Lasse ich mich nach Schlaf weniger stressen?

Insgesamt sollte guter Schlaf dazu führen, dass wir uns am Tag weniger stressen lassen. So zeigte eine Studie, dass sich diejenigen Jugendlichen mental stärker und widerstandsfähiger fühlten, die einen guten und ausreichenden Schlaf hatten [32]. Polizisten mit einem besseren Schlaf waren ebenfalls resistenter gegenüber Stress als ihre Kollegen, die von einem schlechten Schlaf berichteten [33]. Woran könnte das liegen?

Schlaf beeinflusst unsere Emotionen und unsere Wahrnehmung von Stress. Nach einer Nacht ohne Schlaf kann es sein, dass wir stärkere emotionale Reaktionen zeigen, als wenn wir ausgeschlafen sind [29]. Auch in unserem Gehirn sind bestimmte Regionen, die emotionale Informationen verarbeiten, aktiver, wenn wir eine Nacht lang nicht geschlafen haben [34]. Gleichzeitig scheint aber der fehlende Schlaf eine Verzerrung hin zu negativen Emotionen zu verursachen, sodass wir Erlebnisse am Tag als weniger positiv einschätzen [35]. Nach einer Nacht ohne Schlaf zeigen wir auch weniger positive Gesichtsausdrücke [36] und äußern uns weniger positiv als nach einer Nacht mit ausreichendem Schlaf [37]. Dies kann dazu führen, dass wir den Tag insgesamt als stressiger erleben, da wir mehr negative Erlebnisse sehen und diese auch intensiver wahrnehmen. So erlebten Jugendliche ihren Tag als stressiger, wenn sie in der Nacht zuvor einen zu kurzen oder gestörten Schlaf hatten [38]. Und Personen mit Schlafstörungen berichten insgesamt von stärkerem Stress als Menschen mit einem gesunden Schlaf [39].

Neben der Wahrnehmung der Ereignisse funktioniert auch die Regulation unserer Emotionen ohne ausreichenden Schlaf weniger gut. Gerade unsere Fähigkeit zur Unterdrückung und Kontrolle unserer emotionalen Impulse nimmt mit einem gestörten Schlaf ab. Deshalb sind wir wahrscheinlich nach einer Nacht ohne oder mit schlechtem Schlaf reizbarer. Dies zeigt sich auch durch eine stärkere Reaktion des körpereigenen Stresssystems auf negative Reize und Stressoren bei Personen, die einen schlechten Schlaf haben [40]. Umgekehrt kann wiederum der erlebte Stress am Tag unseren Schlaf negativ beeinflussen. Hier scheinen sich die Menschen stark zu unterscheiden. Bei einigen führt Stress am Tage zu starken Schlafproblemen [41], sie nehmen ihre Probleme sprichwörtlich „mit ins Bett“. Diese Menschen haben auch ein höheres Risiko, stressbe-zogene Schlafstörungen zu entwickeln. Andere dagegen schlafen trotz Stress am Tag in der Nacht wunderbar.

 
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