Ist der Schlaf vor Mitternacht der gesündeste Schlaf?

Dies ist ein sehr weit verbreiteter Mythos. Und zunächst einmal falsch. Die Uhrzeit an sich spielt für unseren Schlaf nämlich überhaupt keine Rolle. Viel wichtiger sind der in der vorangegangenen Frage beschriebene zirkadiane Rhythmus sowie regelmäßige Schlaf-wach-Zeiten.

Woher kommt dann dieser Mythos? Tatsächlich findet Tiefschlaf am häufigsten in den ersten Schlafstunden statt. Tiefschlaf gilt als die erholsamste Schlafphase. Wenn nun jemand regelmäßig um 9 Uhr ins Bett geht, stellt sich unser zirkadianer Rhythmus darauf ein. Unsere optimale Schlafphase beginnt dann auch gegen 9 Uhr: Das Schlafhormon Melatonin steigt an und aktivierende Hormone wie das Stresshormon Kortisol fallen um diese Zeit ab. Unter diesen Bedingungen findet unsere Tiefschlafphase tatsächlich vor Mitternacht statt. Dann wäre der Schlaf vor Mitternacht der „gesündeste“. Wenn aber jemand regelmäßig um 2 Uhr nachts ins Bett geht, stellt sich der zirkadiane Rhythmus auch darauf ein. Die optimale Schlafphase beginnt dann erst um 2 Uhr, und der Tiefschlaf findet in diesem Fall vor 5 Uhr morgens statt. Es kommt also viel mehr auf die regelmäßigen Einschlafzeiten und die eigene innere Uhr an als auf die genaue Uhrzeit. Da unser zirkadianer Rhythmus allerdings auch von anderen Faktoren beeinflusst wird (z.B. Tageslicht), funktioniert die Anpassung unserer inneren Uhr an unsere Schlafgewohnheiten natürlich nur in einem gewissen Rahmen.

 
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