Warum schlafe ich im Zug oder Auto ein?

Es ruckelt gemächlich, am Fenster rauscht die Landschaft vorbei - im Zug oder Auto werden viele Menschen schnell müde und nicken vielleicht ein. Einige verpassen sogar ihre Haltestelle zum Aussteigen, was meiner Frau tatsächlich schon mehrmals passiert ist. Wie lässt sich das erklären? Die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass dies vor allem Menschen passiert, die vorher schon müde sind. Die Zugfahrt oder das Mitfahren im Auto bietet dann eine gute Zeit, um abzuschalten - es gibt nichts zu tun, außer zu warten. Weiterhin ist es meist warm und relativ gemütlich und scheinbar „sicher“. Hinzukommen könnte das Gefühl des leichten Schaukelns und Brummens, das die Müdigkeit verstärken kann [88]. Auch die Gleichförmigkeit bzw. Monotonie der Geräusche und Bewegungen hilft uns, in den Schlaf zu finden [89]. Die gleichmäßig vorbeiziehende Landschaft könnte ebenfalls einen beruhigenden Einfluss haben. All diese Faktoren können den Schlaf fördern, insbesondere bei müden Personen. Und warum auch nicht? Es gibt ja tatsächlich nichts zu tun während der Fahrt.

Allerdings geht dies nicht allen so. Manche können sehr gut im Zug arbeiten, andere möchten zwar im Zug, Auto oder Flugzeug gern schlafen, können es aber nicht. Einfach nur Schaukeln und Brummen reicht sicherlich nicht. Außerdem muss man den Schlaf auch zulassen können und sich geborgen fühlen. Wenn man, wie ich, als Beifahrer die ganze Zeit denkt, die Person am Steuer verpasst die nächste Ausfahrt, lässt sich nicht gut im Auto schlafen - was meiner Frau verständlicherweise auf die Nerven geht. Zusätzlich ist es unwahrscheinlich, dass man bei einer Fahrt am Tag mehr als eine Stunde schläft, es sei denn, man hat die ganze Nacht durchgemacht.

Auch Kinder schlafen häufig im Auto schneller ein als zu Hause. Dies führt manchmal sogar dazu, dass Eltern ihre Kinder ins Auto setzen und einfach ein paar Mal um den Block fahren, damit ihre Zöglinge endlich schlafen [90]. Nach einer Umfrage in England fahren einige Eltern (vor allem Väter) über 1000 Kilometer im Jahr, nur um das eigene Kind zum Einschlafen zu bringen. Eine effektive Methode, die aber ökologisch wenig nachhaltig ist. Und es können auch problematische Gewöhnungseffekte bei den Kindern auftreten: Sie lernen, dass sie ihren (Mittags-) Schlaf vor allem im Auto bekommen. Der Vater muss also noch häufiger sein Kind ins Auto setzen, um es zum Einschlafen zu bewegen. Ein Autohersteller hat jetzt ein Bett entwickelt, das leicht schaukelt sowie Autogeräusche und vorbeiziehende Laternen simuliert [91], Vielleicht ist das die Lösung.

Einen anderen Trend scheint es nur in Japan zu geben: Besonders in Tokyo mieten Japaner Autos, um darin ein Nickerchen zu halten, ohne das Auto überhaupt zu bewegen. Dieser Trend erklärt sich wohl daraus, dass es schwierig ist, in Japan ein anderes ruhiges Plätzchen für ein Nickerchen zu finden. Lind die Automiete ist mit ein paar Yen pro halber Stunde anscheinend sehr billig [92].

 
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