Stört Fasten den Schlaf?

Lang andauerndes, extremes Fasten führt zu Schlafstörungen. Wenn Ratten mehrere Tage ohne Essen und Trinken auskommen müssen, so nimmt die Schlafdauer ab, und die Tiere sind länger wach. Auch der Anteil des Tiefschlafs und des REM-Schlafs nimmt ab, und die Tiere verbringen mehr Zeit in leichteren Schlafstadien [41] [42].

Fasten über einige Tage hat dagegen beim Menschen nur sehr geringe Auswirkungen auf den objektiv gemessenen Schlaf [43]. Personen schliefen in einer Studie sogar etwas ruhiger und verbrachten etwas mehr Zeit im REM-Schlaf, wenn sie vorher sieben Tage lang gefastet hatten [44]. Ansonsten blieb der Schlaf unverändert. Allerdings bewerteten die Versuchsteilnehmerinnen ihren Schlaf als sehr viel erholsamer als vor dem Fasten. Und sie gaben an, sich am Ende der Fastenzeit wacher und erholter zu fühlen. Einige Tage fasten verbessert also vor allem die Bewertung des eigenen Schlafs und das Gefühl der Wachheit am Tag. Es ist aber zu erwarten, dass sich auch beim Menschen bei länger andauernden Hungerperioden der Schlaf verschlechtert.

Muslime praktizieren während des Monats Ramadan eine spezielle Form des Fastens: Zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nehmen gläubige Muslime weder Nahrung noch Flüssigkeit zu sich. Erst nach Sonnenuntergang essen und trinken sie wieder. Aus Sicht der Schlafforschung ist dies ein interessantes Experiment: Wie verändert die umgestellte Nahrungsaufnahme den Schlaf?

Die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Thema berichten von einer verkürzten nächtlichen Schlafdauer während des Ramadan. Dieser verkürzte Schlaf wird zum Teil durch vermehrten Mittagsschlaf ausgeglichen [45]. Während des Schlafs ist der Anteil des REM-Schlafs reduziert, der Anteil des tiefen und mitteltiefen Schlafs bleibt dagegen weitgehend unverändert. Weiterhin nimmt die Tagesmüdigkeit während des Fastenmonats zu, und die Leistungsfähigkeit nimmt ab [46]. Allerdings sind diese Veränderungen nicht allein durch die Umstellung der Nahrungsaufnahme verursacht. Denn viele fastende Muslime verschieben ihren Schlaf-wach-Rhythmus während des Ramadans: Sie gehen später ins Bett und stehen später auf. Auch viele Geschäfte verschieben ihre Öffnungszeiten, und die Arbeit beginnt zum Teil morgens etwas später. Zusammen mit den veränderten Essenszeiten und der reduzierten

Flüssigkeitsaufnahme am Tag könnte also auch die Verschiebung des körpereigenen Schlaf-wach-Rhythmus eine Ursache für den veränderten Schlaf während des Ramadan sein.

 
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