Macht Schlafen schlank?

Ich habe in der vorherigen Frage beschrieben, dass ein gestörter oder zu kurzer Schlaf eine erhöhte Kalorienzufuhr während des Tages bewirken kann und damit das Risiko für Übergewicht fördert. Das bedeutet umgekehrt, dass ausreichender Schlaf die Kalorienzufuhr eher normalisieren sollte. Können Übergewichtige aber tatsächlich abnehmen, wenn sie besser oder länger schlafen?

Erstaunlicherweise ja. Mehrere Studien haben die Wirkung einer Schlafverlängerung auf den Appetit und die Nahrungsaufnahme von Kurzschläfern getestet [17]. Sie kommen überwiegend zu positiven Ergebnissen: An einer dieser Untersuchungen nahmen 10 übergewichtige junge Erwachsene teil [18]. Sie gaben an, regelmäßig 6,5 Stunden zu schlafen. Während zwei Wochen sollten sie nun im Durchschnitt 8,5 Stunden im Bett bleiben. Zusätzlich wurden sie individuell über Schlaf und optimales Schlafverhalten aufgeklärt. Während der Studie schliefen sie ungefähr eine Stunde und 35 Minuten mehr als vorher. Sie fühlten sich energetischer und waren weniger müde. Und sie gaben an, insgesamt weniger Appetit zu haben. Vor allem ihre Lust auf süße und salzige Lebensmittel war stark reduziert. Die Schlafverlängerung hatte also ihren Appetit verändert und möglicherweise normalisiert.

In einer weiteren Studie wurde die Nahrungsaufnahme direkt gemessen. Sie kommt zu einem ähnlich positiven Ergebnis: Eine einstündige Verlängerung des Schlafs führte zu einem geringeren Konsum von freiem

Zucker, Kohlenhydraten und Fett im Gegensatz zu einer Gruppe von Erwachsenen, die ihren typischen Schlaf beibehielten [19]. Übergewichtige Jugendliche nahmen während einer vierwöchigen Verlängerung des Schlafs um ungefähr eine Stunde im Schnitt 1,3 Kilogramm ab [20]. Auch bei Kindern führte eine Schlafverlängerung während einer Woche zu einer niedrigeren Kalorienaufnahme während des Tages und zu einem niedrigeren Körpergewicht [21]. Eine interessante Beobachtung zur Auswirkung einer verlängerten Schlafgelegenheit wurde in Südkorea gemacht: Die Behörden entschieden im Jahr 2011, die Öffnungszeiten von Institutionen, die Nachhilfeunterricht anboten, auf 22 Uhr zu begrenzen [22]. Diese Maßnahme führte wahrscheinlich bei vielen Schülern zu einer längeren Schlafdauer. In der Folge zeigte sich eine deutliche Abnahme des Körpergewichts bei Jugendlichen und ein verringertes Risiko für Übergewicht.

Eine Veränderung des Schlafverhaltens scheint also tatsächlich eine positive Wirkung auf das Essverhalten und möglicherweise auch das Körpergewicht zu haben. Allerdings wurden die bisherigen Studien meist nur mit wenigen Teilnehmern durchgeführt, groß angelegte Untersuchungen fehlen noch. Auf Basis der bisherigen Erkenntnisse wurden trotzdem bereits Aufklärungsprogramme für Jugendliche entwickelt und durchgeführt. In diesen Kampagnen werden sie über die Wichtigkeit des Schlafs informiert, und es werden Tipps für einen guten Schlaf gegeben. Leider sind diese Programme oft nicht ausreichend, um wirklich das Schlafverhalten der Jugendlichen zu verbessern, und die Wirkung auf ihr Essverhalten und ihr Körpergewicht ist nicht einheitlich positiv [23].

Die bisher beschriebenen Erkenntnisse basieren alle auf der Idee, einen zu kurzen Schlaf zu verlängern. Wenn ich aber ohnehin schon ausreichend lange schlafe, hilft mir der Schlaf da auch beim Abnehmen? Ich habe eine Reihe von Konzepten und Ideen dazu gefunden. So hat z. B. Dr. Detlef Pape ein ganzes Diät-Konzept zusammengestellt, das er „Schlank im Schlaf“ nennt [24]. Es basiert auf einer sogenannten „Insulin-Trenn-kost-Diät“. Die Annahme ist, dass die Erholung und Regeneration im Schlaf Energie verbraucht. Durch die Trennkost soll der Körper diese Energie aus den Fettzellen verwenden. Dadurch helfe einem der Schlaf beim Abnehmen. Nach einer Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung liegen allerdings zur Wirksamkeit dieser Art des Fastens keine wissenschaftlichen Befunde vor [25].

 
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