Wie wird eine Insomnie behandelt?

Die erste Wahl für die erfolgreiche Behandlung ist die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie [63]. Diese Therapieform hat sich über eine Vielzahl von wissenschaftlichen Studien hinweg als sehr wirksam erwiesen: Die subjektive Schlafqualität verbessert sich nach der Therapie sehr, und die Patienten berichten von kürzeren Einschlafzeiten und weniger langen Wachphasen in der Nacht [70]. Die Schlafverbesserungen sind meist nachhaltig und halten über einen längeren Zeitraum hinweg an [71]. Die objektiven Schlafmessungen zeigen ebenfalls Verbesserungen. Allerdings ist die Wirkung der Therapie hier wesentlich schwächer als auf der Ebene der subjektiv berichteten Schlafqualität [72]. Dies passt dazu, dass die Patienten ihren Schlaf selber oft als sehr viel schlechter einschätzen, als es die Schlafmessungen ergeben.

Auch fundierte Online-Angebote zur kognitiven Verhaltenstherapie zeigen gute Behandlungserfolge [73]. Wie stark der Therapeut mit den Patienten direkt kommuniziert, ist bei den verschiedenen Angeboten unterschiedlich. Manchmal findet ein regelmäßiger Austausch über Video oder E-Mail statt. Manche Programme sind dagegen automatisiert und bieten Erklärungen und Übungen für den Patienten ohne direkten Kontakt mit dem Therapeuten an. Wichtig ist vor allem, dass das Angebot von Experten entwickelt wurde und die Elemente der klassischen Verhaltenstherapie für Insomnie enthält.

Die folgenden fünf Elemente bilden den Kern der kognitiven Verhaltenstherapie für Insomnie:

1. Aufklärung über den Schlaf und Regeln des guten Schlafs:

In diesem Teil der Therapie werden die Betroffenen über den Schlaf informiert. Ziel ist es, ihr Wissen über den Schlaf zu verbessern. Vor allem geht es darum, falsche Erwartungen zu identifizieren. Dies könnte zum Beispiel die falsche Erwartung sein, dass man jede Nacht mindestens acht Stunden durchschlafen muss, ohne aufzuwachen. Weiterhin werden die Patienten über die Regeln für einen guten Schlaf informiert, z.B. regelmäßige Bettzeiten einhalten usw. (siehe Frage Was sind die Empfehlungen zur Schlaftiygiene? in Kapitel 6).

2. Lernen und Üben von Entspannungstechniken:

Hier lernen und üben die Patienten verschiedene Techniken, mit denen sie einfacher und besser entspannen können. Die Techniken umfassen zum Beispiel die progressive Muskelentspannung, bei der man nach und nach verschiedene Muskeln des Körpers erst anspannt und dann wieder entspannt. Auch Atemtechniken werden eingeübt. Weitere Techniken können bildhafte Vorstellungen, Traumreisen, Hypnose oder Meditation sein. Ziel dieser Techniken ist es, durch eine bessere Entspannung während des Tages, und vor allem am Abend, das Einschlafen und den Schlaf zu fördern.

3. Schlafrestriktion:

Bei der Schlafrestriktion wird die Zeit, die man im Bett verbringen darf, auf die gefühlte Schlafdauer reduziert. Wenn eine Patientin also den Eindruck hat, sie schlafe nur fünf Stunden pro Nacht, darf sie zunächst auch nur fünf Stunden im Bett bleiben: also z. B. um 1 Uhr morgens ins Bett gehen und um 6 Uhr wieder aufstehen. Den Rest des Tages muss sie wach und aktiv bleiben. Die ansteigende Müdigkeit und das Schlafbedürfnis führen dazu, dass sie, wenn sie dann endlich ins Bett darf, relativ schnell einschlafen und nach und nach auch wieder durchschlafen kann. Wenn sich die Schlafqualität während dieser fünf Stunden verbessert, wird die erlaubte Zeit schrittweise erhöht. Wenn nicht, wird sie weiter verkürzt, bis ein guter Schlaf erreicht ist. Die Patienten lernen so wieder, dass sie eigentlich gut schlafen- und dass es oft kontraproduktiv ist, mehr als die notwendige Zeit im Bett zu verbringen. Dies ist eine sehr wirksame Komponente der Therapie. Allerdings ist die Durchführung nicht immer einfach und die Anwendbarkeit umstritten. Die Patienten sind gerade zu Beginn der Therapie tagsüber sehr müde. Deshalb halten sie das Programm häufig nicht lange genug durch und brechen vorher ab. Wenn man es jedoch durchhält, hilft es erwiesenermaßen dabei, wieder durchschlafen zu lernen. Schlafrestriktion in dieser extremen Form sollte allerdings nur in Begleitung eines professionellen psychologischen Therapeuten durchgeführt werden.

4. Stimuluskontrolle:

In diesem Teil der Therapie werden Verhaltensweisen erlernt und geübt, die den Schlaf fördern sollen. So soll z. B. das Bett nur zum Schlafen (und vielleicht Sex) genutzt werden, aber nicht zu Tätigkeiten wie Videos schauen oder Lesen, die mit Wachheit verbunden sind. So soll der Körper wieder lernen, dass das Bett und das Schlafzimmer mit Schlafen verbunden sind. Häufig wird auch empfohlen, wieder aufzustehen, wenn man längere Zeit wach im Bett liegt und nicht schlafen kann.

5. Kognitive Therapie:

Schließlich wird in der Therapie versucht, die identifizierten falschen Erwartungen und Glaubenssätze zum Schlaf zu verändern und durch passendere Erwartungen zu ersetzen. Eine verbreitete Angst ist zum Beispiel, dass man ohne Schlaf am nächsten Tag nicht mehr leistungsfähig ist. Dies führt zu einem Zwang, gut schlafen zu müssen. Genau diese Sorge hält aber viele Patienten vom Einschlafen ab. Hier kann der Therapeut auf verschiedenen Ebenen ansetzen: Zum einen ist man auch nach einer Nacht schlechten Schlafs erstaunlich leistungsfähig. Zum anderen stellt sich die Frage, ob der Leistungsdruck des Patienten wirklich sinnvoll ist und ob die Erwartungen an die eigene Leistung nicht allgemein zu hoch sind. Daraus können sich auch viele Ansätze zu einer umfassenderen Psychotherapie ergeben.

 
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