Verändert sich unser Schlaf-wach-Rhythmus beim Zelten?

Spannenderweise scheint sich unsere innere Uhr besser der natürlichen Sonnenscheindauer anzupassen, wenn wir mehr Zeit im Freien verbringen. Amerikanische Forscher der Universität Boulder in Colorado, USA, haben dazu eine wissenschaftliche Studie beim Zelten durchgeführt [26]. Die Teilnehmerinnen verbrachten zunächst eine Woche normal ihren Alltag, sie gingen also zur Arbeit oder zur Schule, übten Hobbys aus usw. Sie waren meist in geschlossenen Räumen, unter künstlichen Lichtbedingungen, und eher selten draußen. Danach zelteten sie eine Woche und hatten nur die Sonne oder das Lagerfeuer, Taschenlampen und Handys waren nicht erlaubt. Im Gegensatz zu einer normalen Arbeits- oder Schulwoche bekamen die Teilnehmenden in der Natur ca. viermal so viel Sonnenlicht ab. Und während sie in der normalen Woche im Durchschnitt erst gegen 0:30 Uhr ins Bett gingen, legten sie sich in der Outdoor-Woche fast zwei Stunden früher schlafen. Ganz interessant war der Anstieg des Melatonins, das zu Beginn unserer „inneren Nacht“ ausgeschüttet wird: Beim Zelten fiel der Beginn des Melatoninanstiegs fast mit dem Sonnenuntergang zusammen, und das Ende der Melatoninausschüttung erfolgte zum Zeitpunkt des Sonnenaufgangs. In der Arbeitswoche war die Melatoninausschüttung dagegen fast zwei Stunden später als der Sonnenuntergang. Ähnliche Ergebnisse zeigten sich in einer weiteren Studie, bei der das Zelten nur ein Wochenende dauerte. Und auch beim Zelten im Winter passte sich der innere Rhythmus der Versuchsteilnehmer besser dem Rhythmus der Sonne an [27].

Trotzdem sind die Ergebnisse mit einer gewissen Vorsicht zu interpretieren. Beim Zelten ist natürlich vieles anders als während des normalen Alltags: Man ist entspannter, genießt die Zeit, ist mit anderen Personen zusammen, bewegt sich mehr an der frischen Luft, isst vielleicht andere Dinge und zu anderen Zeitpunkten etc. Diese Einflüsse lassen sich in den genannten Studien nicht völlig ausschließen. Außerdem waren die Teilnehmerzahlen in den Studien relativ niedrig. Trotzdem liefern diese Ergebnisse erste Hinweise, dass unser biologischer Rhythmus sich besser an den natürlichen Tag-Nacht-Zyklus anpassen kann, wenn wir mehr Zeit draußen verbringen. Also, raus aus dem Sessel, rein in die Natur, auch im - unsere innere Uhr wird es uns danken.

 
Quelle
< Zurück   INHALT   Quelle   Weiter >