Bin ich nach dem Schlaf weniger müde?

Schlaf reduziert Müdigkeit, das sollte ja wohl die klarste Sache der Welt sein. Häufig wird Reduktion der Müdigkeit bzw. Förderung der Wachheit am Tag als die wichtigste Funktion des Schlafs angesehen. Und im Großen und Ganzen ist das auch so. Je kürzer wir in der Nacht schlafen und je früher wir aufstehen müssen, desto müder fühlen wir uns [2]. Umgekehrt gilt, je besser wir schlafen, desto weniger müde fühlen wir uns am nächsten Tag.

Gerade in der ersten Zeit nach dem Aufwachen können wir uns aber immer noch müde fühlen, obwohl wir ausreichend geschlafen haben. Viele Menschen haben die Vorstellung, dass sie nur dann gut geschlafen haben, wenn sie gut gelaunt aufwachen und fit aus dem Bett springen. Das stimmt aber nicht. In den ersten 15-30 Minuten nach dem Aufwachen sind wir meist in einem Zustand, der als sleep inertia (englisch: Schlafträgheit) bezeichnet wird [3]: müde, vielleicht auch etwas desorientiert. Wir sind dann tatsächlich auch weniger leistungsfähig, und unsere Reaktionszeit ist messbar verlangsamt. Die Phase der Schlafträgheit ist länger, wenn wir mehr Zeit im Tiefschlaf verbracht haben. Deshalb fühlen wir uns wahrscheinlich nach einem längeren Mittagsschlaf, der auch Tiefschlaf enthält, zunächst weniger erfrischt [4]. Doch auch die Uhrzeit des Aufwachens und unser körpereigener Schlaf-wach-Rhythmus beeinflussen unsere Trägheit nach dem Schlaf [5]. So dauert diese Phase länger, wenn wir in der zweiten Nachthälfte aufwachen, als beim Aufwachen am Morgen. Es kann also sein, dass wir uns müde fühlen, obwohl (oder gerade, weil) wir ausreichend und tief geschlafen haben. Das Müdigkeitsgefühl direkt nach dem Aufwachen sollten wir deshalb nicht unbedingt als Indikator für die Erholsamkeit unseres Schlafs heranziehen, sondern dies besser erst eine halbe Stunde später tun.

Es gibt auch Personen, die sich trotz ausreichenden Schlafs am Tag sehr müde und erschöpft fühlen. Oder sie sind erschöpft und können trotzdem nicht gut einschlafen. In der Medizin wird hier meist zwischen sleepiness (englisch: Schläfrigkeit) und fatigue (englisch: Erschöpfung) unterschieden [6]. Bei einer erhöhten Schläfrigkeit kann ich sehr gut einschlafen. Umgekehrt reduziert ein gesunder Schlaf die Schläfrigkeit. Eine erhöhte Erschöpfung kann dagegen auch durch Belastung und Stress, traurige Verstimmung und Depression oder andere Krankheiten verursacht werden [7]. In diesen Fällen hilft der Schlaf nicht, um die Erschöpfung zu reduzieren.

 
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