Was ist eine Insomnie?

Insomnie ist die medizinische Diagnose für einen gestörten Schlaf. Die Diagnose basiert auf der subjektiven Bewertung des Schlafs durch die Betroffenen. Folgende Kriterien müssen erfüllt sein, damit eine Schlafstörung als Insomnie bezeichnet werden kann (vereinfachter Wortlaut, für die exakten Kriterien siehe [61]):

  • 1. Die betroffene Person berichtet von Schlafproblemen, z.B. Ein- oder Durchschlafstörungen, frühmorgendlichem Erwachen oder Schwierigkeiten, zur angemessenen Zeit von selbst einschlafen zu können.
  • 2. Die berichteten Schlafprobleme wirken sich merklich auf die Befindlichkeit am Tag aus, z. B. durch Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Aufmerk-samkeits- oder Gedächtnisprobleme, Leistungseinbußen, Stimmungsschwankungen, Sorgen über den eigenen Schlaf etc.
  • 3. Die Schlafprobleme können nicht durch zu wenig Schlafgelegenheiten bzw. eine ungeeignete Schlafumgebung erklärt werden.
  • 4. Die Schlafprobleme und deren Konsequenzen treten mindestens dreimal in der Woche auf.
  • 5. Die Schlafprobleme und deren Konsequenzen bestehen seit mindestens drei Monaten.
  • 6. Die Schlafprobleme können nicht durch eine andere Schlafstörung erklärt werden.

Alle sechs Kriterien müssen erfüllt sein, damit eine Schlafstörung als Insomnie bezeichnet werden kann. Das bedeutet also, wer jede Woche zweimal schlecht schläft, sonst aber gut, der hat keine Insomnie. Auch wenn jemand zwei Monate lang fünfmal pro Woche schlecht schläft, es dann aber wieder besser wird, dann liegt keine Insomnie vor, sondern eher eine aktuelle, zeitlich begrenzte Krise.

Interessant ist, dass die Diagnose Insomnie ganz auf den subjektiven Aussagen der Betroffenen beruht. Eine objektive Messung des Schlafs wird meist nicht vorgenommen, obwohl diese Messung zusätzliche wichtige Informationen bringen könnte [63]. Wenn der Schlaf bei Insomnie-Patienten objektiv gemessen wird, so zeigt sich erwartungsgemäß meist auch eine Verschlechterung des Schlafs. Allerdings stimmen die objektiven Schlafdaten oft nicht mit dem Eindruck der Patienten überein. Manche Patienten berichten, während der letzten Wochen und Monate nur wenige Stunden oder sogar überhaupt nicht geschlafen zu haben. Die objektiven Schlafmessungen ergeben aber trotzdem eine Schlafdauer von fünf bis sechs Stunden oder mehr. Eine besonders starke Diskrepanz zwischen dem objektiven Schlaf und der eigenen Einschätzung tritt bei Patienten mit einer „paradoxen Insomnie“ auf: Sie bewerten ihren Schlaf als extrem schlecht oder geben sogar an, dass sie gar nicht geschlafen haben. Dabei ist ihr objektiver Schlaf (fast) genauso gut wie bei einem gesunden Schlafenden. Sie haben also häufig den Eindruck, dass sie längere Zeit wach liegen, obwohl sie eigentlich schlafen. Die Gründe für diese starke Diskrepanz zwischen der objektiven Schlafmessung und der subjektiven Schlafwahrnehmung sind noch nicht ausreichend bekannt und werden zurzeit aktiv erforscht [64]. Doch nicht nur Patienten, sondern auch gesunde Personen haben große Schwierigkeiten, ihre Schlafdauer und Schlafqualität korrekt einzuschätzen (siehe Frage Wie bewerten Menschen, ob ihr Schlaf gut oder schlecht war? in Kapitel 2). Allerdings ist die Diskrepanz zwischen Schlafwahrnehmung und objektiven Messwerten oft weniger groß als bei Patienten mit Insomnie

[65] ,

 
Quelle
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