Stören Windräder den Schlaf?

Für Klimaschützer sind Windräder eine willkommene Alternative zu fossilen Energieträgern, und ihr Ausbau muss demnach unbedingt vorangetrieben werden. Für Anwohner sind sie manchmal eine Last. Mittlerweile

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Abbildung 4-3: Nächtliche Mückenjagd mit einer Taschenlampe. Durch das schräge Anleuchten der Mücke erzeugt diese einen großen Schatten, mit dem man sie leichter finden kann. Abbildung adaptiert von [13]. mit freundlicher Genehmigung.

gibt es zahlreiche Initiativen, die Windräder in der Nähe von Siedlungen verhindern wollen [14]. Ein Argument in der Diskussion ist, dass Windräder den Schlaf stören. Tun sie das wirklich?

Wenn der Lärm von Windrädern eine bestimmte Lautstärke (z. B. 40 oder 45 dB) überschreitet, dann können sie den Schlaf nach den vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchungen tatsächlich stören [9]. Allerdings darf die Lautstärke von 35-45 dB in vielen Wohngebieten sowieso nicht überschritten werden, zumindest nach den Richtwerten des deutschen Umweltbundesamtes [15]. Deshalb ist es unter anderem sinnvoll, einen gewissen Mindestabstand zwischen Wohngebieten und Windkraftanlagen einzuhalten. Der hörbare Schall nimmt mit Abstand ab, sodass die Lärmbelastung, die den Schlaf stört, in den Wohnanlagen unter der Schwelle liegen sollte.

Neben der messbaren Lautstärke der Windkraftanlagen beeinflussen Faktoren wie Lärmempfindlichkeit und Einstellung der Betroffenen gegenüber der Lärmquelle das Ausmaß an Störungen des Schlafs: Bei einer negativen Einstellung zu den Windkraftanlagen berichten Personen von stärkeren Schlafstörungen und anderen gesundheitlichen Folgen. Dies ist weniger bei denjenigen der Fall, die den Anlagen gegenüber neutral oder positiv eingestellt sind.

Allerdings beruhen die wenigen wissenschaftlichen Studien fast ausschließlich auf Selbstberichten zum Schlaf. Eine Ausnahme ist eine kanadische Studie, die Schlafstörungen durch Windräder bei über 700 Erwachsenen mittels Selbstberichten und auch Bewegungsmessungen untersucht hat [16]. Die Lautstärke der Windräder betrug im Durchschnitt ca. 35 dB und erreichte maximal 46 dB im Schlafzimmer von einigen getesteten Personen. Wenn die Lautstärke der Windräder höher war, berichteten auch mehr Menschen von Schlafstörungen. Dies spiegelte sich allerdings nicht in den objektiven Messungen des Schlafs wider. Interessanterweise schliefen Personen objektiv kürzer, wenn sie sich stärker von den blinkenden Lichtern der Windkraftanlagen belästigt fühlten. Gleichzeitig schliefen sie aber objektiv länger, wenn sie die Geräusche oder das Rattern der Turbinen mehr störten [17]. Eine weitere Studie hat den Schlaf von 16 Personen vor und nach der Installation der Windkraftanlagen untersucht [18]. Der Schlaf wurde mithilfe mobiler Messgeräte in ihrer häuslichen Umgebung gemessen. Die objektive Messung zeigte keine Verschlechterung der Schlafqualität nach der Installation der Windkraftanlagen. Auch die parallel durchgeführten Lautstärkemessungen führten zu keinem messbaren Anstieg der Lautstärke nach Installation der Windanlagen. Allerdings stiegen die berichteten Schlafstörungen deutlich an.

Aus Sicht der Schlafforschung ist es allerdings sehr relevant, wenn die berichteten Schlafstörungen ansteigen, selbst wenn keine Veränderungen im objektiv gemessenen Schlaf zu erkennen sind. Bei der Insomnie (siehe Frage Was ist eine Insomnie?) ist die subjektive Bewertung des Schlafs entscheidend für die Diagnose der Krankheit. Die objektive Messung des Schlafs spielt dagegen keine Rolle. Da die Insomnie mit negativen Folgen für die Gesundheit verbunden ist, kann also auch die empfundene und berichtete Störung des eigenen Schlafs ähnlich wie bei anderen psychosomatischen Erkrankungen zu gesundheitlichen Problemen führen.

Auch der Befund, dass eine negative Einstellung zu Windkraftanlagen mit mehr Schlafstörungen zusammenhängt, ist nicht ganz einfach zu interpretieren. Zum einen könnte es sein, dass Personen eine negative Einstellung entwickeln, weil sie sich durch die nächtlichen Geräusche stärker gestört fühlen als andere. Zum anderen haben wir die Fähigkeit, im Schlaf mehr auf für uns relevante Dinge zu reagieren. So reagieren wir im Schlaf stärker auf eine bekannte Stimme oder die Nennung unseres eigenen Namens als auf andere, irrelevante Informationen [19]. Je bedeutsamer also ein Geräusch für uns ist, desto eher reagieren wir auch im Schlaf darauf. Das bedeutet, unser Ärger über die Windturbinen macht dieses Geräusch für uns relevant, und deshalb reagieren wir im Schlaf auch stärker darauf. Es kann also unter Umständen für den Schlaf sinnvoll sein, das Geräusch einer Windturbine (wenn sie nun mal neben meinem Haus steht) eher mit etwas Positivem zu verknüpfen. So kann ich mir zum Beispiel Meeresrauschen oder das Klappern von einem Mühlrad vorstellen, wenn das angenehmer ist. Dies mag für Betroffene seltsam klingen und sogar inakzeptabel sein. Aber wenn ich an der Situation gerade nichts ändern kann, dann sollte ich doch alles versuchen, um wenigstens gut zu schlafen. Und am nächsten Morgen kann ich mich ausgeruht für einen größeren Mindestabstand von Windkraftanlagen oder gegen Windkrafträder engagieren.

Neben dem hörbaren Lärm wird bei Windkraftanlagen auch häufig der „nicht hörbare“ genannt. Dieser sogenannte „Infraschall“ betrifft

Schwingungen, die unter unserer Hörschwelle liegen. Sie können z. B. als Druckunterschiede durch unseren Körper wahrgenommen werden. Es gibt einige Hinweise, dass eine stärkere Infraschall-Aussetzung aus unterschiedlichen Quellen (z. B. startende und landende Flugzeuge, Ventilatoren in Räumen etc.) möglicherweise mit gesundheitlichen Beschwerden und berichteten Schlafstörungen Zusammenhängen könnte [20]. Allerdings ist der produzierte Schalldruck der Windkraftanlagen relativ schwach und, nach Aussagen des deutschen Umweltbundesamtes, in einiger Entfernung nicht mehr wirklich wahrnehmbar [15]. Der Infraschall eines Deckenventilators sollte sehr viel spürbarer sein.

 
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