Was ist der beste Schlaf-wach-Rhythmus?

Gute Frage: Keine Ahnung. Hier sind sich die Forscher absolut uneins. Eine Fraktion meint, dass es am gesündesten sei, den Schlaf insgesamt in der Nacht „abzuschlafen“. Man nennt dies auch einphasischen oder monophasischen Schlaf. Diese Meinung ist in der (westlichen) Gesellschaft weit verbreitet und deckt sich möglicherweise mit den biologischen Mechanismen, da der zirkadiane Rhythmus bei den meisten Menschen nur eine längere optimale Phase für den Schlaf anzeigt. Die Favorisierung des monophasischen Schlafs kann aber auch so weit gehen, dass Menschen sich Sorgen machen, wenn sie nicht mehr die ganze Nacht durchschlafen können, insbesondere, wenn sie älter werden. Mittagsschlaf ist bei einigen Menschen verpönt. Und auch Kinder werden schnell auf diesen Rhythmus getrimmt: Kein Mittagsschlaf mehr, sondern nur in der Nacht schlafen und am besten nicht zwischendurch aufwachen und zu den Eltern ins Bett kommen. Aber ist dies wirklich der einzig wahre Schlafrhythmus?

In der Tierwelt gibt es den monophasischen Schlaf zwar bei einigen Affenarten wie Gorillas, Orang-Utans oder Schimpansen. Von der Abstammung her sind uns diese Affenarten auch recht nahe. Ansonsten ist der monophasische Schlaf bei Tieren eher die Ausnahme. Zwar findet der Schlaf hauptsächlich während der Nacht (bei tagaktiven Tieren) oder am Tag (bei nachtaktiven Tieren) statt. Aber die meisten Tiere dösen fröhlich während ihrer aktiven Phasen vor sich hin und wachen auch in ihren Schlafphasen häufig auf. Dies ist auch viel sicherer, da Schlaf ja durchaus ein gefährlicher Zustand ist. Zumindest bei Tieren mit Fressfeinden, die sie im Schlaf überraschen könnten. Dies gilt auch für den Schlaf von Naturvölkern, bei denen sich nachts immer jemand um das Feuer kümmert oder Tiere ferngehalten werden müssen. Man sollte also meinen, dass wir auf biologischer Ebene mit unterbrochenem und verteiltem Schlaf gut umgehen können.

Insofern gibt es eine andere Fraktion von Forschern, die einen zweiphasischen oder sogar mehrphasischen Schlaf befürworten (siehe Frage Was ist polyphasisches Schlafen?). Zweiphasischer Schlaf meint, dass zwar der Schlaf vor allem während der Nacht stattfindet, aber am Tag ein mehr oder weniger langes Nickerchen gehalten wird. Einige Marker unserer inneren Uhr sprechen dafür, dass am Nachmittag (insbesondere nach dem Essen) eine Schlafphase gut zu unserem Rhythmus passen würde. Und wer kennt nicht die unproduktive Zeit nach dem Mittagessen, die man bei uns gerne mit Kaffee oder anderen Aufputschmitteln zu überbrücken versucht. Allerdings könnte die Müdigkeit nach dem Essen auch durch das Essen selbst verursacht sein. Auch die Temperatur könnte unsere Müdigkeit am Tag beeinflussen, und insbesondere in Ländern mit hohen Temperaturen ist eine Siesta deshalb gesellschaftlich akzeptiert und weit verbreitet. Die lähmende Hitze während des Nachmittags wird verschlafen und die Aktivität auf die kühleren Perioden während des Vormittags und des frühen Abends verteilt. Bei den neuerdings ungewöhnlich heißen Temperaturen im Sommer hierzulande gewinnt diese Option durchaus an Attraktivität.

Doch auch bei einem zweiphasischen Schlafrhythmus gilt die Empfehlung, einen möglichst regelmäßigen Rhythmus einzuhalten. Wer also einen Mittagsschlaf machen möchte und sich dabei wohlfühlt, sollte dies regelmäßig tun, damit sich der Körper darauf einstellen kann. Und es muss beachtet werden, dass ein Mittagsschlaf den Nachtschlaf wahrscheinlich etwas verkürzt. Für die Bestimmung der empfohlenen Schlafdauer (siehe Frage Wie lange sollte ich schlafen? in Kapitel 1) muss der Schlaf am Tag und in der Nacht zusammengerechnet werden.

Menschen mit einem gestörten Nachtschlaf sollten dagegen einen Mittagsschlaf vermeiden. Dadurch ist das akute Schlafbedürfnis am Abend höher und führt zu einem besseren Schlaf in der Nacht (siehe Frage Was bestimmt mein akutes Schlafbedürfnis? in Kapitel 2). Insofern macht es auch Sinn, bei Kindern den Mittagsschlaf zu verkürzen, da sie dann in der Nacht länger schlafen. Ob das unbedingt gesünder ist oder ob die Eltern abends einfach ihre Ruhe haben wollen, kann jeder selbst beantworten. Bei älteren Menschen liegen allerdings einige Studien vor, die zeigen, dass Personen mit regelmäßigem Mittagsschlaf eher an bestimmten Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden als diejenigen, die keinen Mittagsschlafhalten (siehe Frage Sollte ich einen Mittagsschlaf halten oder lieber nicht? in Kapitel 6) [1]. Ob dies aber am Mittagsschlaf liegt oder ob sie aufgrund von bestimmten Krankheiten eher Mittagsschlaf halten, werden zukünftige Studien zeigen müssen [2].

 
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