Kann ich im Traum Sportübungen trainieren?

Nach anekdotischen Berichten üben und wiederholen zahlreiche Sportlerinnen ihre Bewegungsabläufe in ihren Träumen. Die Sportarten reichen dabei von Kampfsport wie Karate oder Aikido über Skilaufen und Windsurfen bis hin zu Leichtathletik und Yoga. Die Sportler benutzen dafür die Technik des Klarträumens oder auch luziden Träumens (siehe Frage Was sind Klarträume? in Kapitel 2). In diesen speziellen Träumen ist sich der Träumende bewusst, dass er träumt. Er kann den Trauminhalt aktiv beeinflussen und bestimmte Bewegungsabläufe im Traum trainieren. Doch führt das Trainieren im Klartraum tatsächlich zu einer messbaren sportlichen Verbesserung?

Die Forscher Daniel Erlacher und Michael Schredl sind dieser Frage in einer Studie nachgegangen [127]. Die Versuchsteilnehmer mussten üben, eine Münze in eine Kaffeetasse zu werfen, die ca. zwei Meter entfernt stand. Einige trainierten diesen Bewegungsablauf im Klartraum weiter. Im Durchschnitt schafften sie es, sechs Minuten lang so zu üben. Dieses Training im Klartraum verbesserte die Trefferquote beim echten Werfen um ca. 8%. Personen, die nicht im Traum trainieren konnten, waren dagegen am nächsten Morgen nicht besser. Auch zwei weitere wissenschaftliche Studien fanden Hinweise, dass Training im Klartraum die Leistung beim Trainieren von schnellen Fingerbewegungen [128] sowie beim Dartwerfen verbessert [129]. Beim Dartwerfen profitierten insbesondere die Personen, die sich während des Trainings im Traum nicht von anderen Traumfiguren und Ereignissen im Traum ablenken ließen.

Diese ersten Forschungsergebnisse legen nahe, dass das Trainieren von Sportübungen im Traum Verbesserungen bewirken kann. In einer Umfrage unter Sportlern gaben tatsächlich 5 % der Befragten an, diese Technik bereits für ihr Training zu verwenden [130]. Ob dies tatsächlich einen Vorteil für den Wettkampf im Leistungssport darstellt, ist bisher noch nicht untersucht worden. Und vor allem ist nicht klar, ob durch das Trainieren im Traum zusätzliche Fähigkeiten erworben werden können, die man so nicht auch durch das Üben am Tag hätte lernen könnten. Denn sonst könnte ich ja einfach zehn Minuten länger im Wachzustand üben und brauche die zusätzliche Übungsphase im Traum nicht.

 
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