insbesondere wenn man sich stark durch das Schlafverhalten des Partners oder der Partnerin gestört fühlt, empfehle ich eindringlich, über alternative Schlafarrangements nachzudenken. Aus persönlichen Gesprächen weiß ich, dass es einige Paare fast als Ende der Beziehung ansehen, wenn sie nicht mehr gemeinsam in einem Bett schlafen. Und bei anderen führt schon der vorsichtige Wunsch nach zwei anstatt einer gemeinsamen Bettdecke zu einer Beziehungskrise. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ein guter Schlaf ist wichtig für das Wohlbefinden und damit auch das Wohlbefinden in der Beziehung. Und deshalb ist es auch für die Beziehungsqualität wichtig, dass beide gut schlafen können. Wenn man zu zweit gut schläft, dann umso besser. Aber wenn nicht, dann ist eine extra Matratze oder sogar ein Bett in einem eigenen Zimmer eine gute Alternative. Man kann trotzdem noch zu zweit ins Bett gehen, ein bisschen kuscheln und sich austauschen. Und dann zieht sich jeder in seine ideale Schlafumgebung zurück. Gerade für langjährige Beziehungen ist das sicherlich besser, als das störende Schlafverhalten des Partners oder der Partnerin auszuhalten - auf Kosten des eigenen Schlafs und Wohlbefindens.

Interessant ist, dass Schlaf in bestimmten Kulturen und Situationen auch mit mehr als zwei Personen stattfindet. So schlafen Jäger-und-Sammler-Kulturen häufig mit mehreren Personen um ein Feuer oder als (Groß-)Familie in Zelten oder Hütten. In Jugendherbergen, Hostels, Berghütten oder studentischen Unterkünften sind Schlafsäle auch bei uns keine Seltenheit. Und obwohl auch bestimmte Tierarten sehr häufig in Gruppen schlafen, gibt es zum Schlaf als Gruppenphänomen bei Menschen bisher so gut wie keine wissenschaftlichen Untersuchungen, vor allem nicht unter Einbeziehung objektiver Schlafmessungen.

 
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