Verändert sich der eigene Chronotyp während der Lebensspanne?

Ja, der Chronotyp scheint sich bei den meisten Menschen mit der Lebensspanne zu verändern [14]. Kinder sind im Schnitt eher Morgentypen. Ab einem Alter von 10 Jahren beginnt sich der Schlaf-wach-Rhythmus zu verschieben. Jugendliche gehen bis zum 20. Lebensjahr tendenziell später ins Bett. Sie werden also eher zu „Eulen“. Mit zunehmendem Alter gibt es dann bis zum Lebensende hin wieder eine Verschiebung in Richtung früherer Bett- und Aufstehzeiten. Ältere Menschen sind also eher wieder „Lerchen“.

Der Grund für diese Verschiebung könnten unterschiedliche Präferenzen in den verschiedenen Lebensphasen sein. Bei Kindern können die Eltern noch gut mitbestimmen, wann sie ins Bett gehen sollen. Damit die Eltern einen freien Abend haben, wird häufig eine frühere Schlafenszeit gewählt. Bei Jugendlichen hört dann diese Kontrolle durch die Eltern nach und nach auf, und irgendwann geht man vielleicht abends gerne mal mit Freunden aus. Diese Erklärung für das spätere Zubettgehen der Jugendlichen wird auch als „Discohypothese“ bezeichnet. Interessant ist allerdings, dass auch Jugendliche bei Naturvölkern eher Abendtypen sind, im Gegensatz zu den Erwachsenen, obwohl weder künstliches Licht, Fernseher, Handy noch Discos zur Verfügung stehen [20]. Ein Teil dieser Verspätung unseres Schlaf-wach-Rhythmus könnte also mit anderen Entwicklungsprozessen zu tun haben. Im Erwachsenenalter kommen wahrscheinlich berufliche und familiäre Einschränkungen hinzu, die dazu führen, dass Erwachsene wieder früher ins Bett gehen. Eine solche antrainierte Gewohnheit hält möglicherweise über die Pensionierung hinaus an. Eine Verschlechterung der Schlafqualität und eine schnellere Erschöpfung im Alter kommen hinzu. Dies könnte erklären, warum ältere Menschen abends früher ins Bett gehen.

Insgesamt zeigen diese Veränderungen über die Lebensspanne noch einmal, dass unser Chronotyp eher einen aktuellen Zustand beschreibt. Wir stellen uns mit unserem Schlaf-wach-Rhythmus jeweils auf die aktueilen Anforderungen des Lebens ein. Grundsätzlich können also in gewissem Maße aus „Lerchen“ „Eulen“ werden und umgekehrt.

 
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