Was sind Parasomnien?

Parasomnien sind Schlafstörungen, die in dem Zwischenbereich zwischen Wachen und Schlafen auftreten. Sie umfassen Phänomene, die uns sehr befremdlich vorkommen können, wenn wir sie bei anderen erleben. Die Betroffenen selber bekommen davon meist gar nicht viel mit.

• Schlafwandeln:

Beim Schlafwandeln steht die betroffene Person nachts auf und führt recht komplizierte Handlungen durch. Sie läuft durch die Wohnung, zieht sich an oder räumt auf. Manchmal kann es auch zu ungewollten Essanfällen kommen. Schlafwandeln tritt vermehrt bei Kindern und Jugendlichen auf, bei Erwachsenen ist es dagegen eher selten. Während des Schlafwandelns befinden sich die Personen in einem stabilen mitteltiefen oder tiefen Schlaf. Im REM-Schlaf ist Schlafwandeln nicht möglich, da die Muskulatur in diesem Schlafstadium gelähmt ist. Schlafwandeln ist zunächst einmal nicht gefährlich, es sei denn, die Personen stürzen oder verletzen sich bei ihren nächtlichen Aktivitäten. Man sollte also vor allem darauf achten, dass sie nichts umstoßen oder vom Balkon fallen können, indem man z. B. die Türen abschließt. Meist haben Schlafwandler keine Erinnerung daran, was sie während des Schlafwandelns gemacht haben. Einige wissen noch nicht einmal, dass sie überhaupt schlafwandeln. Eine Seminarteilnehmerin hat mir einmal berichtet, dass erst eine Videoaufnahme ihres Freundes sie überzeugt habe, dass sie tatsächlich nachts schlafwandelt. Und es sei mehr als seltsam gewesen, sich selbst nachts am Herd mit (leeren) Pfannen und Töpfen hantieren zu sehen. Während des Schlafwandelns können aber kurze Träume oder traumhafte Bildeindrücke auftreten, die meist eher negativ sind [89].

• Nachtschreck:

Der Nachtschreck (Pavor nocturnus) tritt vor allem im Tiefschlaf auf, in der ersten Stunde nach dem Einschlafen. Es sind vor allem Kinder betroffen, Jungen etwas häufiger als Mädchen. Die Kinder fangen plötzlich im Schlaf an zu wimmern, zu keuchen, oder sie beginnen zu schreien. Sie verspüren Angst, haben einen schnellen Herzschlag, atmen schnell und haben wahrscheinlich auch unangenehme kurze

Träume. Dabei befinden sie sich in einem Zwischenzustand, in dem sie nicht oder nur sehr schwer weckbar sind. Sie erkennen auch ihre Angehörigen nicht. Für Eltern ist dies sehr schmerzlich anzusehen, da ihre Kinder offenbar leiden, sie aber kaum etwas tun können. Trotzdem kann man versuchen, ihnen leise und besänftigend zuzureden. Berührungen werden während des Nachtschrecks manchmal zurückgewiesen. Aber wenn die Kinder es zulassen, kann man versuchen, sie in den Arm zu nehmen oder zu streicheln. Der Nachtschreck dauert wenige Minuten bis zu einer Viertelstunde. Danach schlafen die Kinder meist wieder ein und schlafen auch den Rest der Nacht ruhig weiter. Am nächsten Morgen können sie sich kaum daran erinnern. Auch der Nachtschreck scheint an sich nicht gefährlich zu sein und hängt wohl eher mit Entwicklungsprozessen bei Kindern zusammen.

• Albträume:

Albträume werden ebenfalls zu den Parasomnien gezählt, wenn sie eine starke Belastung für die betroffenen Personen darstellen. Aus diesen Träumen wachen sie häufig mit großer Angst und klopfendem Herzen auf, und es dauert eine Weile, bis sie sich orientiert haben. Albträume treten vermehrt nach traumatischen Ereignissen (z. B. Unfällen, Kriegsereignissen, Vergewaltigungen etc.) auf. Es gibt auch wiederkehrende Albträume, in denen dieselben Ereignisse immer wieder geträumt werden (siehe Frage: Was kann ich gegen Albträume tun? in Kapitel 2).

• REM-Schlaf-Verhaltensstörung:

Bei gesunden Personen ist die Muskulatur im REM-Schlaf gelähmt, man kann also keine großen Bewegungen ausführen. Bei Patienten mit einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung ist die Blockade der Muskeln im REM-Schlaf teilweise aufgehoben oder nicht vorhanden, und es kommt zu starken Bewegungen. Zum Teil schlagen und treten sie im REM-Schlaf um sich oder bewegen heftig den Kopf und/oder den Körper. Bei einer anderen Form der REM-Schlaf-Verhaltensstörung hält die Lähmung der Muskeln aus dem REM-Schlaf noch an, obwohl die Patienten bereits wach werden. Sie fühlen sich wie gelähmt und sind doch wach. Es können auch bildhafte, meist negative Vorstellungen dazukommen. Diese könnten eine Erklärung für einige paranormale Erlebnisberichte sein, wie z. B. Entführungen von Außerirdischen und Ähnliches [90].

 
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