Macht Schlaf intelligenter?

Obwohl Schlaf viele positive Effekte auf unsere Wachheit, Aufmerksamkeit, unser Lernen und unser Gedächtnis hat, scheint sich Schlaf nicht auf unsere Intelligenz auszuwirken. Es gibt so gut wie keine Berichte über Zusammenhänge zwischen Schlafdauer oder Schlafqualität mit Ergebnissen von Intelligenztests. Nur bei Kindern und Jugendlichen liegen vereinzelte Studien vor. Eine Studie berichtet interessanterweise sogar von einem negativen Zusammenhang: Kinder zwischen 7 und 11 Jahren, die kürzer schliefen, erreichten bessere Werte im Intelligenztest als Kinder, die länger schliefen [103]. Die Studien zeigen also entweder keine oder uneinheitliche Zusammenhänge zwischen Schlaf und Intelligenz.

Mehrere Berichte gibt es allerdings in Bezug auf Schlafspindeln, die hauptsächlich im mitteltiefen, aber auch im tiefen Schlaf vorkommen (siehe Frage Was ist der mitteltiefe N2-Schlafm Kapitel 2): Hier zeigte sich, dass intelligentere Kinder und Jugendliche mehr Spindeln im Schlaf haben [104]. Dies galt vor allem für die Fähigkeit, logisch zu denken („fluide“ Intelligenz). Die verbale Intelligenz bzw. der allgemeine Intelligenzwert zeigten keine Zusammenhänge mit Schlafspindeln. Bei jungen Erwachsenen ist die Lage weniger eindeutig. Während in einer Studie der Zusammenhang zwischen höherer Intelligenz und mehr Schlafspindeln eher bei Frauen auftrat [105], berichtet eine andere Studie von einem größeren Zusammenhang bei Männern [106].

Schlafspindeln könnten also bei Kindern mit Intelligenz Zusammenhängen. Die uneinheitlichen Ergebnisse bei Erwachsen lassen dagegen eher den Schluss zu, dass Schlafspindeln über die Kindheit hinaus keinen großen Einfluss auf die Intelligenz haben. Insgesamt gibt es also bislang keine eindeutigen Hinweise darauf, dass Schlaf intelligenter macht.

 
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