Das Kohärenzgefühl im Salutogenese-Ansatz nach Aaron Antonowsky

Der Begriff des Kohärenzgefühls ist stark verbunden mit dem Salutogenese-Ansatz nach Aaron Antonowsky. Er versteht darunter folgende Qualitäten:

„Das SOC (Kohärenzgefühl) ist eine globale Orientierung, die ausdrückt, in welchem Ausmaß man ein durchdringendes, andauerndes und dennoch dynamisches Gefühl des Vertrauens hat, dass

1. die Stimuli, die sich im Verlauf des Lebens aus der inneren und äußeren Umgebung ergeben, strukturiert, vorhersehbar und erklärbar sind;

2. einem die Ressourcen zur Verfügung stehen, um den Anforderungen, die diese Stimuli stellen, zu begegnen;

3. diese Anforderungen Herausforderungen sind, die Anstrengung und Engagement lohnen“ (Antonowsky, 1997, S. 36).

Die drei (bis dato identifizierten) Qualitäten des Kohärenzgefühls sind Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Bedeutsamkeit. Die Erfahrung von Bedeutsamkeit kann als die wichtigste und grundlegende Qualität bezeichnet werden. Hier kann eine geistig-religiöse Ausrichtung, eine Gruppenzugehörigkeit oder ein individuelles Verständnis, mit dem Sinn hergestellt wird, gemeint sein. Zur Qualität der Handhabbarkeit gehört ein Handwerkszeug, das zur Bewältigung anstehender Anforderungen eingesetzt wird. Dies kann auch an andere delegiert werden, z.B. auch an eine göttliche Instanz (vgl. Antonovsky, 1997, S. 35). Insgesamt geht es um das Empfinden, sich selbst und das eigene Leben zu verstehen, sich und das, was geschieht steuern und bewältigen zu können, außerdem Erfahrungen von Selbstwirksamkeit und last but not least um Erfahrungen von Stimmigkeit und Sinnhaftigkeit. Untersuchungen belegen, dass das Kohärenzgefühl hoch mit seelischer Gesundheit und entsprechenden Faktoren wie „Selbstwertgefühl, Optimismus, psychische Gesundheit, Kontrollüberzeugungen“ korreliert (Franke in Antonovsky, 1997, S. 172). Antonovsky hat zwar ein mittlerweile insgesamt überholtes Identitätskonzept vertreten [1], formulierte jedoch für die Herausbildung eines hohen Kohärenzgefühls die sozialen und kultur-historischen Bedingungen als maßgeblich (vgl. Grabert, 2007, S. 31), was wiederum dem in dieser Arbeit favorisierten Identitätsbildungskonzept entspricht.

  • [1] Er vertrat die Sichtweise, dass die Identitätsentwicklung mit etwa 30 Jahren abgeschlossen sei und das bis dahin entwickelte Kohärenzgefühl für das restliche Leben in etwa gleich bleiben würde und nicht veränderbar sei (vgl. Grabert, 2007. S. 31).
 
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